Umfrage in Bremen-Osterholz „Viele Osterholzer sind sehr zufrieden“

Mit einer Online-Umfrage will die Bürger-Online-Redaktion in Bremen-Osterholz Erfahrung bringen, wie zufrieden die Stadtteilbewohner mit ihrem Lebensumfeld sind. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor.
24.02.2019, 08:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Christiane Mester
Mit einer Online-Umfrage wollen Sie in Erfahrung bringen, wie zufrieden die Osterholzer mit ihrem Lebensumfeld sind. Zeichnet sich ein erster Trend ab, und welches Zwischenergebnis hat Sie als Projektleiter der Bürger-Redaktion überrascht?

Johannes Irmer: Es ist deutlich zu erkennen, dass unheimlich viele Leute sehr gerne in Osterholz leben. Bei dieser Frage vergeben rund drei Viertel der Teilnehmer die Bestnote eins oder zwei. Dieses Zwischenergebnis, dass offenbar so viele Leute mit dem Leben im Stadtteil so zufrieden sind, hat nicht nur mich, sondern uns alle ziemlich überrascht. Die Bürger-Redaktion kümmert sich vor Ort häufig um Probleme, und da bekommt man schnell den Eindruck, dass vieles nicht sehr gut läuft. Dieses Gefühl spiegeln die bisherigen Zahlen aber nicht wider.

Können Sie ein spezifisches Beispiel dafür nennen?

Nehmen wir das Beispiel Straßenverkehr – das scheint überhaupt kein Thema zu sein. Das hätten wir vorher nicht gedacht, bedenkt man, welche Probleme es da allein auf der Osterholzer Heerstraße gibt.

Was war denn der Anlass für die Umfrage?

Den Anstoß gab die anstehende Bürgerschaftswahl. Da wollten wir als Bürger-Redaktion wissen: Wo sind die Probleme im Stadtteil und was sind Themen, die die Leute interessieren? Eine Internetseite ist ja immer recht einseitig, deshalb fanden wir es wichtig, auch mal Feedback zu bekommen.

Und welche Themen sind den Teilnehmern besonders wichtig in Osterholz?

Wir haben uns sieben Oberbegriffe überlegt, die wir zur Auswahl stellen. Davon sind Sicherheit, Sauberkeit und Einkaufsmöglichkeiten die am häufigsten genannten. Bei der anschließenden Bewertung dieser Punkte sagen weit über die Hälfte der Teilnehmenden, dass sie mit der Sicherheit und der Sauberkeit im Stadtteil zufrieden ist. Bei den Einkaufsmöglichkeiten sind es mehr als drei Viertel.

Das klingt alles sehr positiv, in Osterholz ist die Welt also noch in Ordnung?

Das könnte man nun erst einmal denken, aber wenn man dann genauer hinschaut, ist dem doch nicht ganz so. Bei dem Thema Einkaufsmöglichkeiten zeigen sich je nach dem Ortsteil, der als Wohnort angegeben wird, schon recht deutliche Unterschiede. Während es da in Osterholz oder Blockdiek offenbar ganz gut aussieht, scheint es diesbezüglich in Tenever ein großes Problem zu geben. Dieser erste Eindruck deckt sich auch mit den ausformulierten Antworten der Freitextfelder. Dort ist zum Beispiel von langen Fußwegen zum Einkaufen die Rede.

Zeichnen sich noch weitere Kritikpunkte ab?

Wer für die drei Aspekte Sicherheit, Sauberkeit und Einkaufsmöglichkeiten angibt, mit der vorherrschenden Situation unzufrieden zu sein, der sagt auch besonders häufig, dass er nicht gerne in Osterholz lebt. Und dies, obwohl der Rest dann eigentlich ganz gut bewertet wird. Diese drei Aspekte führen zur Abwertung der Gesamtnote. Daraus schließen wir, dass es genau diese Punkte sind, die dazu führen, dass jemand nicht gerne in Osterholz lebt.

Allerdings stellen Sie insgesamt nur sieben Fragen, und diese decken inhaltlich längst nicht alle Lebensbereiche ab. Das Wohnen ist zum Beispiel völlig ausgeblendet. Ist die Umfrage eigentlich hinsichtlich der verschiedenen Altersgruppen und der Anzahl der Befragten repräsentativ für die Osterholzer Bevölkerung?

Nein, keineswegs. Es sind vor allem ältere Leute unter den Befragten. Der Durchschnitt liegt bei 30 plus, und viele sind sogar deutlich über 50 Jahre alt. Wir haben schon die Schulen im Stadtteil angeschrieben und über die Umfrage informiert, damit das Alter runtergeht. Eine Resonanz gab es aber nicht. Bislang haben sich insgesamt nur 95 Leute beteiligt, aber wir hoffen, dass es noch mehr werden. Der Fragebogen ist noch eine Woche online. Wer sich beteiligen möchte, kann dies noch bis zum 28. Februar tun.

Sie sprechen von 95 Personen. Wie stellen Sie sicher, dass es tatsächlich 95 unterschiedliche Teilnehmer waren und sich nicht einzelne mehrfach beteiligen können?

Gar nicht. Und das ist tatsächlich ein riesiges Problem. Andererseits zeigt sich, dass viele der Teilnehmer die Freitextfelder ausfüllen und die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen. Ich denke, die Mühe, sich da derart viele Varianten auszudenken, macht sich keiner. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist also nicht gegeben. Was werden Sie nach der Auswertung mit den Resultaten der Umfrage anfangen?

Wir könnten zum Beispiel die politischen Parteien dazu befragen, wie sie mit den Ergebnissen umgehen wollen. Ganz genau wissen wir es aber noch nicht. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, sind unsere Möglichkeiten sehr begrenzt. Von daher freuen wir uns auch immer über Leute, die mitmachen wollen. Die Bürger-Online-Redaktion ist ein offenes Projekt. Wir treffen uns immer donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Eastside Internetcafe, in der Otto-Brenner-Allee 44/46 in Tenever. Da ist jeder willkommen.

Das Interview führte Christiane Mester.

Info

Zur Person

Johannes Irmer (55)

ist ehrenamtlicher Projektleiter der Osterholzer Bürger-Online-Redaktion (Boris). Der 55-jährige IT-Berater aus Obervieland betreut das Web-Angebot www.osterholz-bremen.de seit 2004.

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