Hobby, Arbeit und Überlebensstrategie

Verstecken und Suchen: Drei Experten aus Bremen erzählen

Ostern werden Eier gesucht. Ein Geocacher, zwei Hundeausbilder der Bremer Polizei und ein Biologe erklären, warum Verstecken und Suchen auch in der Freizeit, im Beruf und im Tierreich eine große Rolle spielen.
04.04.2021, 05:00
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Verstecken und Suchen: Drei Experten aus Bremen erzählen
Von Nina Willborn

Für viele Familien gehört es zu Ostern wie der Hase und der Gottesdienst: das Verstecken von bunten Nestern, Eiern aus Schokolade oder auch kleinen Geschenken. Es gibt aber auch Menschen, für die das Suchen und Finden von Dingen an vielen Tagen im Jahr eine Rolle im Beruf oder in der Freizeit spielt. Im Tierreich ist Verstecken eine wichtige Überlebensstrategie. Ein Geocacher, zwei Diensthunde-Experten der Polizei und ein Biologe erzählen.

Geocaching: „Man entwickelt ein Auge für Verstecke“

Vergraben dürfen sie nicht sein, und nicht auf verbotenem oder gefährlichem Gelände wie an Bahnschienen. Ansonsten, sagt Torsten Peymann aus Arsten, seien Verstecken für Geocaches kaum Grenzen gesetzt. Seit rund neun Jahren ist der Ingenieur, wenn er an Wochenenden draußen unterwegs ist, auf der Suche nach den kleinen Kunststoffröhrchen, in denen sich ein Logbuch zum Eintragen verbirgt. Über die Jahre hat er insgesamt 3100 geknackt, immer auf der Basis ihrer Koordinaten, die aufs Handy geladen werden. Viele in und um Bremen herum, aber auch im Urlaub. „Auf Bornholm zum Beispiel gab es einen Cache, zu dem man hinschwimmen musste“, sagt Peymann. „Die Leute denken sich die wildesten Sachen aus. Es gibt auch Tauchcaches.“

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Im Prinzip ist Geocaching eine handyoptimierte Form der Schnitzeljagd in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. „Es gibt Stufen von eins bis fünf“, erklärt Peymann. „Bei Stufe eins sind die Verstecke nicht so schwierig, da dauert die Suche meistens zwei bis drei Stunden. Bei Stufe fünf weiß ich schon im Vorhinein, dass ich eventuell besser eine Kletterausrüstung oder eine Wathose einpacke.“ Bei sogenannten Mystery-Caches müssen die Sucher erst Rätsel lösen, bevor sie an die Koordinaten für das Logbuch kommen, eine andere Form sind „Multi-Caches“ mit verschiedenen Stationen, eine Weitere spezielle Caches für Nachtsuchen.

Was für Peymann die Faszination an diesem Hobby ausmacht? „Ich löse gerne Rätsel“, sagt der 54-Jährige. „Und mit der Zeit entwickelt man ein Auge für mögliche Verstecke.“ Beispielsweise könne man bei Geocaches, die im Wald versteckt sind, darauf achten, ob in der Nähe der angegebenen Koordinaten Moos gelöst und anders drapiert oder Stöckchen in einer ungewöhnlichen Formation lägen. „Am Ende der Suche ist man schmutzig und zerkratzt aber glücklich, weil man die Dose gefunden hat“, sagt Peymann. Wenn gerade keine Pandemie Kontakte einschränkt, geht er oft zusammen mit einer Gruppe befreundeter Geocacher auf die Suche. „Ich mag es einfach, mich in der Natur zu bewegen, dabei zu klönen und dann auch noch Caches zu finden.“

„Hunde arbeiten erfolgsorientiert“

„Ein Hund weiß nicht, dass er uns Menschen gerade hilft, weil wir das Versteck mit unseren Mitteln nicht finden können“, sagt Uwe Garlichs. Er leitet mit seiner Kollegin Yvonne Stellmacher das Referat, das die Diensthundestaffel der Bremer Polizei verantwortet. „Für die Hunde ist die Suche ein großes Spiel, sie arbeiten erfolgsorientiert. Sie werden so ausgebildet, dass sie ein positives Erlebnis damit verbinden.“ Sprich eine Belohnung, wenn Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel gefunden werden – in Form eines Leckerlis oder, wie in der Ausbildung, in der Erlaubnis, ihrem Beutetrieb zu folgen und dem Ausbilder in den Ärmel beißen zu dürfen.

