Vegane Produkte im Geschmacks-Test

Von "echt lecker" bis "Bauschaum"

Salami, Bärlauch-Käse, Frikadellen, Erdbeerjoghurt und Schokolade. Fünf Produkte – einmal in der „normalen“ Form, einmal in der veganen. Kann man den Unterschied am Geschmack feststellen?
12.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ralf Michel

Salami, Bärlauch-Käse, Frikadellen, Erdbeerjoghurt und Schokolade. Fünf Produkte in zwei Varianten – einmal in der „normalen“ Form, einmal in der veganen, also ohne Verwendung tierischer Produkte. Kann man den Unterschied am Geschmack unterscheiden? Und was schmeckt besser? Ein Oberstufenkurs mit angehenden Köchen am Schulzentrum Rübekamp hat mit einer Blindverkostung die Probe aufs Exempel gemacht.

„Eine leckere Alternative zu Käse – Kräuter mit Bärlauch, laktosefrei, ohne Gluten, ohne Soja“, steht auf der Verpackung. Und die Werbung der Marke gibt wirklich alles: „Von unserem erfahrenen Käsereimeister entwickelt“, heißt es. Und: Das Produkt wird„nach traditioneller Art und Weise mit viel Zeit und Ruhe“ hergestellt. Nutzt aber alles nichts, beim Kochnachwuchs fällt der Käse-Ersatz gnadenlos durch. Von der Farbe her könne der ja vielleicht noch eben so als Ziegenkäse durchgehen. „Aber geschmacklich geht der gar nicht“, lautet die einhellige Meinung im Kurs. Trocken, bröselig und von der Konsistenz her im Mund geradezu ekelig. „Wie Bauschaum“, sagt einer der Schüler.

Klares Votum beim Käse

Allerdings schneidet auch der normale Bärlauchkäse nicht besonders gut ab – „ziemlich flach, man schmeckt den Scheibenkäse aus dem Supermarkt raus, nicht lange gereift“. Trotzdem fällt das Votum eindeutig aus: Allen dreizehn Schülern schmeckt der aus Milch hergestellte Käse besser.

„Beide echt lecker“ lautet dagegen das Urteil beim Erdbeerjoghurt. Die vegane Sojavariante sei allerdings weniger süß. Was einem der Schüler sogar ein wenig zu weit geht: „Der ist fast geschmacksneutral.“ Einen klaren Pluspunkt für den veganen Joghurt hat Pascal Werder ausgemacht: „Wenn ich normalen Joghurt esse, habe ich immer so eine schleimige Konsistenz im Rachen, bei veganen Joghurts ist das nicht so.“ Insgesamt schmeckt drei Schülern der Sojajoghurt besser, zehn entscheiden sich für den herkömmlichen.

Einigkeit herrscht in der Runde, dass es beim Joghurt am schwersten ist, die beiden Produkte auseinanderzuhalten. Einer der angehenden Köche liegt beim Tipp, welcher der vegane und welcher der Kuhmilchjoghurt ist, sogar daneben. Aber dies bleibt bei der Blindverkostung die absolute Ausnahme. Bei allen anderen Proben erkennen jeweils alle Schüler allein am Geschmack, welches die veganen Produkte sind.

So auch bei den kleinen Fleischbällchen, die in der herkömmlichen Variante unter „Delikate Mini Frikadellen“ laufen (80 Prozent Schweinefleisch, Paniermehl, Zwiebeln), in der veganen dagegen als „Bällis provencal“ daherkommen – „mit fruchtig-feinen Tomaten, frischem Tofu und köstlichem provenzalischen Flair“ (36 Prozent Gemüse, Tomaten, Vollkornreis, Sojabohnen, Weizenmehl). „Man schmeckt viele Kerne raus und viele Gewürze“, sagt Christina Thran. „Und viel Getreide.“ Was einer ihrer Mitschüler als „staubtrocken“ kommentiert. Auch Anne Wollförster kann den veganen Bällchen nicht viel abgewinnen. „Die sind schon vom Geruch her nicht schön. Irgendwie künstlich.“

Zehn zu drei für die Fleisch-Variante lautet diesmal das Geschmacksurteil. Aber wie schon beim Käse gibt es auch hier nicht wirklich einen Gewinner. Es sind Köche, die probieren, da haben es Fertigprodukte schwer: „Eigentlich schmecken beide nicht.“

13 zu Null Richterstimmen gibt es für die Salami aus Fleisch. „Ziemlich überwürzt“, findet Christopher Schröder die vegane Variante. Anne Wollförster hält an dieser Stelle den Vergleich für wenig sinnvoll. „Die sind geschmacklich einfach zu weit auseinander. Wer Salami möchte, der sollte auch Salami essen. Das andere ist geräucherter Tofu mit Paprika, auch wenn auf der Packung ,Salami’ steht.“

Für Christina Thran ist dies ein Punkt, der sie in Sachen vegane Ernährung stört. „Warum isst ein Veganer etwas, dass wie Fleisch heißt? Für mich ist das ein Widerspruch in sich.“ Irina Bloch sieht das genauso: „Wenn man vegan leben will, kann man doch auf solche Produkte verzichten.“

Zum Abschluss ein Stück Schokolade. „Geschmacklich nicht so weit auseinander“, findet Tobias Hillmann die Vollmilchnuss und ihr auf Reismilchbasis produziertes veganes Pendant. Die Milchschokolade wird allgemein als weicher und sämiger empfunden, aber diesmal besteht die vegane Variante im Geschmackstest. Drei Stimmen für die Kuhmilch-Schokolade, zwei für die aus Reismilch, dem Rest der Klasse schmecken beide Varianten gleich gut.

Schokolade besteht im Test

Die abschließende Frage ihres Lehrers Ole Meine, wer sich vorstellen könnte, auf vegane Ernährung umzustellen, trifft trotzdem auf wenig Resonanz. Für Irina Bloch wäre zumindest ein Versuch denkbar. „Ich esse ohnehin nicht so viel Fleisch.“ Manche veganen Produkte würden schon recht lecker schmecken, sagt Christina Thran. „Aber auf Eier, Käse und Butter könnte ich nicht verzichten. Das wäre für mich ein echter Verlust an Lebensqualität.“ Vegetarier sei für sie schon eher vorstellbar.“ Nicht so für Tobias Hillmann. „Fleisch muss sein“, lautet sein ebenso kurzes wie klares Statement.

Letztlich stelle sich aber gerade für diese Berufsschulklasse die Frage nach einer Umstellung auf vegane Ernährung nicht, betont Anne Wollförster: „Wie soll das gehen? Wir sind Köche! Wenn ich nur vegan esse, wie soll ich dann an meinem Arbeitsplatz Sachen abschmecken, die nicht vegan sind?“

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