Stiftung St.-Petri-Witwenhaus Viertelfreunde schenken Zeit

Die Viertelfreunde der Stiftung St.-Petri- Witwenhaus treffen sich regelmäßig mit Senioren, um mit ihnen etwas zu unternehmen.
06.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Knief

Die Viertelfreunde der Stiftung St.-Petri- Witwenhaus treffen sich regelmäßig mit Senioren, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Eine von ihnen ist Sieglinde Lauts. Sie ist seit März ehrenamtlich bei den Viertelfreunden. Alle zwei Wochen besucht sie die 90-jährige Hanna Gramberg. Mittlerweile sind die beiden zu einem tollen Team zusammengewachsen.

Hanna Gramberg ist fast blind. Früher war sie eine richtige Leseratte, ging regelmäßig zum Gymnastikkurs, besuchte die Oper oder das Theater. „Heute geht das alles nicht mehr“, sagt die 90-Jährige. Aufgrund einer Krankheit ließ ihre Sehkraft im Laufe der Jahre immer mehr nach. „Alleine kann ich nicht einmal mehr das Haus verlassen.“

Im März hörte sie von der aufsuchenden Altenarbeit der „Viertelfreunde“, einem Projekt der Stiftung St.-Petri-Witwenhaus. „Ich habe bei den Viertelfreunden angerufen und meine Situation geschildert“, erzählt Hanna Gramberg. „Und schon drei Tage später bekam ich dann Besuch.“

Die Stiftung St.-Petri-Witwenhaus besteht seit 1536. Damit ist sie eine der ältesten, heute noch bestehenden Stiftungen in Bremen. Zwar ist das Witwenhaus seit 2010 nicht mehr im Besitz der Stiftung, die christliche Sozialtätigkeit im Sinne des Stiftungszwecks, sich sozial für ältere Menschen in der Stadt zu engagieren, blieb jedoch weiter bestehen – mit dem Projekt „Viertelfreunde“.

Ehrenamtliche Viertelfreunde aus ganz Bremen treffen sich seit Anfang des Jahres in der Regel einmal wöchentlich für ein bis zwei Stunden mit Senioren aus den Stadtteilen Mitte und Östliche Vorstadt. Sie begleiten sie zu Terminen, lesen ihnen vor, gehen gemeinsam spazieren oder nehmen sich einfach nur Zeit zum Reden. „Gerade älteren Menschen, die nicht mehr das Haus verlassen können und alleine sind, fehlt es sehr, mit jemandem zu sprechen“, sagt Projektleiterin Maren Wilkens. „Jemand, der sie regelmäßig besucht, gibt oft neuen Lebensmut, genau wie die festen Termine, auf die sich die Besuchten freuen können.“ Einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen auch untereinander zum gemütlichen Beisammensein und zum gegenseitigen Austausch.

Sieglinde Lauts ist eine der aktuell zehn Viertelfreunde. Seit einigen Jahren arbeitet sie nicht mehr. Daher entschied sie sich für die ehrenamtliche Tätigkeit. „Ich freue mich, im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen zu können“, sagt sie. „Frau Gramberg macht es mir aber auch sehr leicht, und das Zusammensein macht großen Spaß.“ Alle zwei Wochen treffen sich die beiden Frauen in der Wohnung der Seniorin. Meistens unterhalten sie sich darüber, was sie in den vergangenen Tagen erlebt haben, oder Sieglinde Lauts liest ihrer neuen Freundin vor. „Das halbe Buch haben wir schon durch“, sagt Hanna Gramberg. „Es ist spannender als jeder Krimi, und ich kann es jedes Mal kaum erwarten zu erfahren, wie es weitergeht.“ Aufgrund einer Beinverletzung fällt der 90-jährigen das Gehen aktuell schwer. „Wenn es ihr wieder besser geht, wollen wir aber auf jeden Fall draußen spazieren gehen“, so Lauts.

Die Viertelfreunde helfen den Senioren, mehr am Leben teilhaben zu können und neue Kontakte zu knüpfen. „Zu zweit geht das nun einmal einfacher“, sagt Projektleiterin Wilkens. Eine spezielle Qualifikation brauchen die Ehrenamtlichen nicht, denn die Viertelfreunde übernehmen keine pflegerischen Aufgaben. „Wichtig ist, dass sie Lust mitbringen, Zeit mit älteren Menschen zu verbringen“, sagt Wilkens. „Wenn man ein bisschen Erfahrung hat, sei es durch Eltern, Großeltern oder Nachbarn, ist das natürlich nie verkehrt.“

Hanna Gramberg ist froh, dass sie ihre neue Freundin hat. Aber auch Sieglinde Lauts kann von der Seniorin noch einiges lernen. „Frau Gramberg macht regelmäßig Gedächtnistraining und kann sich unsere Termine und alles andere immer sofort merken“, erzählt sie. „Da ist sie auf jeden Fall fitter als ich.“

Wer Unterstützung braucht oder

helfen möchte, kann sich dienstags und donnerstags zwischen 9 und 13 Uhr bei Projektleiterin Maren Wilkens unter Telefon 43483946 melden. Weitere Informationen im Internet unter www.viertelfreunde.de

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