Erzähltrainer bietet Workshop zum Erzählen und Entdecken der Firmenhistorie an Vom Wert der eigenen Geschichte

Gröpelingen. „Gründungsgeschichten von Kleinunternehmen sind Gold wert“, sagt Raymond den Boestert. Er ist Erzähltrainer und Leiter der „Vertelacademie“ in den Niederlanden und hat gerade den von ihm geleiteten Workshop „Business Storytelling für Freiberufler, Kleinstunternehmer und Existenzgründer“ im Pasdocks beendet.
09.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Gröpelingen. „Gründungsgeschichten von Kleinunternehmen sind Gold wert“, sagt Raymond den Boestert. Er ist Erzähltrainer und Leiter der „Vertelacademie“ in den Niederlanden und hat gerade den von ihm geleiteten Workshop „Business Storytelling für Freiberufler, Kleinstunternehmer und Existenzgründer“ im Pasdocks beendet. Sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten im Pasdocks in der Lindenhofstraße in Gröpelingen die Kunst, die Geschichte des eigenen Unternehmens wertzuschätzen und spannend und authentisch zu erzählen.

„In der Gründungsgeschichte eines jeden Unternehmens steckt etwas ganz Persönliches“, sagt den Boestert. „Jeder Gründer ist dabei gewesen, jeder hat seine eigene Geschichte“. Daher stünden auch noch viele Werte dieser Geschichte in der Firma, so den Boestert. Wichtig sei diese Geschichte aber nicht nur für die eigene Entwicklung, sondern auch für das Marketing des Unternehmens. „Man kauft die Geschichte immer mit“, erklärt er und weist als Beispiel auf die Firma „Apple“ hin, die in einer kleinen Garage in Kalifornien ihren Anfang nahm und inzwischen weltweit operiert. „Die Menschen, die 'Apple'-Produkte kaufen, kaufen immer auch die Garage mit.“

Es sind seiner Meinung nach also nicht nur die Produkte oder die Dienstleistungen eines Unternehmens, die den Erfolg ausmachen können, sondern immer auch die Geschichte der Entstehung: „Und das ist auf lokaler Ebene oder speziell hier in der Lindenhofstraße noch stärker ausgeprägt“, ist er überzeugt. „Wenn es hier zum Beispiel einen Schneider gibt, der eine Geschichte hat, dann bekommt man diese Geschichte mit und die Leute erzählen sie weiter“.

Noch wichtiger als die eigene Geschichte erzählen zu können, sei es aber, eine Geschichte zu haben. Sie forme sich langsam – durch getroffene Entscheidungen, persönliche Erfahrungen, Gespräche mit Freunden, Partnern oder auch mit der Bank: „In der Entstehungsgeschichte steckt viel Potenzial, da man mit immer anderen Sichtweisen in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft blickt“, ist den Boestert überzeugt. „Nur ist es nicht immer allen bewusst, wie wertvoll die eigene Geschichte ist“.

Mit dem Workshop, den der Niederländer angeboten hat, wollte er erreichen, dass die Teilnehmer erkennen, welchen Wert für jeden Einzelnen die eigene Geschichte haben kann. Das habe funktioniert, sagt er. „Jeder Teilnehmer hat seine Geschichte erzählen können und ein Feedback, aber auch Hilfe zur Deutung der Geschichte erhalten“, sagt den Boestert. „Und da sind auch Hemmschwellen gesunken, da nicht jeder gewöhnt ist, vor einer Gruppe zu sprechen.“ Richtig schön haben es laut den Boestert am Ende dann auch die Teilnehmer gefunden. Einer von ihnen habe es besonders auf den Punkt gebracht: „Wir haben unsere Geschichten ausgetauscht und jetzt kennen wir uns“.

Die eigene Geschichte ausschließlich als Marketinginstrument zu nutzen, sei nicht zweckmäßig – vor allem ist die Authentizität wichtig: „Man sieht sofort bei Geschichten, ob sie authentisch sind oder nicht“, findet der Erzähltrainer. „Wenn die Geschichte zu einem Trick wird, um etwas zu verkaufen, funktioniert das nicht.“

Raymond den Boestert war „Erzähler des Jahres 2012“ und ist Leiter der größten Erzählakademie in den Niederlanden. Er sieht ein großes Potenzial auf diesem Feld: „Es gibt ein riesiges Bedürfnis der Leute, irgendwas mit Geschichten zu machen“, berichtet er. „Manche sind dann so begeistert, dass sie eine Ausbildung zum Geschichtenerzähler machen wollen“. Vier Jahre kann solch eine Ausbildung berufsbegleitend dauern, die Auszubildenden gehörten verschiedenen Berufen an. Manche arbeiteten im Marketing, in der Altenpflege, als Krankenschwester.

Das Erzählen von Geschichten sei für ihn ein regelrechtes Handwerk und die älteste Kommunikationsform überhaupt, da viele Menschen nicht lesen oder schreiben konnten, sagt den Boestert. „Vor 200 Jahren haben wir das meiste über das Geschichtenerzählen kommuniziert. Das Erzählen von Geschichten gehört einfach zum Mensch-Sein dazu“.

„Erzählen von Geschichten gehört einfach zum Mensch-Sein dazu.“ Raymond den Boestert
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