Umstrittene Äußerungen zur Homosexualität „Zutiefst teuflisch und satanisch“ – die Aussagen des Pastors Olaf Latzel

Die umstrittenen Äußerungen von Pastor Olaf Latzel zur Homosexualität stammen aus einem Eheseminar vom Oktober 2019. Er wurde deshalb angezeigt. Aber was genau hat er eigentlich gesagt?
15.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Zutiefst teuflisch und satanisch“ – die Aussagen des Pastors Olaf Latzel
Von Ralf Michel

Erfüllen die Aussagen von Olaf Latzel über Homosexualität den Straftatbestand der Volksverhetzung oder Beleidigung? Dieser Frage geht derzeit die Bremer Staatsanwaltschaft nach. Nach einer Anzeige ermittelt sie gegen den Pastor der St.-Martini-Gemeinde.

Am 19. Oktober 2019 hat Latzel in seiner Gemeinde ein Seminar zum Thema Ehe veranstaltet. Was er in dieser „Biblischen Fahrschule zur Ehe“ über Homosexualität gesagt hat, führte zur Strafanzeige gegen ihn. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück und fühlt sich missverstanden. Es gibt eine Audiodatei von dem Seminar. Bis vor Kurzem war sie auf dem Youtube-Kanal des Pastors für jedermann frei zugänglich. Inzwischen wurde die Datei jedoch entfernt.

Keine geballte Hasstirade

Die Fahrschule zur Ehe ist ein durchgehender Monolog Latzels, eine Stunde, 42 Minuten und 51 Sekunden lang. Darin geht es um die göttliche Schöpfungsordnung mit Fokus auf Ehe, Familie und Sexualität. Wer nun eine komprimierte, geballte Hasstirade gegen Homosexuelle erwartet, sieht sich getäuscht. Latzel flicht seine umstrittenen Positionen vielmehr in der ersten Stunde des Seminars an etwa einem halben Dutzend Stellen ein. „Irgendwelche Politiker und Theologen erzählen uns vom dritten Geschlecht, von divers, transgender und sonstirgendwas“, heißt es gleich zu Beginn. Dabei habe Gott eine feste Ordnung in seiner Schöpfung: „Er schuf sie als Mann und Frau. Punkt!“

Kurz darauf spricht Latzel davon, dass der „ganze Gender-Dreck ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung ist, zutiefst teuflisch und satanisch“. Insbesondere die Kinder würden damit indoktriniert. Dies verunsichere die Leute und „zerstört unsere ganze Zivilisation und Kultur“. Homosexualität sei eine „Degenerationsform von Gesellschaft“, die ihre Ursache in Gottlosigkeit habe.

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Die Ehe, „wie wir sie nach der Bibel leben“, sieht der Pastor als gefährdet an. Sei es zum Beispiel bis vor gar nicht langer Zeit noch selbstverständlich gewesen, dass nur Mann und Frau gemeinsam eine Wohnung mieten konnten, so würden heute bei der Vermietung alle Lebensformen toleriert: „Da kann man ja noch froh sein, wenn er wirklich mit ihr ankommt und nicht mit einem Schaf oder einem anderen Mann.“

Beim Thema Ehebruch schlägt der Pastor den nächsten Bogen zur Homosexualität. Nicht nur der vollzogene Ehebruch, nein auch das „Reinziehen von Videos auf einem Pornokanal“ oder der eindeutige Flirt mit einer Mitarbeiterin in der Firma sei „genauso todeswürdig und vor Gott ein Gräuel, wie eben gelebte Homosexualität.“ Und „diese Homo-Lobby, dieses Teuflische“ komme immer stärker auf und dränge sich immer mehr ins allgemeine Leben hinein. So werde etwa in den Schulen propagiert, dass Homosexualität normal sei.

„Überall laufen diese Verbrecher von diesem Christopher-Street-Day,...“

Dann folgt der Satz, der die Staatsanwaltschaft mutmaßlich am meisten beschäftigen wird: „Überall laufen diese Verbrecher rum von diesem Christopher-Street-Day, feiern ihre Partys.“ Latzel Kritiker sehen darin den Beweis, dass er homosexuelle Menschen für Verbrecher hält. Er selbst sagt, dass „Verbrecher“ sich nur auf diejenigen bezieht, die auf dem Grundstück der St.-Martini-Gemeinde mehrfach Sachbeschädigungen begingen sowie ihn oder die Gemeinde bedrohten. Auf der Audiodatei ist davon nichts zu hören. In dem Eheseminar stellt er diesen Zusammenhang nicht her.

Mehr Passagen zur Homosexualität gibt es in den knapp eindreiviertel Stunden Eheseminar nicht. Abgesehen von einer Differenzierung: In seiner Erklärung nach Bekanntwerden der Ermittlungen wegen Volksverhetzung betonte Olaf Latzel, dass er zwischen der „Sünde“ Homosexualität und den „Sündern“ unterscheide. Deshalb seien auch Homosexuelle in der St.-Martini-Gemeinde willkommen. Auch auf der Audiodatei findet sich dieser Ansatz. Der Pastor erzählt, wie er jemandem davon abgeraten hat, sich an einem Hochzeitsgeschenk für ein schwules Paar zu beteiligen. „Du kannst das Geschenk nicht bezahlen. Das heißt nicht, dass du gegen den Menschen als solches was hast. Aber du kannst diese Dinge nicht mitmachen“, habe er gesagt. „Das ist eine große Katastrophe. Wir machen uns mit schuldig, wenn wir da mit dabei sind.“

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