Vielfalt der Drucktechnik: Städtische Galerie zeigt 23 Werke

Neustadt. Die erfrischende Ausstellung "Unter Druck" des Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Bremen (BBK), die jetzt in der städtischen Galerie eröffnet worden ist, lebt durch die Vielzahl von Drucktechniken abseits heute digitaler Standards. Aus 64 Bewerbungen Bremer Künstler haben die BBK-Juroren Anne Buschhoff, Wolfgang Hainke, Horst Müller, Rose Pfister und Anna Solecka 23 Werke für diese Schau ausgewählt.
20.08.2012, 05:00
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Von Edwin Platt
Vielfalt der Drucktechnik: Städtische Galerie zeigt 23 Werke

Monika B. Beyer (von links) erklärt Wolfgang Haike und Rose Pfister das Werk "Talking heads".

Gerbracht

Neustadt. Die erfrischende Ausstellung "Unter Druck" des Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Bremen (BBK), die jetzt in der städtischen Galerie eröffnet worden ist, lebt durch die Vielzahl von Drucktechniken abseits heute digitaler Standards. Aus 64 Bewerbungen Bremer Künstler haben die BBK-Juroren Anne Buschhoff, Wolfgang Hainke, Horst Müller, Rose Pfister und Anna Solecka 23 Werke für diese Schau ausgewählt.

Für Diana Mercedes Alonsos Diaproduktionen von Insekten, die unter Druck zwischen Glasplatten liegen, hat Kurator Wolfgang Hainke eigens eine Wand fensterartig aufschneiden lassen. Großformatig laufen jetzt braunschwarze Schalen von Kleintieren über eine jetzt sichtbare weiße weite Wand eines Nebenraums, der als Lager dient. Bis ins feinste Gelenk, bis zu jedem Haar, zu jedem Fühler werden die kleinen Insekten "Unter Druck" sichtbar.

Kim Böse hält sich mit ihrer Arbeit für "Unter Druck" an traditionelle Radierungen. Kleinformatige Skurrilitäten wie ein T-Shirt mit drei Ärmeln oder ein Regenschirm, der sich nach oben wölbt und aus dem es regnet, ordnen sich um eine damenhafte Abbildung im Mittelpunkt des Arrangements.

Der aufwendige gedankliche Hintergrund der äußerst feinen Drucke von Eugenia Gortchakova lässt sich nicht sofort aus den Drucken hinter Acrylglas erkennen. Randnotizen lassen die Drucke aus Entfernung wie E-Books wirken. "Deutschland 52°31’N 13°23’E am 25.05.2012" steht oben. Unten am Rand ordnen sich Begriffe in einer Skala bestimmten Farben zu. Buddhistischen Schlüsselworte Verstand, Zuneigung, Konzentration, Leiden und Glück sowie Werte unserer Informationsgesellschaft wie Profit, Macht, Kommunikation und Information hat Eugenia Gortchakova den Farben zugeordnet.

In einer Auswertung für die Sprachräume Englisch, Deutsch, Französich, Arabisch, Japanisch, Chinesisch und so weiter hat sie die Häufigkeit des Vorkommens dieser Worte im Internet ermittelt und durch Zuordnung jedes Wortes zu einer Farbe in ihren Drucken wiedergegeben. Der Betrachter entdeckt nun, wie häufig der Begriff Verstand im deutschen, arabischen und den anderen Sprachräumen vorkommt.

Wen wundert es, dass Hellblau, die Weisheit, im deutschsprachigen Internetgebrauch einen winzigen Streifen am Rande bildet. Dagegen füllen Braun, die Macht, und Grün, die Kommunikation das E-Book-Design flächig.

Monika B. Beyer zeigt großformatige Drucke. Unendlich verschiedene Muster, Striche und Neugier weckende Linien werfen die Frage auf: eine Betrachtung aus dem All oder ein Blick ins Mikroskop? Besondere Stimmung erzeugen starke Detailvergrößerungen der Stufenflächen hinauf zur Sacré-Coer in Paris bei Nieselregen. "Es kann Makro oder Mikro sein", sagt Beyer. Katja Blum gefallen Formen topografischer Karten des Maßstabs 1: 25.000. 28 Drucke minimierter schwarzflächiger Länder hängen schwarz auf weiß in vier Reihen zu je sieben Drucken. In der Mitte der weißen Flächen sind die Formen der Länder fremdartigen Schriftzeichen gleich.

Der Künstler AyO (nicht im Katalog) druckt in Regenbogenfarben. Sein Himmel und seine Hölle zeigen Glück und Verderben in fröhlichen Farben. Von weitem verborgen erschließen sich Glück und Hölle dann beim Herantreten in Momentaufnahmen. Was von Johann Büsen flüchtig betrachtet wie die Seite eines Kinderbuchs wirkt, ist Digitaldruck auf Leinwand. Nebenan zeigt die Videodokumentation die Entstehung des Werkes. Die Ausstellung der Städtischen Galerie im Buntentorsteinweg der bildenden Künstler Bremens "Unter Druck" bietet viel Anregung, zeigt breite Gedankenwelten und lässt den Kosmos von Druckwerken erahnen. Ein männliches Gesicht, als Fotografie, mit geschorenem Schädel, gepflegtem Bart und wachem Blick liegt neben anderen beschrifteten Exponaten in einer Vitrine. "Ich habe Angst vor Bedeutungslosigkeit!" steht unter dem Gesicht. "Talking heads" sprechen zum Betrachter.

Die Ausstellung "Unter Druck" läuft bis zum 9. September in der Städtischen Galerie Bremen, Buntentorsteinweg 112, Telefon 361 58 26. Öffnungszeiten: von Dienstag bis Sonnabend von 12 Uhr bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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