Verwirrung über Zuständigkeiten Chaos um Corona-Ambulanzen

Seit März ist die Ambulanz in den Messehallen Anlaufstelle für Patienten, die sich auf das Coronavirus testen lassen. Mit der neuen Station in der Vahr haben sich die Kompetenzen verschoben – wohin, ist unklar.
13.06.2020, 05:00
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Chaos um Corona-Ambulanzen
Von Lisa Urlbauer

Ende März wurde sie eröffnet, die Corona-Ambulanz in den Messehallen. Die zentrale Anlaufstelle um Patienten auf das Coronavirus zu testen, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, zur Eröffnung. Seit dem 2. Juni dürfen Hausärzte dorthin aber keine Patienten mehr überweisen, denn die sollen auf Anweisung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nun die von ihr neu eröffnete Corona-Ambulanz in der Vahr ansteuern. Das sorgt für Verwirrung – denn es gibt nur wenig öffentlich zugängliche Informationen darüber, wie die Zuständigkeiten der beiden Ambulanzen aufgeteilt sind.

So heißt es im KV-Newsletter vom 29. Mai, dass Praxen ab sofort Patienten mit Symptomen in die neue Ambulanz nahe der Galopprennbahn schicken sollen. Explizit ausgenommen sind Kontaktpersonen von Infizierten, die keine Symptome zeigen. Denn deren Versorgung sei derzeit keine Kassenleistung. „Für diese Gruppe sind der öffentliche Gesundheitsdienst beziehungsweise die Ambulanz in den Messehallen zuständig. Überweisungen von Vertragsärzten werden dort ab dem 2. Juni nicht mehr angenommen.“

Test erst bei Überweisung oder Schreiben vom Gesundheitsamt

Allerdings wird dort ebenfalls nicht ohne Überweisung oder ein Schreiben vom Gesundheitsamt getestet. So lautet jedenfalls die Ansage der Gesundheit Nord, die die Ambulanz organisiert. „Das ist so im Gesundheitssystem verankert. Ohne Überweisung können wir nicht arbeiten“, sagt die Sprecherin der Gesundheit Nord, Karen Matiszick.

In der Messehalle wird also kaum noch getestet, obwohl die Menschen sich testen lassen wollen. Ein Sicherheitsdienst weise mittlerweile Leute ab, die ohne Überweisung oder Schreiben vom Gesundheitsamt erscheinen, sagt Timo Baum, ärztlicher Leiter der Corona-Ambulanz in den Messehallen. „Wir sind total in der Schwebe und haben kaum Patienten.“ Zwanzig Menschen hätten sich am Donnerstag testen lassen – die Kapazitäten liegen bei bis zu 150 Tests pro Tag.

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Am vergangenen Dienstag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer neuen Rechtsverordnung flächendeckende Tests angekündigt, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden sollen. Solange diese Verordnung allerdings nicht greift, ist das Testen von Menschen ohne Symptomen keine Kassenleistung – und Ärzte können keine Überweisung ausstellen. Der Senat werde sich in der kommenden Woche des Themas annehmen, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. „Wir haben unsere Teststrategie umgearbeitet und angepasst. Die wird nächste Woche im Senat besprochen und hoffentlich verabschiedet. Daraus gehen dann auf jeden Fall auch ausgeweitete Tests hervor.“ Bis dahin: Leerlauf in der Messehalle. „Das ist die Zwischenphase zwischen der neuen KV-Ambulanz und der neuen Teststrategie, die in der nächsten Woche kommt“, erklärt Fuhrmann.

Bessere Kommunikation über Kompetenzen notwendig

„Es muss mehr kommuniziert werden, wer welche Kompetenzen hat“, sagt Martina Krüger, Arzthelferin in der Praxis Schacht in Walle. Patienten mit Symptomen schicke Doktor Schacht an die Corona-Ambulanz in der Vahr. Patienten ohne Symptome, die sich aber testen lassen möchten, verweise man an das Gesundheitsamt und die Ambulanz in den Messehallen – so wie es in dem Schreiben der KV heißt. Es sei jedoch schwierig, beim Gesundheitsamt jemanden zu erreichen, sagt Krüger. „Dann melden sich die Patienten wieder bei uns, aber wir können keine qualifizierten Aussagen geben.“

„Was da nicht funktioniert, ist die Kommunikation zwischen der KV, den Krankenkassen und der Gesundheitsbehörde“, sagt der Allgemeinmediziner Christian-Otto Schacht. Vor allem vom Gesundheitsressort wünscht er sich mehr Informationen. „Es wäre schön, wenn die sich mal melden würden.“

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Fuhrmann weist die Verantwortung an die KV weiter. „Die KV muss mit ihren Ärzten darüber sprechen, wohin sie überweisen sollen.“ Schließlich habe sich die KV nach drei Monaten Corona dazu entschieden, ihre eigene Ambulanz zu eröffnen. „Wir können der KV nichts vorschreiben.“ Ein regelmäßiger Austausch zwischen Gesundheitsressort und KV finde aber statt, betont er. „Wir haben einen wöchentlichen Jour Fixe mit dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung.“

Ambulanz für Patienten von niedergelassenen Ärzten

Die Verteilung der Kompetenz zwischen den Corona-Ambulanzen erklärt Fuhrmann wie folgt: „Die KV-Ambulanz in der Vahr gibt den niedergelassenen Ärzten die Möglichkeit, ihre Patienten dorthin zu überweisen. Das Gesundheitsamt kann auch eine Testung veranlassen, zum Beispiel wenn jemand aus dem Ausland zurückgekehrt ist. Das ist dann ein Fall für die Ambulanz in der Messe. Genauso wie Umgebungstests in Schulen, Kitas, Einrichtungen und Betrieben, sofern das Gesundheitsamt diese veranlasst.“ Das Gesundheitsamt habe ausreichend Kapazitäten, diese zu veranlassen, sagt Fuhrmann. Einen Anspruch sich ohne Symptome testen zu lassen, gebe es allerdings nicht, betont er.

Im Internet finden Bremer Informationen in dieser Form nicht. Seitens der Stadt, des Gesundheitsressorts und der Gesundheit Nord wird immer noch das Testzentrum in der Messehalle als Anlaufstelle genannt. Und das, obwohl Patienten mit Symptomen dort seit zehn Tagen nicht mehr von den niedergelassenen Ärzten hingeschickt werden. Hier räumt Fuhrmann Versäumnisse ein: „Die Informationen sind noch nicht aktualisiert worden. Das wird auf jeden Fall behoben.“

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