Bildungsurlaub für Arbeitnehmer Verschmähtes Recht auf Bildung

Jeder Arbeitnehmer in Bremen hat das Recht auf Bildungsurlaub, das ist gesetzlich festgeschrieben. Doch kaum einer macht davon Gebrauch.
11.09.2015, 00:00
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Verschmähtes Recht auf Bildung
Von Kathrin Aldenhoff

Jeder Arbeitnehmer in Bremen hat das Recht auf Bildungsurlaub, das ist gesetzlich festgeschrieben. Doch kaum einer macht davon Gebrauch. Nur drei Prozent der Beschäftigten im Land Bremen nähmen ihr Recht auf Bildungsurlaub wahr, sagte die Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan (SPD), am Donnerstag. Und das, obwohl es das Bremische Bildungsurlaubsgesetz bereits seit 40 Jahren gibt.

Die rot-grüne Koalition will den Bildungsurlaub stärken und ausbauen, sagte Bogedan. „Die Politik will unterstützen, dass Menschen sich bilden, von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter.“ Die Arbeitswelt wandle sich rasant. Es sei wichtig, Arbeitnehmern dabei zu helfen, sich in dieser neuen Arbeitswelt zu orientieren. Und Weiterbildung sei ein Baustein, um diesen Wandel zu begleiten.

Auch die Betriebe sollten ein Interesse an kompetenten Arbeitnehmern zu haben, sagte Bogedan. Bisher sei die Akzeptanz für Bildungsurlaub in den meisten Betrieben niedrig. Das solle sich in Zukunft ändern. „Die Unternehmen müssen wir dafür gewinnen, dass die Freistellung für Bildungsurlaub kein gesetzlich erzwungenes Übel ist, sondern Teil einer modernen Unternehmenskultur, die die Kreativität und Innovationsfreudigkeit der Beschäftigten stärkt“, sagte Bogedan.

Eine Studie der Universitäten Hannover und Bremen, der Arbeitnehmerkammer und der Bildungssenatorin zeigt, dass das Prinzip Bildungsurlaub vor allem in Großunternehmen funktioniert, die wirtschaftlich in einer relativ guten Lage sind, einen starken Betriebsrat sowie viele in Gewerkschaften organisierte Mitarbeiter haben und in denen es stabile Beschäftigungsverhältnisse gibt.

„Die Unterstützung durch die Unternehmen spielt eine große Rolle“, sagte Steffi Robak, Professorin für Erwachsenenbildung an der Universität Hannover. Sie leitete die Studie, derzufolge etwas mehr Männer als Frauen Bildungsurlaub nehmen. Die meisten Teilnehmer seien zwischen 36 und 50 Jahren alt und Bildungsurlauber hätten mehrheitlich einen mittleren bis hohen Bildungsabschluss. Wobei die Selektion geringer sei als sonst: Im Bildungsurlaub seien 30 Prozent der Teilnehmer Arbeiter, bei anderen Weiterbildungsangeboten seien es nur sieben Prozent. Beschäftigte von Kleinstunternehmen seien jedoch klar unterrepräsentiert. Auffällig sei auch, dass mehr als 40 Prozent der Bildungsurlauber im Schichtbetrieb arbeiten.

Für Schichtarbeiter sei Bildungsurlaub oft die einzige Möglichkeit zur Weiterbildung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, Ingo Schierenbeck. In Bremens großen Industriebetrieben arbeiteten mehrere zehntausend Menschen ständig in Wechselschichten. „Für sie ist der inhaltliche und soziale Austausch im Bildungsurlaub ein hohes Gut.“

Die Handelskammer Bremen schrieb in einem Kommentar zur Studie, dass Teilnehmer durch die Weiterbildung idealerweise kompetenter würden. Davon könne auch das Unternehmen profitieren: „Und zwar nicht nur von höherer Fachkompetenz, sondern auch von höherer Sozial-, Personal- und Methodenkompetenz.“

Den Bildungsurlaub zu stärken funktioniere nur, wenn Arbeitgeber und Weiterbildungseinrichtungen an einem Strang zögen, sagte die Bildungssenatorin. Sie habe sich im Übrigen schon immer gefragt, warum es Bildungsurlaub heiße. Denn um Erholung gehe es ja nicht. Sondern um Zeit für Bildung.

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