63 Werkstätten, Läden und Ateliers zogen am Wochenende Neugierige in Scharen an Von einem Hingucker zum nächsten

Eine große Fülle künstlerischer und kunsthandwerlicher Exponate war am Wochenende bei "Kunstwerk im Viertel" zu sehen. 63 Ateliers, Läden und Werkstätten öffneten am Sonnabend und Sonntag ihre Türen für die vielen Besucher, die den freien Zugang sichtlich genossen.
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Von Christiane Tietjen

Eine große Fülle künstlerischer und kunsthandwerlicher Exponate war am Wochenende bei "Kunstwerk im Viertel" zu sehen. 63 Ateliers, Läden und Werkstätten öffneten am Sonnabend und Sonntag ihre Türen für die vielen Besucher, die den freien Zugang sichtlich genossen.

Mitte·Östliche Vorstadt. Seine Kunst stehe auf drei Beinen, sagt Peter Obermeier: Holz, Bilder und Fotografie. Seit acht Jahren arbeitet der auf Föhr geborene und in Ostholstein aufgewachsene Künstler in der Ateliergemeinschaft Fehrfeld. Seine geschnitzten Galionsfiguren aus der Serie "Else 1 - 4" scheinen den Raum zu bewachen. Auch an anderen Skulpturen aus Holz wie dem Überseekoffer und einer Art Kurbelwelle kann man seine Nähe zum Norden und zur Seefahrt erkennen. Das "Karatekissen" mit dem Knick in der Mitte hat eher einen humorvollen Touch.

In seiner Malerei faszinieren die gut beobachteten Details, die stimmigen Farben und die atmosphärische Umsetzung wie bei den Bildern "Sielwall im Oktober", erst kürzlich gemalt, und "Der helle Pott bei Blohm und Voss" mit seinen Rosttönen. Auch in seiner Fotografie hat sich Obermeier dem Norden und seinen maritimen Motiven verschrieben. Dieses Verwurzeltsein ist für ihn ein besonderer Wert, den es zu erhalten gilt, und deshalb macht er ein besonderes Angebot: Wer einen abgestorbenen Baum in seinem Garten hat, kann ihn dort stehen und von Obermeier in eine Skulptur verwandeln lassen. Kontakt: Peter Obermeier, Albrecht-Dürer-Straße 11 a, Telefon 0170/9672738, E-Mail-Adresse: peter.obermeier@gmx.de

Moderne und Tradition

Gleich nebenan stellte der Architekt Jan Hülsemann aus, der sich im Atelier mit Holzbildhauerei, Aquarellmalerei und Holzschnitten befasst. Ihm ist es ein Anliegen, "moderne Formen mit traditionellen Mitteln herzustellen". So zu bauen, dass die Schönheit und Dauerhaftigkeit der alten Handwerkskunst erhalten bleibt, wie bei dem Landschloss in Rumänien, dessen Längsachse er wiederbelebt hat. Seit 15 Jahren lebt der gebürtige Hamburger mit Frau und Kind in Bremen. In regelmäßigen Abständen führt ihn seine Tätigkeit beim Entwicklungsdienst nach Siebenbürgen.

"In Ehren ergraut" nennt er eine Reihe von Spiegeln, bei denen er verwittertes Holz mit abgeblätteterten Anstrichen, Fundstücke aus Fachwerkhäusern verwendet hat. Auch seine innenarchitektonischen Werke haben eine klare und kraftvolle Sprache, wie bei der Alpha- und Omegaform, die er zu einem Tisch und einem Regal verarbeitet hat. Kontakt: 80920023 und jhuelsemann@gmail.com.

Gut sichtbar in einer Vitrine hat Dorothea Muszynski ihre neue Schmuckkollektion ausgestellt. "Die Stücke sind nicht eindimensional", macht sie ihr gestalterisches Konzept deutlich. "Bei mir gibt es zum Beispiel keine perfekt kreisrunden Formen, und nichts nur zurückhaltend Gefälliges." Traubenförmig treten hellblaue Glasperlen aus einer schlichten Broschenfassung, die Glieder einer Kette sind groß, länglich und etwas sperrig, und gerade deswegen ein Hingucker. Neben ihrem Studium der Bildhauerei an der Bremer Hochschule für Künste hat die gebürtige Potsdamerin schon immer Schmuck entworfen und gefertigt, seit 13 Jahren hat sie sich ausschließlich darauf spezialisiert. Bereitwillig zeigt und erklärt sie ihre Ideen und Vorlieben: verspielte, auswechselbare Stecker für Ohrringe, oder die Gestaltung mit Zuchtperlen, deren mattrosa Farbe und "sinnlich-pralle Ausstrahlung" sie liebt.

In ihrem Laden am Steinernen Kreuz hat sie zur Zeit Stefanie Deiter mit Taschen aus recycelten Theaterkostümen zu Gast. Jedes der handgefertigten Unikate, die die gelernte Kostümbildnerin aus abgelegter Kleidung unter anderem aus dem Fundus des Bremer Theaters zusammengestellt hat, erzählt eine kleine Geschichte. Welch spannende Vorstellung, einen Othello oder eine Madame Butterfly am Arm zu tragen! Das Atelier Dorothea Muszynski, Beim Steinernen Kreuz 15 Telefon 4309300, ist von Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonnabends bis 14 Uhr.

Schon an der Hausfassade in der Alexanderstraße 23, an den schwarzweißen, Tango tanzenden Pärchen, ist Ana Mayas Malstil zu erkennen. Sie ist in bewegter Manier ganz auf figürliche und Porträtmalerei konzentriert. Einmal in der Woche malt die pensionierte Kunsterzieherin mit vier befreundeten Künstlern im ersten Stock ihres Hauses nach Modell. "Mich interessiert der besondere Ausdruck der Person in Mimik und Gestik, die Farben seiner Kleidung, sein Charakter", erklärt sie. "Wie etwa bei dem Bild von Indira, die das erste Mal porträtiert wurde und etwas Unsicheres in ihrem Blick hatte."

Ana Mayas Lebenslauf ist so bunt wie ihre Bilder. Während des Studiums malte und skizzierte sie bei Probenarbeiten der Shakespeare Company. Sie hat ein Jahr in Guatemala gelebt und gearbeitet. Nach Bremen zurückgekehrt, widmete sie sich 20 Jahre intensiv dem Tangotanz, was sich auch in ihren Bildern widerspiegelte. Ihre neueren Arbeiten sind durch fröhliche Farben – auch in den Konturen – gekennzeichnet, und eine markante Lebhaftigkeit des Pinselstrichs, ähnlich dem frühen Expressionismus. Kontakt unter Telefon 76150, Email: anamaya.brem@yahoo.de.

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