Trecker-Demo in Bremen

Viel Verständnis für die Landwirte

Autofahrer und Bahnkunden brauchten am Freitag viel Geduld. Laut Polizei verlief die Kundgebung der Landwirte aber „weitgehend störungsfrei“. Nach Bremen gekommen waren mit 4000 Bauern etwa doppelt so viele wie geplant.
17.01.2020, 21:52
Lesedauer: 2 Min
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Viel Verständnis für die Landwirte
Von Nina Willborn
Viel Verständnis für die Landwirte

Unter den 4000 Landwirten, die sich auf dem Markt versammelten, war auch Keno Veith (l.). "De swatte Ostfrees Jung" hat eine große Fangemeinde, seitdem er im Internet auf Platt über seinen im Matsch festgefahrenen Trecker berichtet hatte.

Christina Kuhaupt

Um kurz nach 17.30 Uhr meldete die Bremer Polizei: Einsatz im Stadtgebiet beendet, die Trecker-Karawanen sind wieder auf dem Heimweg. Alle übrigen Verkehrsteilnehmer brauchten am Tag der PS-stärksten Kundgebung, die Bremen bis dato erlebt haben dürfte, einiges an Geduld. Im Vorfeld hatten die Organisatoren des Bündnisses „Land schafft Verbindung“ und die Sicherheitskräfte mit rund 2000 Fahrzeugen gerechnet, tatsächlich rollten nach Polizeiangaben aber mehr als 3500 Trecker und Schlepper ab dem frühen Morgen an.

Rasenflächen am Deich beschädigt

Schnell war klar, dass zuvor die als Parkplatz gesperrte Parkallee und die kleinen Flächen am Weserstadion für die Menge von rund 4000 anreisenden Landwirten nicht ausreichen würden. Also sperrte die Polizei auch beide Fahrspuren der Martinistraße in Richtung Brill und erlaubte den Bauern, ihre Traktoren in Absprache auch auf anderen Flächen abzustellen. So parkten die landwirtschaftlichen Zugmaschinen unter anderem auch am Osterdeich. Für einige ihrer Besitzer wird der Bremen-Besuch ein Nachspiel haben: Einige Landwirte waren den Deich hinabgefahren und hatten dabei die Rasenflächen beschädigt. Organisator Jan Geerken kündigte schon während der Kundgebung an, dass sich die Landwirte um die Schäden kümmern werden. „Wir stehen dafür gerade. Wir werden das in Ordnung bringen“, versprach er. Mitarbeiter des Ordnungsamts notierten die Falschparker, die ihre Vehikel auch nach Aufforderung nicht umsetzten. „Die Verkehrsverstöße wurden von der Polizei dokumentiert und werden konsequent verfolgt“, heißt es in einer Mitteilung.

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Insgesamt aber zog die Polizei ein positives Fazit der Großveranstaltung. Der Einsatzleiter sprach gegenüber Radio Bremen von einem „kontrollierten Chaos“. Das manifestierte sich hauptsächlich in Staus, ansonsten, teilte die Polizei mit, sei die Kundgebung „weitestgehend störungsfrei“ verlaufen. Einige Busse sowie die Straßenbahnlinien 2 und 3 mussten zwischenzeitlich Umleitungen fahren. Die Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr seien aber ebenfalls im Rahmen geblieben, sagte Andreas Holling, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG. „Die Blockaden waren überschaubar. Wir hatten schon Demonstrationen mit mehr Auswirkungen.“

Bremerinnen und Bremer hatten sich vorbereitet

Die Bremerinnen und Bremer hatten sich auf den Protest der Bauern eingestellt. Die Hauptverkehrsadern waren zu den normalen Zeiten des Berufsverkehrs am Morgen deutlich leerer als an normalen Freitagen. Manche waren auch extra früh zur Arbeit gefahren. Die Anreise der Landwirte und die langen Reihen der parkenden Kolosse: Viel bestaunte und fotografierte sowie gefilmte Motive für die, die nicht im Büro saßen. „Toll, dieses Spektakel“, freute sich ein älterer Herr und erklärter Traktoren-Fan über den Aufzug.

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Für die Anliegen der Landwirte zeigten viele Bremer Verständnis, auch wenn sich mancher genervt auf das anhaltende Hup-Konzert oder aus seiner Sicht zu lange laufende Dieselmotoren zeigte. „Für die Bauern gilt, was für uns alle gilt: Man muss von seiner Arbeit leben können“, sagte etwa Thomas Asmuß, der mit seiner Kollegin Tatjana Heydebreck und den Kindern der Kita Kinderstern den täglichen Ausflug zum „Trecker-Gucken“ nutzte. „Ich finde es richtig, dass sie demonstrieren.“

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