Deichschau Osterstader Marsch

Vorbereitungen für den Endspurt

Bei der Deichschau in der Osterstader Marsch nimmt die Kommission auch Baustellen in Augenschein. In Rade wird der Deichverteidigungsweg erneuert, der Deichausbau bis Neuenkirchen wird vorbereitet.
24.04.2018, 16:31
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Von Gabriela Keller
Vorbereitungen für den Endspurt

In Rade informiert sich die Schaukommission über die Fortschritte beim Bau des Deichverteidigungsweges.

Christian Kosak

Aschwarden. "Bis Steller Bruch sind wir mit dem Deichausbau durch. Jetzt bereiten wir die Erhöhung auf dem letzten Stück bis zur Bremer Landesgrenze in Neuenkirchen vor", sagt Thomas Ströer vom Deichverband Osterstader Marsch. Das Baumaterial zur Aufstockung der restlichen 3,5 Kilometer Schutzwall liegt schon vor Ort. Aus der Pütte Liener Kuhsand bei Neuenkirchen ist Kleie an den Deich gefahren worden.

Bei der gemeinsamen Weserdeichschau der Landkreise Osterholz und Cuxhaven konnte sich die Schaukommission am Dienstag ein Bild machen, wie es vorangeht auf der insgesamt 29,5 Kilometer langen Deichlinie in der Osterstader Marsch zwischen der Luneplate in Bremerhaven und der Landesgrenze in Bremen. Der größte Teil gehört zum Landkreis Cuxhaven, 8,5 Kilometer liegen im Süden im Kreis Osterholz auf dem Gebiet der Gemeinde Schwanewede.

Dort, an der Aschwardener Mühle, machte sich die Schaukommission in zwei Gruppen auf zum Kontrollgang über den Deich. "Im Frühjahr geht es darum, zu schauen, wie der Deich durch die Sturmflutsaison und über den Winter gekommen ist", erklärt Verbandsgeschäftsführer Thomas Ströer. Die Sturmflut im vergangenen Oktober spülte nach seinen Worten auf der gesamten Deichlinie 98 000 Kubikmeter Treibsel an. Das Gröbste sei inzwischen beseitigt. Geblieben sind schwarze Stellen im Deichgrün, dort, wo das Treibsel über Monate lag. "Hier werden wir jetzt nachsäen, damit die Grasnarbe zum Herbst wieder geschlossen ist." Für die Entsorgung des angespülten Treibgutes im Südabschnitt konnte der Deichverband den neuen Treibselräumweg zwischen Aschwarden und Rade nutzen. "Den haben wir im vergangenen Jahr bis Steller Bruch fertiggestellt", erklärt Ströer. Das letzte Stück folgt mit dem Deichausbau bis Neuenkirchen.

In Rade wird in diesem Jahr die Erneuerung des Deichverteidigungsweges fortgesetzt. Der erste Bauabschnitt – rund 300 Meter von der Überfahrt zur Insel Harriersand in Richtung Norden – ist fast fertig. In fünf bis acht Wochen will der Deichverband die Arbeiten abschließen. Dann soll es nach Süden hin weitergehen. In einem zweiten Abschnitt werden weitere 800 Meter Weg erneuert. "Der Auftrag ist erteilt, in Kürze fangen wir mit den Bauarbeiten an", so Ströer. Mangelnde Tragfähigkeit sei das Problem beim alten Weg. Der neue werde mit drei Metern etwas breiter und so aufgebaut, dass er Belastungen durch schwere Fahrzeuge standhalte. Zur Herbstdeichschau, so sieht es die Terminplanung des Deichverbandes vor, soll der zweite Wegabschnitt in Rade fertig sein.

Seit 2004 wird am Schutzdamm zwischen Bremerhaven und der Landesgrenze zu Bremen gebaut. Um durchschnittlich 1,50 Meter wächst der Deich in die Höhe. Von den 8,5 Kilometern im Südabschnitt sind bereits fünf bis Rade aufgestockt. Die Lücke auf den restlichen 3,5 Kilometern will der Deichverband von Neuenkirchen aus schließen. "In diesem Jahr werden wir erste vorbereitende Maßnahmen treffen. 2021, spätestens 2022, hoffen wir mit dem Deichausbau bis Neuenkirchen fertig zu sein", blickt Ströer voraus. Rund 80 Millionen Euro werden nach seinen Angaben bis dahin auf der gesamten Deichlinie verbaut sein.

Und es stehen weitere Investionen an. Der Wolf macht dem Verband Sorgen. Zwei Deichschäfereien gibt es in der Osterstader Marsch, in Wersebe und in Dreptersiel bei Sandstedt. Die Wollknäuel auf dem Deich sind ein gefundenes Fressen für den Wolf. "Es gab erste Risse, in zwei Fällen war es nachweislich der Wolf", so Ströer. "Als erster Deichverband in Niedersachsen starten wir jetzt ein Pilotprojekt", kündigt er an. Mobile Elektrozäune sollen die Schafe auf dem Deich schützen, auch die Zäune am Deichverteidigungsweg will der Verband unter Strom setzen.

400 000 Euro sind dafür veranschlagt, ein Förderantrag beim Land Niedersachsen ist gestellt. "Wir sind seit zwei Jahren im Gespräch mit dem Umweltministerium. Das Land will dem Verband helfen", sagt Thomas Ströer. Das wäre ein Novum. Denn: "Bislang können nur Schafhalter direkt gefördert werden." In den Gesprächen sei dem Deichverband eine 100 Prozent-Förderung in Aussicht gestellt worden.Ströer: "Wir warten täglich auf den Zuwendungsbescheid."

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