Bis Oktober ist im Hafenmuseum Speicher XI die interaktive Ausstellung „Willkommen@Hotel Global“ zu erleben

Visionen von einer lebenswerten Zukunft

Überseehäfen. Ist es möglich, gemäß der Ring-Parabel, die Lessing in seinem aufklärerischen Drama „Nathan der Weise“ beschrieb in einer globalen Welt zusammen- zuleben? Eine Vision von einem Leben in Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung vermittelt die interaktive Ausstellung „Willkommen@Hotel Global“, in der insbesondere junge Besucher bis 18. Oktober im Hafenmuseum Speicher XI die globalisierte Welt erforschen können.
26.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer
Visionen von einer lebenswerten Zukunft

Die zwölfjährige Kim aus Walle und der 13-jährige Bela, ebenfalls aus Walle, finden die Sonderausstellung „Willkommen@Hotel Global“ im Hafenmuseum ziemlich cool.

Roland Scheitz

Ist es möglich, gemäß der Ring-Parabel, die Lessing in seinem aufklärerischen Drama „Nathan der Weise“ beschrieb in einer globalen Welt zusammen- zuleben? Eine Vision von einem Leben in Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung vermittelt die interaktive Ausstellung „Willkommen@Hotel Global“, in der insbesondere junge Besucher bis 18. Oktober im Hafenmuseum Speicher XI die globalisierte Welt erforschen können. Und davon machten bei der Ausstellungseröffnung die Klasse 4 b von der Grundschule Am Pulverberg und die Klasse 7 a von der Oberschule Helgolanderstraße in einer Rallye durch die Ausstellung regen Gebrauch. Zunächst checkten sie an der Rezeption des „Hotel Global“ ein und holten sich ihren Pass ab, in dem sie verschiedene Fragen beantworten konnten. Los ging’s und insgesamt elf Hotelzimmer, in denen ganz unterschiedliche Weltbürger leben, konnten nun erobert werden.

Unter den ersten Testern waren auch Kim und Bela aus der 7 a von der Oberschule Helgolander Straße. Die Klassenkameraden waren sich einig: Das Zimmer „Affenschande“ fanden sie am coolsten. Es ist dem Camp nachempfunden, das Jane Goodall im Regenwald von Gombe in Tansania aufschlug. Die berühmte britische Wissenschaftlerin erforschte ein Vierteljahrhundert das Leben der Schimpansen. Ihre Erkenntnisse lassen sich anhand ihres Forschungstagebuches studieren. In der Hotel-Lobby können die Besucher in bequemen Ledersesseln Platz nehmen und per Film und Kopfhörer den friedlichen Visionen von Pfarrer Gregor Hohberg von der Marienkirche Berlin-Mitte lauschen. Er ist Mitinitiator des Projektes „The House of One“ für drei Religionen. In einem Sakralbau in der Hauptstadt sollen eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge unter einem Dach vereint werden. Ganz im Sinne von Lessings Ringparabel, mit der Nathan für die Gleichberechtigung der Religionen plädiert. Wie die Ausstellung, die für „Alice – Museum für Kinder im FEZ-Berlin“ konzipiert wurde, überhaupt die jungen Besucher dazu motiviert, ihre Umwelt und ihr Leben zu reflektieren. „Als wir die Schau in Berlin entdeckt haben, war uns klar, dass wir sie unbedingt für das Hafenmuseum haben wollten“, unterstrich Kuratorin Anne Schweisfurth vom Hafenmuseum bei der Ausstellungseröffnung. „Wir wollen zeigen, dass jeder etwas dazu beitragen kann, die Welt zu verbessern und um die maßlose Vergeudung von Ressourcen zu stoppen“.

