Neuer Pastor Thomas Ziaja

„Von Anfang an gut aufgenommen“

Erst seit September 2018 ist Thomas Ziaja in Oberneuland. Doch der Pastor fühlt sich schon jetzt pudelwohl in seiner neuen Gemeinde.
06.01.2019, 19:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
„Von Anfang an gut aufgenommen“

Fühlt sich wohl auf seinem neuen Posten: Pastor Thomas Ziaja kommt aus dem Saarland, doch Bremen ist für ihn alles andere als ein unbekanntes Pflaster.

PETRA STUBBE
Herr Ziaja, waren Sie als neuer Pastor in Oberneuland kurz vor Weihnachten aufgeregter als gewöhnlich?

Klar, da stieg der Adrenalinpegel schon etwas. An sich bin ich aber ein ziemlich unaufgeregter Mensch. Weihnachten bedeutet immer große Planung, und jedes Jahr bin ich verwundert, wie wir das nur alles wieder geschafft haben. Ich nehme mir die Zeit, die Adventszeit auch zu genießen mit Liedern und Gebeten, vor allem mit meiner Familie. Also: ganz entspannt.

Worin unterscheidet sich Ihre Arbeit in Oberneuland von Ihrer vorigen?

Ich war vorher in verschiedenen Gemeinden tätig. Zuletzt war ich in einer großen Stadtgemeinde im Saarland, die sich stark für Menschen am Rande der Gesellschaft engagiert. Insofern ist Oberneuland schon eine andere Gemeinde. Ich habe über die Jahre hinweg aber für mich festgestellt, dass Offenheit für die Menschen und ihre Geschichten wichtig ist. Darin gleichen sich dann viele Arbeitsfelder eines Pastors. In Oberneuland begegne ich Menschen, die interessiert und engagiert sind. Es landet nicht alles auf dem Tisch der Pastoren. Ich freue mich, wenn eine Gemeinde von vielen Menschen mit sehr verschiedenen Talenten getragen wird.

Haben Sie ein Steckenpferd mitgebracht, dem Sie sich in Ihrer Arbeit hier weiterhin widmen möchten?

Ich feiere gerne Gottesdienst. Mir ist daran gelegen, dass Menschen Ausdrucksformen für ihren Glauben finden. Darum versuche ich, Gottesdienste so zu feiern, dass Menschen sich innerlich und manchmal auch ganz direkt beteiligen können. In Oberneuland gibt es bereits eine gute Gottesdienstkultur. Da möchte ich gerne das Meine zur Fortentwicklung beitragen.

Wie markant sind die Fußabdrücke, die Ihr Vorgänger in der Gemeinde hinterlassen hat?

Hmm. Ich habe Schuhgröße 43, Michaels habe ich nie nachgemessen. In seinen 25 Jahren hat er diese Gemeinde geprägt. Besonders merke ich das an unserer Tabeastiftung. Über viele Jahre hat Pastor Michael Klingler vielfältige Kontakte aufgebaut und zahlreiche Menschen in ihrem Leben begleitet. Er hat vor allem Menschen gefunden, die die Arbeit unserer Gemeinde durch Spenden unterstützen. So ist es uns möglich, in der Jugendarbeit und in der diakonischen Betreuung von Menschen Stellen zu finanzieren. Das sind schon große Fußabdrücke, für die ich mit der ganzen Gemeinde sehr dankbar bin.

Setzten Sie Pastor Klinglers Angebot fort, dass Oberneulands Bürger nachts den Kirchturm per Anruf erleuchten lassen können?

Absolut alternativlos. Eine schöne Tradition.

Wie hat die Gemeinde Sie aufgenommen?

Das begann schon bei meinem Probegottesdienst im März. Ich habe die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen an der Kirchentür begrüßt und war erstaunt, dass immer mehr kamen. Da war dann irgendwann – so schien es – das ganze Dorf versammelt. Am 9. September wurde ich in meinem Einführungsgottesdienst in einer noch volleren Kirche empfangen. Es war schön zu sehen, mit welcher Neugierde die Menschen im Stadtteil sehen und hören wollten, wer in Zukunft in ihrer Kirche als Pastor arbeiten würde. Ich habe mich von Anfang an in Oberneuland gut aufgenommen gefühlt, mit viel Wohlwollen und Freundlichkeit.

Was zeichnet Ihre neue Gemeinde aus?

Wohlwollen und Freundlichkeit sind da wahrscheinlich schon die richtigen Stichworte. Dazu kommt eine interessiert-kritische Grundhaltung. Die Gemeinde ist gerne in Kontakt mit ihren beiden Pastoren. Die Menschen suchen das Gespräch als kurzen Schnack auf dem Friedhof genauso wie die theologische Diskussion nach der Predigt. Das finde ich inspirierend, herausfordernd und dabei menschlich sehr dicht.

Was muss Kirche heutzutage Ihrer Ansicht nach bieten, um für den Nachwuchs interessant zu sein?

Das Erste und Entscheidende ist, dass die Kirche ein offenes Ohr hat für all das, was Menschen in ihrem Leben bewegt. Das sind nicht immer zuerst die großen theologischen Fragen. Die Frage nach Jung und Alt ist dabei eher zweitrangig. Wenn ich beispielsweise Fragen von Jugendlichen ernst nehme, und ihnen von meinen Erfahrungen mit Gott und dem Leben erzähle, dann teilen wir etwas sehr Wertvolles miteinander. Daraus kann eine Beziehung zur Kirche und zu Gott entstehen. Jedes Mal, wenn das gelingt, ist die Kirche interessant für den Nachwuchs – dann ist sie zukunftsfähig und gut aufgestellt. Menschen kommen mit ihren Themen. Aufgabe der Kirche ist es, für diese Themen offen zu sein, ihnen Raum zu lassen und die Menschen ernst zu nehmen.

Ist die Kirchengemeinde diesbezüglich gut aufgestellt?

Klar: Ja. Sie hat eine aktive Jugendarbeit, ist in Kontakt mit den Menschen im Stadtteil und bietet Menschen die Chance, sich einzubringen.

Das Gespräch führte Maren Brandstätter.

Info

Zur Person

Thomas Ziaja (38)

hat bis zu seinem Abitur im Saarland gelebt. Nach dem Theologiestudium in Marburg und Mainz absolvierte er sein Vikariat im Saarland. Von 2009 bis 2012 war er Pastor in unterschiedlichen Gemeinden in Bremen, von 2012 bis 2018 abermals im Saarland. Seit September 2018 ist er Pastor in Oberneuland. Ziaja ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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