Kunsthandwerk und gastronomische Betriebe eröffnen im Viertel und in der Innenstadt Von Glasbläserinnen und Biergläsern

Altstadt/Steintor. Rund um den Ziegenmarkt gibt es jetzt noch mehr Gastronomie. Und auch der Handwerkerhof in der Böttcherstraße bekommt Zuwachs: Mehrere Neueröffnungen mit innovativen Konzepten sollen das Viertel und Innenstadt bereichern.
14.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Altstadt/Steintor. Rund um den Ziegenmarkt gibt es jetzt noch mehr Gastronomie. Und auch der Handwerkerhof in der Böttcherstraße bekommt Zuwachs: Mehrere Neueröffnungen mit innovativen Konzepten sollen das Viertel und Innenstadt bereichern.

Ein ganz besonders schöner Standort ist der denkmalgeschützte Handwerkerhof in der Böttcherstraße, wo zwei Kunsthandwerkerinnen jetzt gemeinsame Sache machen. Irene Borgardt ist Glasbläserin und hat eine Werkstatt in der Neustadt. Sie wird ihr Können aber nun auch im Handwerkerhof zeigen. „Immer mit etwas Besonderem, immer etwas speziell“, so beschreibt sie ihre Produkte.

Irene Borgardt hat nicht nur Gebrauchsgläser und Ziergegenstände wie Ostereier oder Sterne, sondern fertigt auch Glas nach Wunsch an. Und auch Schmuck gestaltet die Glasbläserin. „Ich habe jetzt eine Serie, wo ich in Glaskugeln etwas einfülle, das ­können auch persönliche Dinge sein“, sagt sie. „So entstehen zum Beispiel Collier­ketten oder Armbänder. Ich versuche, etwas zu ­machen, was vorher noch nicht da war.“

Die Glasgraveurin Angela Dödtmann hat ebenfalls eine eigene Werkstatt und wechselt sich mit Irene Borgardt im Handwerkerhof ab. Mit Stein- und Diamanträdern gestaltet sie Schriften, Familienwappen und andere persönliche Motive auf Glas: „Das eigene Haus, die Segeljacht, Hochzeiten oder Jubiläen, alles wird frei Hand gearbeitet“, betont sie.

Die beiden Profis waren bereits früher ein Team. „Wir ergänzen uns gut“, sagt Angela Dödtmann, und Irene Borgardt findet: „Die Böttcherstraße ist eine gute Adresse. Für uns ist das ein spannender Schritt, in die Innenstadt zu gehen.“ Geöffnet ist von Dienstag bis Sonnabend von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Mit „Bünte‘s Biercafé“ startete auf dem Ziegenmarkt nach langer Umbauzeit eine neue Lokalität im Herzen des Steintor­viertels. Die zuvor in dem Eckhaus beheimatete Georg-Büchner-Buchhandlung ist bereits im vergangenen Jahr eine Tür weiter gezogen. Nun gibt es in dem Haus Vor dem Steintor 56 Gastronomie auf zwei Etagen.

Bereits 1872 habe es an dieser Stelle eine Lokalität namens „Bünte“ gegeben, wissen die jetzigen Inhaber Stephanie und Dennis Riethmöller zu berichten: „Der Hauseigentümer hat beim Aufräumen noch alte Bier- und Weinflaschen aus der Zeit gefunden, daraufhin hat er im Staatsarchiv ein wenig geforscht“, erzählt Stephanie Riethmöller, die mit ihrem Mann seit zehn Jahren in der Kaffee- und Frühstücksbranche arbeitet und bis vor Kurzem ein Café im Roland-Center betrieben hat. „Und dann wäre es ja unsinnig, einen anderen Namen zu wählen, und außerdem ist es ja auch gerade in, Altes neu zu beleben.“ Klassiker wie Schnitzel, Flammkuchen und Gerichte vom Schwein, Huhn oder Rind stehen auf der Speisekarte, es gibt aber auch Fisch, Pizza oder Currywurst. Mit „Bünte‘s Pils“ und dem obergärigen ­„Bünte‘s Original“ hat das Biercafé sogar zwei ­eigene Biere im Angebot. Zehn Fassbiersorten, unter anderem aus Italien, Belgien und mit dem „Brooklyn Lager“ sogar aus den USA, stehen auf der Karte und Flaschenbiere aus Japan oder Mexiko. „Unser Geschäft wird bereits jetzt wirklich sehr gut angenommen und der Standort ist wirklich superschön“, sagt Stephanie Riethmöller.

Gegrillte Angus-Beef-Burger, Onion-Rings und Flat-Top Hot Dogs stehen bei „Zoom Burger“, Vor dem Steintor 55, auf der Speisekarte. Geschäftsführer ist Muhammad Saiad Ashraf. „Bei uns gibt es mit Ausnahme der Pommes keine Tiefkühlware, und unser Fleisch vom Angus-Rind beziehen wir aus Österreich und den Niederlanden“, sagt er. Auch Limonaden, Eistee und Shakes werden bei „Zoom Burger“ selbst hergestellt. „Der Laden läuft gut an“, sagt Jutta Eiting, die Frau des Geschäftsführers. „Einen Laden im Viertel zu eröffnen, war für meinen Mann immer ein Traum.“ Sechs Wochen lang habe er eigenhändig das Geschäft gestaltet, „und fürs Erste hat es sich gelohnt“. Die an die Helenenstraße grenzende Wand wird noch zur Hälfte mit Holz verkleidet, um sie für das Bekleben mit Plakaten zu präparieren: „Das ist hier Teil der Kultur, und diese Kultur möchte ich nicht zerstören.“

Etwas Neues aufgebaut hat auch Ali Makanzi, der vorher bereits das „Starfood“ betrieben hat und nun mit dem „Habibi“ (deutsch: Mein Schatz) an gleicher Stelle Vor dem Steintor 39 ganz auf arabische Küche setzt. Orientalisches, syrisches und arabisches Essen gibt es im „Habibi“, und außer Brot, Mayonnaise und Ketchup sei bei ihm alles hausgemacht: „90 Prozent der Soßen sind selbst gemacht“, sagt Ali Makanzi, „und es gibt Falafel, Burger auf arabische Art, Salat und auch Shawarma.“ Und mit seinem Shawarma, einem speziell zubereiteten und gewürzten Fleisch, sei er der erste Laden im Viertel, betont Makanzi. Seit dem Jahr 2000 ist Ali Makanzi im Geschäft. „Starfood“ war ein Laden mit türkischen Spezialitäten: „Doch das gibt es hier im Viertel schon genug, also: neuer Laden, neuer Start.“

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