Bremer Weiterbildungsträger

Volkshochschule Bremen treibt die Digitalisierung in der Corona-Krise voran

Wie kommen private und außerschulische Weiterbildungsträger mit der Corona-Krise zurecht? Mit viel Anstrengung und Kreativität ist es ihnen gelungen, neue Wege zu gehen.
04.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Volkshochschule Bremen treibt die Digitalisierung in der Corona-Krise voran
Von Sigrid Schuer
Volkshochschule Bremen treibt die Digitalisierung in der Corona-Krise voran

Italienisch-Lehrerin Simonetta Bifini vor ihrer Sprachschule in der Hamburger Straße.

Christina Kuhaupt

Den Spruch, dass in der Krise auch immer eine Chance stecken könnte, haben sich auch manche private und außerschulische Weiterbildungseinrichtungen zu eigen gemacht. Die Volkshochschule habe unter anderem die Zeit des ersten Lockdown genutzt, um ihr digitales Angebot deutlich auszubauen, bilanzieren Susanne Nolte, kommissarische Leiterin der VHS, und der kaufmännische Leiter Werner Dammann. Zwar war es gemäß Corona-Verordnung bis jetzt noch erlaubt, in Bildungseinrichtungen Präsenzunterricht zu erteilen. „Wir haben aber freiwillig darauf verzichtet und den Präsenzunterricht bis auf Weiteres ausgesetzt“, sagt Nolte.

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So wurden den Angaben zufolge 196 Präsenzkurse in 135 Online-Seminare umgewandelt, um kontinuierliches Lernen und Teilhabe an Weiterbildung weiterhin zu ermöglichen. Das Angebot reicht von Kursen in verschiedenen Sprachen bis hin zu Vorträgen und Seminaren teils auch überregionaler Referenten. Allein im Frühjahrssemester 2021 werden 130 Online-Seminare angeboten. Dieses Angebot, das sehr gut angenommen werde, solle weiterhin beständig ausgebaut werden, sagt die derzeitige Leitung der VHS. Denn die Digitalisierung sei eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. „Da hat das Kollegium mit hoher Flexibilität Großes geleistet“, lautet das Fazit von Nolte und Dammann.

Ressort sorgt für Ausfallhonorare

Zum Vergleich: 2019 hat die Bremer Volkshochschule 3800 Veranstaltungen mit insgesamt 145.570 Unterrichtsstunden und 52.830 Belegungen angeboten. Aus den hinlänglich bekannten Gründen ist die Zahl der Teilnahmen im Corona-Jahr 2020 gesunken, nämlich auf 2935 Veranstaltungen mit 30.930 Teilnahmen, das entspricht 76.730 Unterrichtseinheiten. Vom 13. März bis 18. Mai 2020 war der erste Lockdown angesetzt und vom 14. Dezember bis jetzt der zweite.

Von der Raumgröße abhängig hätten die Teilnehmerzahlen der Kurse auf acht bis zehn Personen halbiert werden müssen. Nur so hätten die Abstandsregeln und das penible Hygienekonzept eingehalten werden können, sagen Nolte und Dammann. Der Großteil der Dozentenschaft arbeite ehrenamtlich an der Volkshochschule. Dank der durch das Kulturressort bereitgestellten Mittel konnten den Angaben zufolge sowohl im Frühjahr 2020 als auch in den folgenden Lockdown-Phasen Ausfallhonorare gezahlt werden.

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Die Sprachschule von Simonetta Bifini an der Hamburger Straße ist seit vielen Jahren eine Institution in Bremen. Auch für sie habe die Corona-Krise eine große Umstellung mit sich gebracht, berichtet die Italienisch-Lehrerin. Die zweieinhalb Monate des ersten Lockdown ab Mitte März seien eine anstrengende und schwierige Zeit gewesen.

Normalerweise wird auf der Piazzetta, auf dem Platz ihrer Sprachschule im Peterswerder, gelacht und viel erzählt. So lernt sich die Sprache am besten. Bifini ist froh, dass sie von Mai bis zum Beginn des zweiten Lockdown Mitte Dezember Präsenzunterricht anbieten konnte – unter strikter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln.

Unterricht in Präsenz

Und die Teilnehmer der Kurse seien froh gewesen, zumal eine längere Pause aus didaktischer Sicht nicht sinnvoll sei, sagt Bifini. Italienisch sei nun mal Kommunikation per se und die Sprachschule ein sozialer Treffpunkt. Das ins Virtuelle zu verlagern, sei eine ziemliche Herausforderung gewesen. Vom zusätzlichen Arbeitsaufwand gar nicht zu reden. „Ich habe die Materialien eingescannt, per Mail verschickt, und dann sind wir in Online-Konferenzen eingestiegen."

Das sei schon sehr viel mehr Arbeit. Wie bei vielen Selbstständigen überwiegt auch bei Bifini die Unsicherheit, was die Zukunft bringt. Eines sei klar: Das ständige Auf und Zu sei schon anstrengend. Zum Glück seien die Menschen, die sie unterrichtet, sehr offen, und viele seien auf das virtuelle Angebot umgestiegen.

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Für die optimale Verbesserung des Hygieneschutzes in ihrer Sprachschule hat Bifini unter anderem in einen Hepafilter investiert, der zu nahezu 100 Prozent Bakterien und Viren aus der Luft herausfiltern soll. Sie habe auch viele Ärzte unter ihrer Schülerschaft, die ihr gesagt hätten, dass das Sinn mache, sagt Bifini.

Für die Zeit des Lockdown habe sie als Sprachlehrerin keine Finanzhilfen vom Staat erhalten. Simonetta Bifini ist zudem noch in einer Halbtagsstelle an einer allgemeinbildenden Schule tätig. Dort betreut sie autistische Kinder. Dabei sei sie im Frühjahr für eineinhalb Monate auf Kurzarbeit gewesen, berichtet sie.

Info

Zur Sache

Insgesamt 1900 Veranstaltungen

Die Volkshochschule (VHS) legt den Fokus im kommenden Semester auf das Thema „Armut beenden“. Um Armut zu beenden, wolle die Bildungseinrichtung Perspektiven über Corona hinaus geben, heißt es in einer Mitteilung. Durch den Zugang zu Bildungsangeboten sollen gleiche Chancen geschaffen und der Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt werden. „Unsere Bildungsangebote sollen den Menschen Mut machen“, sagt Susanne Nolte, kommissarische Leiterin der VHS.

Als weitere Themenschwerpunkte nimmt die Volkshochschule im Frühling und Sommer neben dem Superwahljahr und damit zusammenhängenden politischen Prozessen auch Gesundheitskurse, die kaufmännische Weiterbildung und 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland ins Programm.

Die Online-Angebote, die die VHS im vergangenen Jahr ausgearbeitet hat, sollen neben den klassischen Lehrangeboten bestehen bleiben. Die Plattform vhs.cloud nutze die VHS Bremen mit den Volkshochschulen der anderen Bundesländer. Darüber hinaus gebe es eine Online-Vortragsreihe auf vhs.wissen live.

Das gesamte Programm, das nun als PDF zur Verfügung steht, fasst insgesamt 1900 Veranstaltungen. Informationen zu coronabedingten Änderungen gibt es unter www.vhs-bremen.de.

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