Pflegedienstleister Prosano startet Veranstaltungsreihe für Senioren mit Vorträgen und Spieltreff

Vom Dorf Schwachhausen bis zum Stadtteil

Schwachhausen. Kleine Auszeiten vom Alltag, geistige Anregungen und nette Kontakte in der Nachbarschaft – das möchte das Schwachhauser Unternehmen Prosano, ein Anbieter für häusliche Alten- und Krankenpflege, mit einer neuen Veranstaltungsreihe ermöglichen. Unter dem Motto „Veranstaltungen für vitale Menschen.
01.08.2016, 00:00
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Von Christina Klinghagen

Schwachhausen. Kleine Auszeiten vom Alltag, geistige Anregungen und nette Kontakte in der Nachbarschaft – das möchte das Schwachhauser Unternehmen Prosano, ein Anbieter für häusliche Alten- und Krankenpflege, mit einer neuen Veranstaltungsreihe ermöglichen. Unter dem Motto „Veranstaltungen für vitale Menschen. Ihr Schwachhausen“ lädt Prosano insbesondere Senioren von nun an regelmäßig in seine Räume in die Schwachhauser Heerstraße 30A.

Im Fokus stehen Vorträge mit Themen zur geschichtlichen Entwicklung Bremens und des Stadtteils. „Wir haben Menschen gefunden, die was zu erzählen haben“, sagt Prosano-Geschäftsführer Stephan Hampel über die Referenten. Aber auch ein Spieletreff, eine Klangmeditation oder Geschichten auf Plattdeutsch stehen auf dem Programm.

Warum investiert ein Pflegedienstleister in eine solche Veranstaltungsreihe? Laut Hampel gibt es zahlreiche Gründe. „Wir möchten unsere Klientel mitnehmen zu denen, die noch vital sind.“ Der Anspruch von Prosano sei, „dass man nicht nur zu den Leuten hinfährt, um dort pflegerische Maßnahmen auszuführen, sondern die Menschen, von denen ein Großteil noch mobil ist, für Aktivitäten zu begeistern.“ Aus langjähriger Berufserfahrung weiß Hampel, dass bei vielen die Hemmschwelle für Aktivitäten steigt, sobald sie pflegebedürftig sind. „Die Leute sollen nicht in ihrem Kämmerchen sitzen bleiben und denken, dass jetzt alles vorbei ist“, betont er und verweist darauf, dass ein Umgang mit Menschen mit ähnlichen Erfahrungen hilfreich sein kann.

„Wir möchten damit Leute ab 60 Jahren aufwärts ansprechen“, sagt Jens Morche von der Findorffer Dienstleistungsfirma Gedi, die die Veranstaltungsreihe im Auftrag von Prosano entwickelt hat. Aber nicht nur Pflegebedürftige solle die Reihe ansprechen, sondern auch ihre Angehörigen und viele weitere neugierige Schwachhauser. „Wir müssen schauen, wie es sich entwickelt. Unser Ziel ist es, ein festes Angebot im Stadtteil zu bieten“, sagt Stephan Hampel. So gebe es auch schon Pläne für das nächste Jahr. Wünsche und Anregungen von den Besuchern seien willkommen, so Morche. Alle Veranstaltungen finden in den Räumen von Prosano in der Schwachhauser Heerstraße 30A statt. Pro Veranstaltung kostet die Teilnahme 5 Euro, für die Spieletreffs ist sie kostenfrei.

Das neue Stadtteilangebot startet mit dem Spieletreff am Donnerstag, 4. August, von 15 bis 16.30 Uhr. Die Teilnehmer können zwischen Doppelkopf, Skat, Bridge, Rommé und Canasta wählen und in lockerer Runde neue Kontakte knüpfen. Weitere Termine für den Spieletreff sind am 1. September, 6. Oktober, 3. November und 1. Dezember, ebenfalls von 15 bis 16.30 Uhr.

Unter dem Titel „Schwachhausen anders als immer?!“ steht am Dienstag, 9. August, von 15 bis 16.30 Uhr ein Vortrag auf dem Programm, bei dem Schauspielerin Christine Renken in der Gestalt von Hein Looper zahlreiche historische Geschichten präsentiert. Unter anderem geht es um den Konfirmationsunterricht von Karl Carstens, um den kleinsten Sender der ARD, der an der Schwachhauser Heerstraße geboren wurde, und um die Familie Hachez.

Am Donnerstag, 25. August, von 15 bis 16.30 Uhr heißt es dann in den Räumen von Prosano „Das Bremer Geschichtenhaus unterwegs“. Die Hanse-Scouts entführen das Publikum in die Zeit der Hanse. In historischen Kostümen erzählen die Darsteller Seemannsgarn sowie Reiseberichte von Bremer Kaufleuten.

