Nach Wahl der ersten Bremer Schafferin

Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt spricht von einem „Dammbruch“

Das erste Mal in der Bremer Geschichte ist mit Janina Marahrens-Hashagen eine Frau zur Schafferin gewählt worden. Das Geschlecht sein jetzt kein Kriterium mehr, heißt es bei einer Generalversammlung im Haus Seefahrt.
12.02.2020, 20:52
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt spricht von einem „Dammbruch“
Von Jürgen Hinrichs
Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt spricht von einem „Dammbruch“

Matthias Claussen, Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt, bei der Pressekonferenz am Mittwoch. Im Hintergrund ist Max Roggemann zu ­sehen, einer von drei Schaffern, die die diesjährige Schaffermahlzeit ausrichten.

Frank Thomas Koch

„Wie beim Volkskongress in Peking“, sagt Matthias Claussen. Was er meint: ein überwältigendes Ja zur ersten Frau als Schafferin. Die Mitglieder von Haus Seefahrt haben bei ihrer Generalversammlung am Dienstag Janina Marahrens-Hashagen gewählt. Sie darf die Schaffermahlzeit ausrichten – ein Novum in der fast 500-jährigen Geschichte des ältesten Brudermahls der Welt. Claussen, Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt, wollte die Nachricht am Mittwoch eigentlich selbst bekannt machen, aber da war sie schon raus.

So stramm auf Kurs wie die Kommunistische Partei in China ist die Bremer Traditionseinrichtung dann aber doch nicht, da hat Claussen übertrieben, und er korrigiert sich: „Ein paar Gegenstimmen gab‘s schon.“ Auf wen das Nein gemünzt war, lässt sich nicht sagen, denn über die Schaffer, es sind immer drei, wird im Ganzen abgestimmt, sie kandidieren als Paket. Neben Marahrens-Hashagen sind das Jens Lütjen und Christoph Klosterkemper – beides Makler, Lütjen mit Immobilien, Klosterkemper mit Versicherungen.

Lesen Sie auch

Das Trio kommt nicht etwa bereits am Freitag zum Zuge, wenn das 476. Mal zur Schaffermahlzeit eingeladen wird und als Ehrengast Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an der Tafel sitzt. Auch noch nicht im kommenden Jahr, sondern erst 2022. Haus Seefahrt gibt den Schaffern mit der frühen Wahl genügend Zeit, sich auf ihr Amt und die Freuden und Pflichten, die damit verbunden sind, vorzubereiten. Die Frau im Bunde ist Unternehmerin, eine Bedingung dafür, kaufmännische Schafferin zu werden.

Marahrens-Hashagen führt in Bremen-Nord ein familieneigenes Schilderwerk mit knapp 200 Mitarbeitern. Außerdem ist sie seit gut einem Jahr Präses der Handelskammer. Auch dieses Amt war vorher noch nie in den Händen einer Frau. Claussen spricht von einem „Dammbruch“ bei den kaufmännischen Mitgliedern von Haus Seefahrt. Das Geschlecht sei jetzt kein Kriterium mehr. Er gibt zu, dass diese Entwicklung ihre Zeit gebraucht habe: „Wir stehen als Stiftung aber nun mal nicht an der Spitze des Fortschritts.“

Lesen Sie auch

Die kaufmännischen Mitglieder stellen ein Drittel von insgesamt 300 Teilnehmern der Schaffermahlzeit. Das zweite Drittel sind die Kapitäne. Das dritte die Gäste. Unter ihnen sind dieses Mal 15 Frauen, so viele wie noch nie. Die ersten weiblichen Gäste hatte es im Jahr 2015 gegeben. Acht Jahre vorher gelang die Premiere bei den Ehrengästen, damals nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Kopf der Tafel Platz.

Wer dort ebenfalls sitzen wird und während der fünf Stunden fünf Gänge und zwölf Reden verdauen muss, ist der Bremer Bürgermeister. Für Andreas Bovenschulte (SPD) ist es das erste Mal. Er gratulierte am Mittwoch den neu gewählten Schaffern für 2022. „Besonders freue ich mich, dass mit der Handelskammer-Präses erstmals eine Frau das traditionsreiche Brudermahl ausrichten wird“, erklärte Bovenschulte, „das ist eine gute Entscheidung für die Schaffermahlzeit und für das Haus Seefahrt.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+