Kommentar über Bremens Innenstadt

Viel gelingt schon, das Wichtigste noch nicht

Es geht voran in der Bremer Innenstadt. Doch bei der Erneuerung der City müssen vor allem Unternehmer Kurt Zech und die Politik enger zusammenarbeiten, meint Jürgen Hinrichs.
29.12.2018, 20:13
Lesedauer: 3 Min
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Viel gelingt schon, das Wichtigste noch nicht
Von Jürgen Hinrichs
Viel gelingt schon, das Wichtigste noch nicht

Am Bremer Carree wurden die Pläne umgesetzt

Christina Kuhaupt

Es geht voran in Bremens Innenstadt. Sichtbar wird das gleich an mehreren Ecken. Beispiele sind der Lloydhof, das City-Gate, das Bremer Carree und die Baustelle von Jacobs zwischen Obernstraße und Langenstraße. Überall dort bleibt es nicht bei hehren Plänen, nein, sie werden auch umgesetzt. Höchste Zeit, denn der Stadtkern, so schön er rund um den Roland ist, braucht dringend eine Frischekur. Dass nicht allein an Einzelhandel und Büros gedacht werden muss, hat sich als Erkenntnis durchgesetzt.

Die Innenstadt soll lebendig und vielfältig sein, ein Ort, an dem man sich gerne aufhält, ohne gleich konsumieren zu müssen. Dafür sollten Plätze wie der Domshof ganz anders als bisher bespielt werden und weitere öffentliche Flächen entstehen. Wichtiger noch ist, dass in der City Wohnungen geschaffen werden, möglichst viele und nicht nur im Luxussegment, denn nur so entsteht dauerhaft Frequenz. Verfolgt werden kann dieses Ziel auch mit öffentlichen Einrichtungen.

Immer wieder keimt der Gedanke auf, einen Teil von Hochschule und Universität in die Innenstadt zu holen, zum Beispiel auf das Sparkassengelände am Brill, das in zwei Jahren frei wird. Junge Leute, die dort Lehrveranstaltungen besuchen, das wäre was – neues Publikum für die Innenstadt. Vielleicht ein Audimax, das von morgens bis spätabends genutzt wird und auch für große Versammlungen, Konzerte, Lesungen und Vorträge zur Verfügung steht.

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Diskussionen über diese Ansätze gibt es zuhauf, und immer, wenn zu den Foren eingeladen wird, sind die Säle zum Bersten gefüllt. Das Interesse ist also groß. Es gibt eine wache Öffentlichkeit, es gibt den politischen Willen, und es gibt die Investoren. Alles da, die besten Voraussetzungen, der Innenstadt den Schubs zu geben, den sie braucht.

Das Entscheidende fehlt

Doch bei alledem, was bisher erreicht wurde, bei all den Projekten, die bereits laufen oder kurz davor sind – eines fehlt, das Entscheidende. Die Pläne des Bremer Unternehmers Kurt Zech für das Parkhaus-Mitte, das abgerissen werden soll, und für die Gebäude und Flächen drumherum sind ins Stocken geraten.

Zech kann vieles, wie er bei seinen Geschäften in der ganzen Welt beweist, Wunder vollbringt aber auch er nicht. Viele Jahre hatte die Stadt gebetsmühlenartig erklärt, dass ein Abriss des Parkhauses vorerst nicht möglich ist, weil alte Rechte auf dem städtischen Gebäude liegen. So darf der Eigentümer der benachbarten Kaufhof-Immobilie das Parkhaus als Zufahrt für die eigenen Stellplätze auf dem Kaufhof-Dach nutzen, er ist darauf angewiesen. Zech meinte, dieses Problem schnell lösen zu können. Doch daraus ist anderthalb Jahre später noch nichts geworden.

Die forschen Ansagen zu Beginn haben eine Erwartungshaltung geweckt, die nun enttäuscht wird. Der Investor hat die Komplexität der Probleme unterschätzt, hinein spielt auch, dass lange nicht klar war, was aus Kaufhof wird. Nach der Fusion mit Karstadt ist es immerhin etwas einfacher geworden. Zwei Warenhäuser desselben Konzerns, die vis-à-vis liegen – das kann nichts für die Zukunft sein.

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Das Gebäude von Kaufhof dürfte deshalb bald auf den Markt kommen, und Zech müsste nur zugreifen oder mit dem aktuellen Eigentümer eine andere Lösung finden, um die Immobilie in den großen Plan einzubringen. Das Karstadthaus gehört ihm bereits. Damit wären zusammen mit dem Parkhaus-Mitte, das dem Unternehmer von der Stadt versprochen wurde, die drei Bausteine zusammen.

Kein Zucken und Wackeln

Kurz vor Weihnachten hat sich Zech noch einmal mit Bremens Bürgermeister Carsten Sieling und einigen Senatoren im Rathaus getroffen. Beide Seiten sollen dabei versichert haben, dass sie beim Megaprojekt in der Innenstadt am Ball bleiben. Kein Zucken und Wackeln, stattdessen wacker voran, wenn es irgend geht. Das ist freilich erst einmal nur Proklamation. Die Absicht muss dringend hinterlegt werden.

Gefragt sind dabei sowohl Zech als auch die Stadt. Der Unternehmer sollte seine Pläne endlich präzisieren. Wie viel Ladenfläche benötigt er, wie viele Wohnungen und Büros, um seine Investition zu refinanzieren? Welche Wege, welche Architektur und öffentlichen Flächen stellt er sich vor? Die Stadt wiederum muss klären, was sie an der Stelle haben will. Welche Baumassen, wie viel Grün, welche Nutzungen? Sie muss darüber mit dem Investor ständig im Austausch sein – am besten, wie schon lange von vielen Seiten gefordert, gründen die Ressorts dafür eine besondere Planungsgruppe.

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