Gerold Wefer schildert die Bremer Erfolgsgeschichte

Von der Seefischerei zur Meeresforschung

Altstadt. „Alles, was jemals im Atlantischen Ozean erbohrt wurde, das lagert in Bremen“, sagt Gerold Wefer. Das andere Bohrkernmaterial befindet sich in den USA und Japan.
25.04.2016, 00:00
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Von Solveig Rixmann
Von der Seefischerei zur Meeresforschung

Gerold Wefer.

Solveig Rixmann

„Alles, was jemals im Atlantischen Ozean erbohrt wurde, das lagert in Bremen“, sagt Gerold Wefer. Das andere Bohrkernmaterial befindet sich in den USA und Japan. Das Bohrprogramm ist eine internationale Kooperation und führt dazu, dass Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Bremen kommen. Das am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) untergebrachte Bohrkernlager ist nicht das Einzige in Bremen, das in der Meeresforschung international von Bedeutung ist.

Gerold Wefer berichtete bei „Wissen um elf“ im Haus der Wissenschaft über die Entwicklung zum Wissenschaftsstandort für Meeresforschung, die mit der Ansiedelung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (Awi) begann. Meeresforschung, zusammen mit der Polarforschung, ist heute einer der Schwerpunkte im Land Bremen. Gerold Wefer hat die Entwicklung in der Bremer Meeresforschung miterlebt und mit geprägt. 1985 wurde er als Professor für Allgemeine Geologie mit dem Schwerpunkt Meeresgeologie an die Bremer Universität berufen. Er ist der Gründer und war bis 2012 der Direktor des DFG-Forschungszentrums/Exzellenzclusters Marum, außerdem ist er Vorstandsvorsitzender des Hauses der Wissenschaft.

Manche unterseeischen Gebirge seien größer als einige Berge im Himalaja, sagte Wefer in seinem Vortrag. Eine Erkenntnis der Meeresforschung. Und dass kein Hangrutsch für das Erdbeben in Japan im Jahr 2011 verantwortlich war, sondern dass ein Keil rausgepresst worden war, ist mithilfe eines Bremer Unterwasserroboters entdeckt worden. „Dazu braucht man auch Technologie“, sagte Gerold Wefer. „Und die stellen wir auch zur Verfügung – nicht nur für unsere Forschung, auch für andere.“

Im Land Bremen befassen sich heute die Universität und mehrere außeruniversitäre Institute mit Meeresforschung. Sie untersuchen unter anderem, wie Hafenbauten optimal angelegt werden, sie widmen sich dem Leben im etwa 2000 Meter tiefen Sediment, heißen Quellen, der Fischerei, der Zirkulation im Ozean, der Wechselwirkung mit der Atmosphäre und anderen Themen. „Wir sind im Grunde der 13. Fachbereich“, sagte Gerold Wefer über das Marum.

Das Institut arbeitet im Forschungsverbund mit dem Max-Planck-Institut für Marinen Mikrobiologie, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT), dem Awi Bremerhaven, der Internationale Jacobs University oder beispielsweise dem Senckenberg Institut eng zusammen. Die Kooperation werde durch das Bremer Modell begünstigt, das es seit 1980 gebe, betonte der Wissenschaftler. „Die Abteilungsleiter der meisten Institute haben zugleich eine Professur an der Uni.“

Die Keimzelle für die Meeresforschung im Land Bremen war das 1919 gegründete Institut für Seefischerei in Bremerhaven, das auf wissenschaftlichen Grundlagen angelegt war und vor allem der Unterstützung der Fischerei diente. 1938 wurde es in Institut für Fischverwertung umbenannt und befasste sich fortan mehr mit verarbeitenden Verfahren. „Dieses Institut wurde dann 1948 wieder neu gegründet als Institut für Meeresforschung“, sagte Gerold Wefer. Es spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung des Awi.

Das Awi wurde 1980 mit dem Ziel ins Leben gerufen, in die Gruppe von Staaten aufgenommen zu werden, die die Antarktis verwaltet. Denn das geht nur, wenn dort auch ganzjährig eine besetzte Forschungsstation unterhalten wird. „Die Länder konnten sich um die Ansiedlung bewerben“, sagte Gerold Wefer. Es sei eine politische Entscheidung der Regierung von Helmut Schmidt gewesen, das Awi im Land Bremen anzusiedeln, obwohl der Wissenschaftsrat Kiel bevorzugt habe.

Auch Gerold Wefers Bereich wurde eingerichtet. „Das hat auch gut funktioniert“, erinnert er sich. Zudem wurden eine Zusammenarbeit mit regionalen Wirtschaftsunternehmen und internationale Kooperationen angestrebt. Nach und nach siedelten sich dann Institute an.

1987 bezog das Awi das Institut für Meeresforschung mit ein. Das Marum wurde 1996 gegründet. „Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung in der Universität, auch mit dem Ziel, diese ganzen Aktivitäten, die wir in Bremen haben, dort zusammenzuführen.“ Es sei weniger ein neues Institut, sondern eher ein Dachverband, der die Tätigkeiten der einzelnen Institute abstimmt und Schwerpunkte setzt. Das ZMT kam 1991 hinzu.

Ein wichtiger Schritt sei auch die Gründung des Marum-Forschungszentrums Ozeanränder im Jahr 2000 gewesen, berichtete Gerold Wefer. Das ermögliche langfristige Planung und das Einstellen von neuem wissenschaftlichen Personal. 2007 wurde das Marum Exzellenzcluster – und durch diese Förderung zentrale Einrichtung für die Meeresforschung.

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