Nahversorgung in der Überseestadt

Vorbereitungen für Supermarkt laufen

Die Überseestadt braucht einen Supermarkt . Ein Grundstück auf dem Gelände des Großmarktes ist gefunden, nun werden formal die Weichen gestellt. In rund zwei Jahren könnte dann gebaut werden.
18.01.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Sehnsüchtig warten Bewohner und Beschäftigte in der Überseestadt schon seit Jahren auf bessere Einkaufsmöglichkeiten, sprich: Auf einen Supermarkt. Jetzt ist endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Denn das Bauressort bereitet ein Bebauungsplanverfahren für eine Fläche auf dem Gelände des Großmarktes vor, damit dort ein Supermarkt gebaut werden kann. Dieser formale Schritt ist notwendig, da das Gebiet im Flächennutzungsplan noch als „Sondergebiet Großmarkt“ ausgewiesen ist. „Ein Supermarkt hätte aber mit einem Großmarkt nichts mehr zu tun“, sagt Stadtplaner René Kotte, der nun im Auftrag der Stadt die entsprechenden Weichen für eine Supermarkt-Ansiedelung stellt und zu einer Einwohnerversammlung ins Ortsamt eingeladen hatte.

Konkret geht es bei den Planungen um eine Fläche unmittelbar an der Ecke Konsul-Smidt-Straße/Marcuskaje, die eingezäunt ist und bislang als Lkw-Parkplatz genutzt wird. Täglich beziehungsweise nachts stehen dort rund 20 Fahrzeuge, für die es dann laut Großmarkt-Prokurist Uwe Kluge Parkmöglichkeiten auf dem Gelände des Großmarktes geben wird. In diesem Jahr soll außerdem an der Eduard-Suling-Straße eine weitere Zufahrt zum Großmarktgelände geschaffen werden, wodurch sich das Verkehrsaufkommen für die Anwohner an der Konsul-Smidt-Straße verringern dürfte. Für den neuen Supermarkt ist Kotte und Kluge zufolge eine enge Zusammenarbeit mit dem Großmarkt angedacht.

Denkbar wären demnach neben dem Supermarktsortiment zusätzliche Läden oder Stände zum Beispiel mit Blumen, Fisch, Feinkost oder auch kleine gastronomische Angebote. Hierzu gebe bereits Gespräche mit verschiedenen Händlern, so Uwe Kluge: „Das Interesse ist so groß, dass wir im Prinzip das Angebot des Vollsortimenters schon jetzt abrunden können. Ich habe mehr Interessenten als Fläche.“ In der ferneren Zukunft sei außerdem auch denkbar, dass auf dem Supermarkt-Vorplatz Marktstände aufgebaut werden könnten.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings: Bis der neue Supermarkt eröffnet, wird es noch einige Zeit dauern. Denn nach dem Bebauungsplanverfahren soll es einen Architektenwettbewerb geben. Im Anschluss daran muss dann noch die Baugenehmigung erteilt werden, bevor tatsächlich die Bagger anrollen können. Kluge: „Ich gehe von zwei Jahren Minimum aus.“

Bereits vor zwei Jahren war ein Einzelhandelskonzept für die Überseestadt vorgestellt worden. Der in diesem Zuge beauftragte Gutachter hatte bereits damals Kapazitäten für einen großen Supermarkt in dem Areal gesehen. „Wir haben schon damals das Konzept begrüßt. Das ist jetzt aber fast zwei Jahre her und es ist noch nichts passiert“, wunder sich vor diesem Hintergrund nun der Waller Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD) und schickte bei der Einwohnersammlung einen Appell an die Verantwortlichen hinterher: „Meine Bitte an die Baubehörde ist, da dringend etwas zu machen. Die Bevölkerung in dem Gebiet wächst. Und: Wir brauchen dort auch dringend ein Ärztehaus.“

Bei dem geplanten Neubau handele es sich nun einmal nicht um „Architektur von der Stange“, erklärt René Kotte die lange Planungsdauer. Vielmehr solle der Neubau in städtebaulicher Hinsicht gehobenen Ansprüchen genügen, da er genau an der wichtigen Verbindungsachse vom Waller Stieg zum Europahafen entstehe. Aus diesem Grund sei der Vorplatz auch als möglicher Marktplatz ins Auge gefasst worden. „Wir haben gewisse Ansprüche. Das Gebäude soll schon etwas Besonderes werden“, sagt auch Uwe Kluge.

So sei im vergangenen Sommer zunächst eine Machbarkeitsstudie gemacht worden. „Jetzt sind die städtebaulichen Anforderungen klarer definiert.“ Angedacht sind demnach zwei mehrgeschossige Gebäuderiegel parallel zur Marcuskaje. In den oberen Stockwerken sollen Büros eingerichtet werden, möglich wären dort tatsächlich auch Arztpraxen. Es werde außerdem geprüft, ob dort auch gewohnt werden könnte, so René Kotte: „Dafür muss aber noch die Schallsituation analysiert werden.“

Höhenmäßig soll sich der neue Gebäudekomplex an bereits vorhandenen Immobilien wie den Mehrfamilienhäusern Marcuskaje und Hafenpassage orientieren, Details zur Architektur stehen aber noch nicht fest. Klar ist allerdings schon jetzt, dass es einmal eine Tiefgarage mit rund 170 Plätzen geben soll, die von der Konsul-Smidt-Straße aus angefahren werden kann. „Das klingt erst mal viel, reicht aber vermutlich nicht aus, wenn man bedenkt, dass oben im Gebäude Büros sind“, sagt Kotte. Deshalb würden weitere Stellplätze auf dem Großmarktgelände ausgewiesen.

Ausdrücklich soll mit dem neuen Supermarkt nicht den Waller Nahversorgern oder auch dem dem Walle-Center das Wasser abgegraben werden, unterstreicht René Kotte. Eine „Strahlkraft über die Überseestadt hinaus“ sei deshalb ausdrücklich nicht erwünscht. Welcher konkrete Anbieter dann eines Tages einziehen wird, das ist momentan noch nicht klar. Er habe mit verschiedenen Vollsortimentern gesprochen, sagt Kluge: „Die sind alle heiß wie Frittenfett. Denn das Gebiet hat sich entwickelt und mit den neuen Bewohnern sind die Perspektiven für die Anbieter besser geworden.“

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