Initiative "Bremen ist bunt"

Versuch eines Neuanfangs

7000 Menschen haben im Januar 2015 auf dem Marktplatz für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz demonstriert. Der Name war Programm: „Bremen ist bunt“.
01.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Walbröhl und André Fesser
Versuch eines Neuanfangs

„Bremen ist bunt“ – und manchmal kann man das sogar sehen.

Frank Thomas Koch

7000 Menschen haben im Januar 2015 auf dem Marktplatz für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz demonstriert. Der Name war Programm: „Bremen ist bunt“ oder „Bremen tut was“ lauteten die Überschriften für die Bewegung, die so viele Menschen und Gruppierungen hinter sich versammelte.

Ein Jahr später ist es still geworden um die Initiative, die seinerzeit vom damaligen Bürgermeister Jens Böhrnsen auf den Weg gebracht worden war. Allerdings will der Rat für Integration ausloten, ob es sinnvoll ist, das Projekt mit neuem Leben zu füllen. In Kürze soll es dazu ein Treffen geben (wir berichteten).

Anhänger einer Willkommenskultur

Offen ist, ob die Revitalisierung gelingt. Zwar gibt es zurzeit viele Anlässe, auf die Straße zu gehen und sich für eine offene Stadt zu engagieren. Die Frage ist aber, ob genügend Menschen mitmachen. „,Bremen ist bunt’ ist keine Bürgerbewegung, die von unten gewachsen ist“, sagt der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst, der an der Universität das Institut für Interkulturelle und Internationale Studien leitet. Der Impuls sei aus dem Rathaus gekommen. Also handele es sich dabei um ein eher institutionelles Bündnis. Somit könne man noch nicht von einer sozialen Bewegung sprechen. Anders sei das beispielsweise bei der Anti-Atomkraft-Bewegung, die schon seit den 70er-Jahren die Debatte um die Nutzung der Atomenergie kritisch begleitet und sich aus verschiedenen Initiativen speist.

Zu den Zielen von „Bremen ist bunt“ gehörte es, eine Willkommenskultur zu etablieren. Probst ist skeptisch, ob es gelingen kann, auch kritische Teile der Gesellschaft zu erreichen. So hätten zwar viele Menschen die Initiative unterstützt. Allerdings repräsentierten sie in erster Linie den Teil von Gesellschaft und Politik, der bereits Anhänger einer Willkommenskultur sei, sagt Probst. „Die Gefahr ist, dass man auf dieser Basis tatsächlich in erster Linie den Teil der Gesellschaft erreicht, der diese Position sowieso schon teilt.“ Daher sei fraglich, ob Integrationsbereitschaft und Toleranz auf diese Weise gefördert werden können.

Böhrnsen steht weiter hinter der Initiative

Sebastian Haunss vom Zentrum für Sozialpolitik in Bremen schreibt Demonstrationen wie im Januar 2015 dennoch eine Wirkung zu: Dabei handele es sich nicht allein um Informationsveranstaltungen, sondern um öffentliche Bekenntnisse zu einer Sache, sagt der Wissenschaftler. „Ein Thema wird öffentlich sichtbar, und das in Verbindung mit einer Einstellung dazu.“

Eine Einstellung zu „Bremen ist bunt“ hat auch Ex-Bürgermeister Jens Böhrnsen. Anders als in unserem Bericht am Montag dargestellt, steht Böhrnsen weiter hinter der von ihm vorangetriebenen Initiative „Bremen ist bunt“, wie er gegenüber dem WESER-KURIER betont. Allerdings sei er nicht mehr in der Position, sie voranzutreiben: „An der Initiative war ich als Bürgermeister mit großer Überzeugung beteiligt, halte sie auch heute noch für wichtig und notwendig. Ich gehöre aber nach dem Ausscheiden aus dem Amt nun mal nicht mehr zu den Organisatoren, was selbstverständlich nichts an meiner Unterstützung der Initiative ändert.“

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