Die insgesamt aktuell knapp 20 Diensthunde der Bremer Polizei werden entweder im Bereich „Schutz“ oder als „Spezialhund“ für die Erschnüffelung von Rauschgift oder Sprengstoff ausgebildet. Zukünftig soll es auch eine Ausbildung im Bereich Banknoten geben. Acht bis zehn Wochen dauert es, bis die deutschen, belgischen oder holländischen Schäferhunde, diese Rassen werden in Bremen eingesetzt, Schutzhunde sind, etwas länger dauert die Spezialhunde-Ausbildung.

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Voraussetzung, dass ein Spezialhund etwa ein im Steintor verstecktes Drogenpäckchen findet, ist der Geruch. „Wenn etwas vakuumverpackt ist und absolut keine Spuren mehr daran zu finden sind, kann auch ein Hund es nicht finden“, sagt Yvonne Stellmacher. „Das kommt aber selten vor.“ Vor einiger Zeit musste das Bremer Rathaus evakuiert werden, weil ein Suchhund bei der obligatorischen Prüfung vor wichtigen Veranstaltungen angeschlagen hatte. „Es stellte sich dann im Nachhinein heraus, dass in der fraglichen Kiste ein halbes Jahr zuvor Feuerwerk transportiert worden war“, sagt Stellmacher.

Dass Polizeihunde sozusagen auch freiwillig während des Gassigehens in der Freizeit arbeiten, kommt laut dem Referatsleiter durchaus vor. „Im Dienst gibt es ein vorher festgelegtes Ritual, damit die Hunde wissen, dass der Sucheinsatz beginnt. Aber vor allem bei den älteren Hunden beobachten wir das Suchverhalten auch beim normalen Gassigehen. Die sind dann auf die Belohnung aus.“

„Durch Verstecken werden Tiere unsichtbar“

Tarnung sichert das Überleben: Nach diesem Motto agierten viele Tiere, sagt Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Bremen. „Verstecken als Überlebensstrategie spielt im Tierreich eine riesengroße Rolle“, sagt der Biologe. Beispiele lassen sich ihm zufolge viele finden. Bei heimischen Arten wie Hasen oder Rehen beispielsweise spielt ihm zufolge eine große Rolle, dass Jungtiere keinen speziellen Eigenduft besitzen, der sie für Raubtiere erkennbar macht.

„Andere Tiere werden unsichtbar, indem sie sich tarnen“, sagt Rode. „Die Stabheuschrecke sieht aus wie ein Ästlein, wird deshalb von Vögeln nicht als Beute erkannt. Das Rotkehlchen brütet in Bodennähe, verschmilzt mit seinem roten Latz mit dem gefallenen Laub.“ Für die Jäger gilt dasselbe Prinzip: Die Streifen des Tigers lassen ihn optisch im Halbschatten des Dschungels verschwinden, das weiße Fell des Eisbärs lässt ihn mit seiner Jagdumgebung verschmelzen. Harmlose Schwebfliegen dagegen nutzten das Prinzip Tarnung zur Abschreckung. „Sie ähneln Wespen, also potenziell aggressiven und gefährlichen Tieren“, sagt Rode.

Vergleichsweise wenig nutzen laut Rode Tiere Verstecke, um Nahrung zu bunkern. „Tiere leben eigentlich von der Hand in den Mund“, sagt er. Dass Arten wie Eichhörnchen, Krähenvögel wie Eichelhäher oder auch Eulen Vorräte anlegten, sei jahreszeitenbedingt. „Sie müssen den Winter überbrücken.“ Das Problem der Tiere: Wie finden sie die versteckten Körner oder Samen wieder? Eichhörnchen können sich am Geruch der von ihnen versteckten Eicheln orientieren. „Sie finden aber bei Weitem nicht alle wieder“, sagt Rode. Vögel dagegen besitzen keinen besonders guten Geruchssinn. „Bei ihnen läuft die Suche über die Erinnerungsleistung“, sagt Rode. „Sie müssen sich die Verstecke merken.“

Info

Zur Sache

Eier verstecken

Worauf dieser Osterbrauch zurückgeht, ist nicht ganz geklärt. Eine Variante ist, dass in vorchristlicher Zeit im Frühling zu Ehren der germanischen Göttin Ostara Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Lebens verschenkt wurden. Später wurde dieser Brauch von der Kirche verboten, also wurden die Eier heimlich verschenkt, indem sie versteckt wurden. Andere Theorien besagen, dass sich der Brauch ab dem 18. Jahrhundert als österliches Unterhaltungsspiel für Kinder in bürgerlichen, protestantischen Familien entwickelt hat. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelten Hersteller erste Hohlformen für Schokoladeneier und -hasen.

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