Horner Bad Bremen Viele Ansprüche, kaum Zufriedenheit

Die Fundamentalkritik am Bäderkonzept seitens der Bürgerinitiative Pro Unibad reißt nicht ab. Derweil stellt im Beirat die Geschäftsführerin der Bremer Bäder den Bauantrag vor.
20.08.2018, 06:25
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Viele Ansprüche, kaum Zufriedenheit
Von Timo Thalmann

Horn-Lehe. Mit freundlichen, aber klaren Ansagen versucht Jens Knudtsen schon zum Auftakt die Diskussion über den Neubau des Horner Bads auf der jüngsten Sitzung des Beirats Horn-Lehe in geordnete Bahnen zu lenken. „Auf der Tagesordnung stehen Informationen zum Bauantrag und ich bitte darum, auch nur zu diesem Punkt Fragen und Anmerkungen zu machen“, sagt der Oberneulander Ortsamtleiter. Er leitet in Vertretung seiner im Mutterschutz weilenden Horn-Leher Amtskollegin Inga Köstner die Sitzung.

Als er die grundsätzliche Kritik einer Besucherin an dem Bremer Bäderkonzept und dem gesamten Planungsverfahren jedoch als „rückwärtsgewandte Diskussion, die uns hier nicht weiterhilft“ bezeichnet und darum ihre Fragen zu den Alternativen zum Neubau in Horn – insbesondere zum Erhalt des Unibades – nicht weiter verfolgen will, muss er sich seine Haupttätigkeit ankreiden lassen. „In Oberneuland können sie ja vielleicht so mit den Bürgern umspringen, hier aber nicht“, hält ihm die sichtlich erregte Dame vor.

Schon im Vorfeld der Beiratssitzung hatte es Unstimmigkeiten innerhalb des Beirats sowie mit dem Ortsamt um das Prozedere gegeben, vor allem um die Frage ob und wie das Thema zuvor nichtöffentlich im Bauausschuss des Beirats behandelt wurde (wir berichteten). Für Knudtsen ein Anlass, die Beiratsmitglieder zum einen an ihre Verschwiegenheitsverpflichtungen zu erinnern, zum anderen darauf hinzuweisen, dass Bauanträge grundsätzlich in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln sind. „Wenn wir heute über Einzelheiten aus dem Antrag öffentlich informieren, dann kann das nur mit Zustimmung des jeweiligen Antragstellers und einem entsprechend öffentlichem Interesse geschehen“, macht der Ortsamtsleiter deutlich.

Hallenbad erhält teilbares Becken

Beide Bedingungen sind erfüllt, nicht zuletzt weil Martina Baden als Geschäftsführerin der Bremer Bäder GmbH und in dieser Position verantwortlich für den Bauantrag persönlich erschienen ist, um Beirat und Bürger zu informieren. Viele Neuigkeiten hat sie indes nicht zu verkünden. Gegenüber den bereits Ende 2016 vorgestellten grundsätzlichen Entwürfen, gab es lediglich Veränderungen im Detail. Die auffälligste Neuerung: Das 25 mal 50 Meter große Sportschwimmbecken des neuen Hallenbades wird jetzt eine sogenannte Hubstegbrücke erhalten. Das heißt: ein rund zweieinhalb Meter breiter Steg kann wahlweise aus dem Boden des Beckens hochgefahren werden, sodass auf der einen Seite ein quadratisches 25-Meter-Becken entsteht, auf der anderen Seite verbleiben dann 22,5 Meter. Auf einer Länge von rund 12,5 Metern ist im größeren Becken zusätzlich ein Hubboden vorgesehen, um einen Nichtschwimmerbereich zu schaffen. Eine Treppe zum sanften Einstieg ist direkt mit diesem Hubboden verknüpft. „Wir sind damit flexibel, um möglichst viele Nutzungsansprüche zu erfüllen“, sagte Baden. Das neue Horner Bad biete das geforderte durchgehende, tiefe Sport-Schwimmbecken mit zehn 50-Meter-Bahnen oder aufgrund der großzügigen Beckenbreite wahlweise zwei 25-Meter Becken, von denen eines zur Hälfte für Nichtschwimmer reserviert werden kann. „Aber wir können daraus auch ein 50-Meter-Becken mit anfänglichem Nichtschwimmerbereich auf einem Viertel der insgesamt 1250 Quadratmeter Fläche machen“, wirbt die Bäderchefin für ihren Entwurf.