Über die ersten Siedler und die Herkunft des Namens Schwachhausen referiert am Donnerstag, 15. September, von 15 bis 16.30 Uhr der Stadtteilhistoriker Peter Strotmann. Unter dem Titel „Schwachhausen Teil 1: Von den Anfängen bis zum Jahr 1901“ erhalten die Besucher Einblicke in die Geschichte des Dorfes Schwachhausen und erfahren, welche Auswirkungen die Überschwemmungskatastrophe von 1880/1881 hatte.

Gesundheitsfördernd entspannen lässt sich am Montag, 26. September, von 10 bis 11.30 Uhr. Dann steht eine Fantasiereise mit meditativen Tönen von Klangschalen an. Mitzubringen sind bequeme Bekleidung, ein Kissen sowie eine Decke.

Am Dienstag, 11. Oktober, von 15 bis 16.30 Uhr begrüßt Christine Renken alias Hein Looper die Gäste unter dem Motto „Schwachhausen, es geht weiter?!“. Wenn man sich heute mit jemandem im alten Dorfkern Schwachhausens treffen möchte, dann müsse man sich an der Ecke Schwachhauser Heerstraße und Schwachhauser Ring verabreden, sagt Renken und hält hierzu allerlei Geschichten bereit.

Um das Kleingartenwesen in Bremen-Schwachhausen geht es in einem Vortrag am Dienstag, 25. Oktober, von 15 bis 16.30 Uhr. Im Mittelpunkt steht die Geschichte und Entwicklung von Schrebergärten insbesondere in Schwachhausen, bei der auch politische Interessen und Werteveränderungen eine Rolle spielten. Außerdem wird die Bedeutung von Vereinen im Dienste der Landschaftspflege in Verbindung mit Natur und Umweltschutz betrachtet. Erläuterungen zur Umweltbildung sowie zu regionalen Informations- und Kontaktstellen runden diese Darstellung ab.

Einen weiteren Vortrag hält Peter Strotmann, der ehrenamtlich das Schwachhausen-Archiv leitet, unter dem Titel „Schwachhausen Teil 2: Von 1902 bis heute“ am Donnerstag, 10. November, von 15 bis 16.30 Uhr. Der Stadtteilhistoriker berichtet, wie das Dorf Schwachhausen im Jahr 1902 an das Bremer Stadtgebiet angegliedert wurde und wie Verstädterung in Schwachhausen und den angrenzenden Gebieten voranschritt.

Am Donnerstag, 24. November, von 15 bis 16.30 Uhr gibt es die Veranstaltung „Bremischer Volkshumor und eigene Werke Lyrik und Prosa“. Das plattdeutsche Urgestein Werner Meiners liest op Platt und unterhält mit bremischem Volkshumor in hoch- und plattdeutscher Sprache, wobei er Zoll- und Schmuggelgeschichten sowie andere lustige Anekdoten zum Besten gibt.

„Ein Schatten auf dem Lichterglanz“ heißt es am Donnerstag, 8. Dezember, von 15 bis 16.30 Uhr. Hierbei geht es um geplünderte Weihnachtsbäume in den frühen Nachkriegsjahren vor dem Bremer Hauptbahnhof. Diebstahl von Glühbirnen als Zeichen der Zeit: Was heute fast komisch wirkt, spiegelte damals die prekäre Versorgungslage der Bevölkerung wider. Hungersnot, Wohnraummangel und im Winter kaum Heizmaterial – dem Bürgerpark drohte der Kahlschlag. Warum dies nicht geschah und mit welchen Mitteln die Bevölkerung zu helfen versuchte, schildert Historiker Frank Hethey, der auch regelmäßig für unsere Zeitung schreibt.

Am Donnerstag, 15. Dezember, gibt es von 15 bis 16.30 Uhr einen Vortrag unter dem Titel „Bremen und sein koloniales Erbe“. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz war der Erste, der Landbesitz in Südwest-Afrika, dem heutigen Namibia erwarb. Durch deutsche Kolonialtruppen wurden Aufstände der Bevölkerung niedergeschlagen, die schließlich in den Völkermord an den Herero und Nama führten. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel es Bremen schwer, sich mit dem Verlust der deutschen Kolonien abzufinden. Schließlich hatte die Stadt während der Kolonialzeit durch den Handel mit Übersee stark profitiert. Welche Spuren der kolonialen Vergangenheit heute noch in der Stadt zu finden sind, erfahren die Zuhörer ebenso bei diesem letzten Vortrag des Jahres in der Reihe „Veranstaltungen für vitale Menschen. Ihr Schwachhausen“.

Anmeldungen für die Veranstaltungen ­sowie weitere Informationen sind möglich unter Telefon 69 67 88 88 oder per E-Mail an info@gedi-online.de.
„Die Leute sollen nicht in ihrem Kämmerchen sitzen bleiben.“ Stephan Hampel, Prosano
„Bremen und sein koloniales Erbe“ Titel eines Vortrags im Dezember
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