Waller Bürger üben sich als Stadtplaner / Baubehörde stellt Entwürfe für die Zukunft der „Stadtautobahn“ vor Viele Ideen für den Osterfeuerberger Ring

40 mal 350 Meter Freiraum für Kreativität: Das sind die Dimensionen, mit denen sich Waller Bürger auf Einladung der Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg und der Baubehörde auseinandersetzen. Der Osterfeuerberger Ring ist mit seinen vier Fahrspuren zu groß und zu unattraktiv für den Stadtteil. Ein neuer Bebauungsplan soll zur Grundlage für ein neues Profil der Straße und der angrenzenden Quartiere werden. Im November sollen auf Grundlage der Waller Ideen erste Entwürfe für die Zukunft der Straße vorgestellt werden.
06.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten

40 mal 350 Meter Freiraum für Kreativität: Das sind die Dimensionen, mit denen sich Waller Bürger auf Einladung der Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg und der Baubehörde auseinandersetzen. Der Osterfeuerberger Ring ist mit seinen vier Fahrspuren zu groß und zu unattraktiv für den Stadtteil. Ein neuer Bebauungsplan soll zur Grundlage für ein neues Profil der Straße und der angrenzenden Quartiere werden. Im November sollen auf Grundlage der Waller Ideen erste Entwürfe für die Zukunft der Straße vorgestellt werden.

Osterfeuerberg. Auf allen Vieren kroch Jupp Heseding auf dem Fußboden der Mensa am Pulverberg, skizzierte mit einem dicken Filzmarker Straßen und Bäume auf ein überdimensionales Blatt Papier, korrigierte hier und fügte dort etwas dazu, denn die große Runde erwachsener Männer und Frauen, die das Werk von oben kritisch betrachten, hatte immer neue Ideen. "Ich könnte mir hier noch Wasser vorstellen", sagte einer. "Zwanzig Meter!", kalkulierte ein anderer: "Das reicht für einen richtigen Park!". Die spinnen, die Osterfeuerberger: Diesen Eindruck hätten Uneingeweihte in bekommen können. Doch in der Mensa der Grundschule am Pulverberg ging es in der Tat darum, sich ohne Denkblockaden auszumalen, wie es rund um den Osterfeuerberger Ring einmal aussehen könnte.

Die "Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg" hatte die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils dazu eingeladen, ihre Ideen und Wünsche für eine Steigerung der Lebensqualität rund um die Straße zusammenzutragen, die sich gegenwärtig als vierspurige Stadtautobahn präsentiert. Der Hintergrund: Im Mai sollen am Osterfeuerberger Ring Kanalbaumaßnahmen beginnen. Hansewasser plant auf der nördlichen Seite der Straße – der Seite, die dem Blockland zugewandt ist, – einen neuen Entlastungskanal, der den vorhandenen Mischwasserkanal vor allem bei Starkregenfällen unterstützen soll. Die Frage, wo der Kanal genau verlaufen wird, möchte Hansewasser den Osterfeuerbergern selbst überlassen. Doch die Antwort ist maßgeblich für die zukünftige Gestaltung der knapp 350 Meter langen und rund 40 Meter breiten Straße.

Denn das Bauressort sieht nun die Zeit gekommen, die grundsätzlichen Weichen mit einem neuen Bebauungsplan zu stellen. Für die Waller biete sich damit "die seltene Chance, realen Einfluss auf die Bauplanungen zu nehmen", formulierte Beiratsmitglied Jupp Heseding (Bündnis 90/Grüne), neben seinem Fraktionskollegen Lutz Wendeler und den SPD-Beiratsmitgliedern Wolfgang Golinski und Gerd-Rüdiger Kück einer der Initiatoren der "Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg".

Unter den rund dreißig Anwesenden, die der Einladung gefolgt waren, waren zwei Experten der Baubehörde: Georgia Wedler, Leiterin des Referats Stadtplanung und Bauordnung im Bremer Westen, beschrieb den Osterfeuerberger Ring als "ganz großes städtebauliches Thema." Viele anliegende Grundstücke seien unter- oder schlecht genutzt und "nicht immer ansehnlich." Verkehrsplaner Rainer Gotzen erläuterte die Vorgaben, die die Baubehörde bei der Planung beachtet wissen möchte. Dazu gehört die Reduzierung auf zukünftig je eine Fahrspur pro Fahrtrichtung, denn nach Ansicht des Verkehrsplaners "rechtfertigt eine Verkehrsbelastung von 12000 Kraftfahrzeugen pro Tag keine vierspurige Straße." Eine Überraschung für die meisten der Anwesenden war die Bedingung, eine Trasse von 7,20 Meter freizuhalten. Hier will sich die Stadt die Option für den Bau einer Straßenbahn freihalten, die irgendwann Findorff und die Überseestadt verbinden könnte. Die Waller sollten allerdings nicht allzu ungeduldig auf die Umgestaltung warten: Frühestens in der nächsten Haushaltsperiode könne sich die Stadt Gedanken um die Bereitstellung der notwendigen Mittel machen, so Gotzen.

Diskussionsbedarf gab es dennoch reichlich: Wo genau könnte die Straßenbahntrasse verlaufen? Sollen die Ortsfahrbahnen, die die Straße flankieren, erhalten bleiben? Bekommen die Radfahrer eine eigene Spur oder sollen sie auf markierten Flächen auf der Fahrbahn geleitet werden? Wie und wo soll der ruhende Verkehr untergebracht werden? In zwei Arbeitsgruppen entwarfen die Bürgerinnen und Bürger verschiedene mögliche Varianten für die zukünftige Fahrbahn. Allen gemeinsam war es, dass die Nebenfahrbahnen aufgegeben werden sollen. Die Runde um Jupp Heseding stellte als ersten Entwurf eine Planung vor, die die Fahrbahnen auf die südliche Seite verlegt und an der die nördlichen Seite einen Grünstreifen vorsieht, der Kanal und Straßenbahntrasse aufnehmen soll. Die Gruppe favorisierte allerdings eine symmetrische Lösung, die die beiden Fahrbahnen durch einen breiten Grünstreifen in der Mitte trennt. Durch die grüne "Esplanade" sollen die Fahrradfahrer und irgendwann vielleicht auch die Straßenbahn geleitet werden. Für den Wunsch nach Wasser hatte Stadtplanerin Georgia Wedler eine praktische und sinnvolle Lösung: Sie konnte ihn sich in Form eines "Mulden-Rigolensystems" vorstellen, das eine natürliche ökologische Methode der Entwässerung bieten würde. Die Gruppe um Wolfgang Golinski einigte sich auf eine Lösung, die die Fahrbahnseiten durch einen Grünstreifen trennt. Links und rechts davon würden je eine Fahrbahn, Straßenbahntrasse, Gehwege und Parkstreifen positioniert; ein "Allee-Charakter" und Verweilmöglichkeiten sollen die Aufenthaltsqualität steigern.

Was aus ihren Ideen und Wünschen geworden ist, sollen die Osterfeuerberger im November erfahren. Dann sollen ihnen die ersten Entwürfe der Stadtplaner zur Diskussion gestellt werden.

Informationen über die "Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg" sind im Internet zu finden unter der Adresse www.osterfeuerberg.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+