Ähnlich viele Nutzungen sieht Baden auch im neuen Horner Freibad, wenngleich das im Gegensatz zum aktuellen Angebot deutlich kleiner ausfällt. Vorgesehen ist ein Kombibecken mit nur noch drei, an Stelle von jetzt acht 50-Meter-Bahnen, einem Nichtschwimmerbereich mit fester Wassertiefe von 1,30 Meter sowie fünf 25-Meter-Bahnen. Das war indes schon zuvor bekannt. „Unterm Strich wird das neue Horner Kombi-Bad insgesamt aber sogar größer“, hebt Baden hervor und verweist auf nunmehr rund 2200 Quadratmeter Wasserfläche innen und außen. Hinzu käme im Hallenbad noch das rund 100 Quadratmeter große Kursbecken, sowie im Freibad weitere 100 Quadratmeter Planschbecken mit Sonnenschutz für Kleinkinder. „Außerdem wird es eine Matschecke, Spielplatz sowie weiterhin ein Fontänenfeld geben.“

Doch die Unzufriedenheit insbesondere der zahlreich erschienenen Anhänger der Initiative Pro Unibad kann sie damit nicht ausräumen. „Sie versuchen redlich, möglichst allen Ansprüchen gerecht zu werden, können am Ende aber niemanden zufriedenstellen“, fasst es eine Besucherin der Sitzung zusammen. Wie schon in der Vergangenheit werden die drei 50-Meter-Bahnen im Freibad als zu wenig kritisiert, der Nichtschwimmerbereich als zu klein und das ganze Konzept eines Kombibeckens darum als untauglich verworfen.

Fokus auf Sportvereine und Schulen

Wenngleich an anderer Stelle politisch beschlossen und darum nach Ansicht Knudtsens „hier jetzt nicht Gegenstand der Erörterungen“ wird auch die Fundamentalkritik am Bäderkonzept noch einmal vorgebracht. Es sieht den Neubau des Westbades in Walle und des Horner Bads als Ersatz für Schließung und Abriss des Unibades vor, dessen Sanierung bei der Verabschiedung des Konzepts 2014 als nicht mehr wirtschaftlich eingeschätzt wurde, zumal auch die beiden anderen Bäder jeweils eigenen Sanierungsbedarf haben. Doch nach Ansicht der Initiative haben sich diese Rahmenbedingungen geändert. Die Baukosten in Walle seien ebenso gestiegen wie in Horn und lägen zusammen genommen bei inzwischen rund 45 Millionen Euro. „Die damals von der Behörde getroffene Aussage, ein Schwimmhallenneubau auf dem Gelände des Horner Bades sei wirtschaftlicher als die Sanierung des Unibades, entspricht somit schon lange nicht mehr den Tatsachen“, sagt Stefan Quaß, Vorsitzender der CDU in Horn-Lehe und in der Pro Unibad Initiative engagiert.

Kritisch beäugt wird auch das mit dem neuen Bad verbundene Nutzungskonzept. Als Ersatz für das Unibad ist die Schwimmhalle vor allem für Wassersportvereine und Schulen vorgesehen. Wie viel Raum und Zeit es in dem Becken daneben für andere Besucher geben wird, kann Baden noch nicht sagen. „Das sind Details, die noch abzustimmen sind. Aber wir wollen selbstverständlich immer so viel Kapazität wie möglich anbieten.“ Mehrfach versichert die Bäderchefin, dass sich im späteren Betrieb vieles zurecht finde, über das jetzt noch emotional diskutiert werde. „Wir haben da wirklich reichlich Erfahrung im Hause.“ Doch an diesem Abend dringt diese Botschaft nicht durch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+