Virologe rät zur Vor- und Umsicht

Corona-Lockerungen: Regeln einhalten wichtiger denn je

Die Fitnessstudios öffnen wieder, die Bäder bald, in Hotels darf wieder übernachtet werden. Das ist alles möglich, unter einer Bedingung: dass die Regeln eingehalten werden, sagt der Bremer Andreas Dotzauer.
26.05.2020, 05:00
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Corona-Lockerungen: Regeln einhalten wichtiger denn je
Von Silke Hellwig
Corona-Lockerungen: Regeln einhalten wichtiger denn je

Wichtig sei, ob im Restaurant, in der Hotellobby oder im Fitnessstudio: für gutes Durchlüften zu sorgen, also so oft es geht die Fenster aufzureißen.

Bernat Armangue/AP/dpa

Sich auf dem Crosstrainer abstrampeln, durchs Becken kraulen, am Wochenende Tante Annika besuchen und im Hotel übernachten – das ist in einigen Bundesländern wieder möglich, in anderen wird es in den nächsten Tagen soweit sein. Worauf muss man achten, wenn man mehr unter Menschen geht?

Es ist weiterhin unerlässlich, die grundsätzlichen Gesundheitsschutzregeln einzuhalten, sagt der Virologe Andreas Dotzauer, Leiter des Laboratoriums für Virusforschung an der Uni Bremen: Abstand halten, Hände waschen, Mund-Nasen-Schutz tragen, nicht eng aufeinander hocken, sofern man nicht zu einer Familie gehört, die Finger aus dem Gesicht lassen und die Zahl der Kontakte zu anderen weiterhin so gering wie möglich halten.

Selbst wenn sie jedermann inzwischen aus dem Effeff aufzählen könne, habe er den Eindruck, dass diese Grundregeln nachlässiger beachtet werden als noch vor einigen Wochen. „Dabei sind sie jetzt, wo es zu mehr und mehr Lockerungen kommt, wichtiger als je zuvor.“ Das beweise der Fall in Leer, wo sich 18 Gäste einer Feier bei einem Restaurantaufenthalt angesteckt haben.

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Sport sollte, wenn möglich, unter freiem Himmel getrieben werden, empfiehlt der Professor. „Alles, was in geschlossenen Räumen stattfindet, ist mit einem höheren Risiko behaftet als Outdoor-Aktivitäten.“ Entsprechend sei das Frei- dem Hallenbad vorzuziehen, Joggen dem Fitnessstudio. Dass sich Menschen durch das Wasser in einem Schwimmbad anstecken können, hält Dotz­auer für höchst unwahrscheinlich – „wegen des Verdünnungseffekts. Außerdem wird das Wasser ständig gefiltert, umgewälzt und gechlort“. Die größere Gefahr lauere auf der Liegewiese, wenn nicht ausreichend Abstand zwischen den Badegästen eingehalten werde.

Wer ein Fitnessstudio besucht, sollte besonders großen Abstand zu den anderen Sporttreibenden halten. „Wer sich körperlich anstrengt, atmet heftiger. Die Luft, die man ausatmet, wird weiter in den Raum getragen. Das muss man im Hinterkopf haben.“ Wichtig sei, ob im Restaurant, in der Hotellobby oder im Fitnessstudio: für gutes Durchlüften zu sorgen, also so oft es geht die Fenster aufzureißen. Dennoch hat Dotzauer keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Besuch eines Sportstudios. „Es liegt an den Besuchern. Wenn alle die Regeln respektieren, habe ich keine Bedenken.“

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Einem Hotelbesuch stehe ebenfalls nichts entgegen, sofern man sich weiterhin so penibel wie nur möglich an die Hygieneregeln halte. Vom Frühstücken oder Essen mit Büffets hält Dotzauer nichts, selbst wenn dabei Mund und Nase bedeckt werden und die Hände desinfiziert wurden. Wenn sich alle vernünftig verhielten, seien Wochenendausflüge kein Problem. Aber da man darauf nicht durchweg vertrauen könne, siehe Leer, steht der Virologe den Lockerungen skeptisch gegenüber: „Es verbreitet sich eine gewisse Sorglosigkeit, die durch Lockerungen gefördert wird. Mir geht das alles zu schnell.“

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