Katzen möglichst nicht ins Freie lassen

Vogelkinder in Gefahr

Beim Naturschutzbund (Nabu) gehen in dieser Zeit häufig Nachfragen von Tierfreunden ein, die sich Sorgen machen, wenn sie ein Vogelkind entdecken, das in einer Hecke oder in Bodennähe sitzt und herzzerreißend ruft.
06.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Katja Bettina Wild

Beim Naturschutzbund (Nabu) gehen in dieser Zeit häufig Nachfragen von Tierfreunden ein, die sich Sorgen machen, wenn sie ein Vogelkind entdecken, das in einer Hecke oder in Bodennähe sitzt und herzzerreißend ruft.

Piepsend rufen die jungen Kohlmeisen nach ihren Eltern. Die Kleinen haben ihre Bruthöhle verlassen und ihren ersten Flugversuch erfolgreich hinter sich gebracht. Eines sitzt auf einem Zweig, ein anderes ist unter einer Hecke gelandet. Für sich selbst sorgen können sie aber noch nicht, sie werden noch für einige Zeit als sogenannte Ästlinge von den Eltern gefüttert. Auch viele weitere Jungvögel werden in den nächsten Wochen flügge.

Beim Naturschutzbund (Nabu) gehen in dieser Zeit häufig Nachfragen von Tierfreunden ein, die sich Sorgen machen, wenn sie ein Vogelkind entdecken, das in einer Hecke oder in Bodennähe sitzt und herzzerreißend ruft. „In den allermeisten Fällen wurden sie nicht verlassen und werden von den Eltern weiter umsorgt“, betont Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann. „Mit Bettellauten rufen die Kleinen nach ihren Eltern, die sie auch außerhalb des Nestes versorgen.“ Daher sollte man einen scheinbar verlassenen Jungvogel zunächst mindestens eine Stunde lang beobachten, so der Rat. Um die Eltern nicht zu vertreiben, sollte dabei ein gebührender Abstand eingehalten werden.

„Wenn in dieser Zeit kein Eltern- oder Geschwistervogel entdeckt wird, können Hilfsmaßnahmen sinnvoll sein.“ Dazu gehöre das vorsichtige Einflößen von Wasser mit einer Pipette, wobei keine Luft mit eingespritzt werden dürfe. Dann sollte das Tier behutsam auf Verletzungen, Brüche und Durchfall begutachtet werden. Im Zweifelsfall sollte der Rat eines Tierarztes eingeholt werden, dieser helfe oft auch kostenlos weiter.

Katzen sind eine große Gefahr

„Jungvögel sind Wildtiere, man darf ihnen nur im echten Notfall helfen. Als Haustiere sind sie überhaupt nicht geeignet“, stellt Sönke Hofmann klar. Das Ziel jedes verantwortungsbewussten Tierfreunds sei daher immer eine kurze Pflege und die möglichst schnelle Auswilderung.

Eine Gefahr für die unerfahrenen und im Fliegen noch ungeübten Vogelkinder sind Katzen. Der Nabu ruft Katzenbesitzer deshalb dazu auf, die Tiere in dieser Zeit nicht nach draußen zu lassen. „Halbflügge Jungvögel sind leichte Beute, da kommt auch bei der schmusigsten Kitty der Jagdtrieb durch“, erklärt Hofmann. „Hochgerechnet räubern Katzen allein in Bremen jährlich anderthalb Millionen Wildtiere.“

Einer Katze, die gewohnt ist, frei wählen zu können, ob sie sich drinnen oder draußen aufhalten möchte, kann der Verzicht auf die Ausflüge schwer fallen. „Man kann der Katze diese Zeit erleichtern, indem man sich mehr mit ihr beschäftigt und viel mit ihr spielt. Auf diese Weise kann sie ihren Jagdtrieb ausleben, ohne dass dabei Wildtiere zur Beute werden“, empfiehlt Nabu-Mitarbeiterin Nathalie Pülmanns. „So mache ich es mit meiner Katze auch und sie kommt damit sehr gut zurecht.“

„Katzen richten schon Schaden an“, betont Jochen Kamien von der Ökologiestation, selbst Halter einer Katze. „Es kommt aber auf die Besitzer an, je nachdem, wie sie sich um ihre Katze kümmern.“ Es sei sehr wohl möglich, Einfluss darauf zu nehmen, wann und wie lange sie sich draußen aufhalte. Brutvögel seien besonders bei Dunkelheit gefährdet, deshalb sei es besser, wenn die Katzen wenigstens in der Brutzeit in den Abend- und Nachtstunden im Haus blieben. „Jeder, der sich eine Katze anschafft, sollte sich Gedanken darüber machen, dass sie ein Raubtier ist. Und auch Katzen, die ständig gefüttert werden, haben einen Jagdtrieb.“

Tipps für einen vogelfreundlichen Garten

Während Rotkehlchen, Amsel, Meise und Co. sich größter Beliebtheit erfreuen, werden Rabenvögel von einigen Menschen mit Argwohn betrachtet. „Die Gefahr für die kleineren Vogelarten wird dabei aber häufig überschätzt“, sagt Jochen Kamien. „Rabenvögel ernähren sich nur zu unter einem Prozent von Jungvögeln. Es gibt aber zum Beispiel einzelne Elstern, die sich darauf spezialisiert haben.“

Der Beckedorfer Biologe Lüder Kreft weist darauf hin, dass Gartenbesitzer viel für einen vogelfreundlichen Garten tun können: „Wer den Singvögeln helfen möchte, sollte Dornensträucher pflanzen, wie beispielsweise Weißdorn. Je älter die Pflanzen sind und je dichter die Dornen, umso besser für die Vögel, denn dort finden sie Schutz, Beerennahrung und Nistmöglichkeiten.“ Auch könne man Nester schützen, indem man Bäume, in denen Vögel brüten, mit einem Drahtring versehe. Zudem gebe es spezielle Nistkästen, die mit einem katzensicheren Vorbau ausgestattet seien.

Eine Broschüre mit Tipps über „Vögel im Garten“ mit Pflanzlisten, Bestimmungstafeln wichtiger Vogelarten und vielen weiteren Hinweisen ist für 4 Euro beim Nabu erhältlich.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+