Die Würde des Menschen

Vom Umgang miteinander

WDR-Journalistin Isabel Schayani und die aus dem Iran geflohene Studentin Hoda Mobasher, die seit sieben Jahren in Bremen lebt, sprachen im Rathaus über die Würde des Menschen.
11.03.2019, 21:38
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Von Jean-Pierre Fellmer
Vom Umgang miteinander

Isabel Schayani am Montagabend bei dem Gespräch im Bremer Rathaus.

Vasil Dinev

„Woher kommst Du?“ Diese Frage hat Hoda Mobasher schon oft gehört, sie will sie nicht mehr hören: „Würde man die gleiche Frage auch jemandem stellen, der blaue Augen und blonde Haare hat?“

Mobasher ist Studentin und Integrationslehrkraft, sie ist aus dem Iran geflohen und lebt seit sieben Jahren in Bremen. Sie war am Montagabend eine von zwei Rednerinnen im Kaminsaal des Bremer Rathauses. Unter dem Titel „Die Würde des Menschen. . . Vom respektvollen Umgang miteinander“ hat sie gemeinsam mit der WDR-Journalistin Isabel Schayani auf Einladung des Vereines Friedenstunnel debattiert. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) lobte zuvor die Arbeit des Vereins, da der mit solchen Veranstaltungen immer wieder ein Zeichen der Begegnung setze.

Schayani, die im April den Grimme-Preis für ihre journalistische Leistung erhält, berichtete von einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos. „2015/2016 wurde das Lager für 700 Menschen eingerichtet – derzeit leben dort 5200.“ Sie berichtete von Prügeleien bei der Essensausgabe, von Kindern, die nicht zur Schule gehen können, die in Zelten zwischen den Ratten leben. „Ich erzähle das, obwohl wir das alle schon längst wissen.“ Aber wenn es um die Würde gehe, die von der Gesellschaft als wichtiger Wert hochgehalten werde, dann frage sie sich: „Wie glaubhaft ist unser Kontinent, wenn wir das zulassen?“

Mobasher sprach das Thema positiven Rassismus an, die Macht der Sprache. Die Frage nach der Herkunft werde auch ihrer Cousine oft gestellt. „Und die ist in Deutschland geboren“, sagte sie. Moderatorin Regina Heygster vom Verein Friedenstunnel griff Mobashers Kritik auf, sie beschränke sich nicht nur auf die Herkunft: „Warum Fragen wir jemanden, warum er im Rollstuhl sitzt? Oder zu welchem Geschlecht eine Person gehört?“ Wann sei das Voyeurismus, wann Hilflosigkeit – und warum wolle man das wissen? Schayani erläuterte, dass sie die Frage ganz oft stelle, etwa um Anknüpfungspunkte zu schaffen. Doch sie räumte ein: „Auch ich bekomme die Frage nicht gerne gestellt – selbst wenn ich sie gerne stelle.“

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