Ein Beispiel gibt die Ausstellung mit Felix Finkbeiner, einem der Gäste im „Hotel Global“. Der kleine Junge hat initiiert, dass weltweit von Kindern Millionen Bäume für mehr Klimagerechtigkeit gepflanzt werden. Kim und Bela staunten inzwischen nicht schlecht, als sie in Zimmer acht anhand von verschiedenen Fragen ihren ökologischen Fußabdruck ermitteln und damit in Erfahrung bringen können, wie viel Natur sie in einem Jahr verbrauchen. Rund 90 Prozent aller Waren werden heute über die Weltmeere verschifft. In einem Hotelzimmer ist Kapitän Mischa Richter zu Gast, der sein riesiges Containerschiff von Bremerhaven nach Schanghai steuert. In einem Film wird gezeigt, wie das Schiff von Van-Carriern in den Häfen der Welt be- und entladen wird. Und auch Kim und Bela mischten sich ins Getümmel, denn die Modelle der Containerschiffe mit kleinen Containern sachgerecht zu be- und entladen ist heiß begehrt.

Zwei weitere Highlights im „Hotel Global“ sind das gemütliche, rotplüschige Zugabteil, in dem man wie einst Phileas Fogg in 80 Tagen um die Welt reisen kann. Der Brite unternimmt mit den Besuchern eine Zeitreise durch die Geschichte der Mobilität. Heute ist es allerdings bereits möglich, per Flugzeug in zwei Tagen um die Welt zu reisen, mit entsprechend verheerenden Auswirkungen auf die Klimabilanz. In der „Hotelküche Global“ war inzwischen viel los. Einige der Kinder schraubten Metall-Röhrchen auf und schnupperten Vanille, Zimt und Sternanis. „Das riecht ja voll nach Freimarkt“, befanden sie. Kim hatte sich unterdessen schon eine weiße Kochmütze aufgesetzt und studierte am interaktiven Herd Rezepte aus aller Welt. Über den Herd aktivierte sie mit grünen und roten Knöpfen einen Bildschirm, auf dem der Chocolatier Josef Zotter Informationen zur Herkunft von Lebensmitteln gibt. Man kann von ihm erfahren, wie man sie zu leckeren, gesunden Gerichten verarbeitet. Im Zimmer fünf kann man im globalen Hotelshop einmal anders einkaufen gehen. In Vitrinen ist zu sehen, dass eine Jeans ein globales Produkt ist: Die Baumwolle wird in Kasachstan geerntet, aus Polen kommt das Indigo-Blau und in China werden die Jeanshosen zusammengenäht. Dann nahmen Kim und Bela in einer Mini-Flugzeugkabine Platz. Auf einem Touchscreen berichten Bauern aus Brasilien und Sierra Leone, die Baumwolle und Kaffee anbauen in Comics von fairen oder ausbeuterischen Produktionsbedingungen. Sehr deutlich wird dem Ausstellungsbesucher – wie schon zuvor im Hotelshop vor Augen geführt, dass Dumpingpreise, über die sich die europäischen Verbraucher freuen, für Dumpinglöhne in den Herstellerländern sorgen.

„Die Ausstellung ist sehr schön eingerichtet und ziemlich cool. Das ist eine tolle Idee“, fiel das Fazit von Kim und Bela positiv aus. Einziges Manko: „Die Geschichten, die wir in den einzelnen Zimmern am Telefon gehört haben, sind teilweise zu lang und zu leise“, bilanzierten die beiden. Eines ist aber sicher: Nach dem Besuch der Ausstellung machen sie sich auf jeden Fall Gedanken darum, wie unsere Zukunft aussehen wird. Diese Frage wird im letzten Raum der Ausstellung gestellt.

Auf den bereit liegenden Zettelchen kann jeder seinen persönlichen Verbesserungsvorschlag hinterlassen. In der Mitte des Raumes dreht sich ein täuschend echtes Modell des blauen Planeten in all’ seiner Schönheit, so wie es Bette Midler in ihrem Song „From a distance“ so poetisch besungen hat. Die Botschaft ist klar: Wir haben nur eine Erde, geht behutsam mit ihr um!

„Willkommen@HotelGlobal“ ist im Hafenmuseum Speicher XI, Am Speicher XI 1, von dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene (ermäßigt 3,50 Euro). Für Kinder bis sieben Jahren ist der Eintritt frei. Kinder und Jugendliche von acht bis 18 Jahren zahlen 2,50 Euro Eintritt. Das Ticket schließt den Besuch der Dauerausstellung mit ein.

Weitere Informationen gibt es unter

www.hafenmuseum-speicherelf.de.

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