Puppenbühne feiert zehnjähriges Bestehen

Vorhang auf - die Polizei spielt

Bremen. Am Donnerstag begeht die Puppenbühne der Bremer Polizei ihr zehnjähriges Bestehen. Reichte früher noch eine Garage aus, um Kindern die Stücke zum Thema Verkehrssicherheit vorzuführen, ist dafür heute regelmäßig eine Turnhalle nötig.
19.03.2014, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Myriam Apke
Vorhang auf - die Polizei spielt

Puppentheater Polizei

Christina Kuhaupt

Am Donnerstag feiert die Puppenbühne der Bremer Polizei ihr zehnjähriges Bestehen. Reichte früher noch eine Garage aus, um Kindern die Stücke zum Thema Verkehrssicherheit vorzuführen, ist dafür heute regelmäßig eine Turnhalle nötig. Die Puppenspieler kommen immer dienstags in Bremer Grundschulen.

Wenn Alfred Faust zur Puppe greift, blendet er das Erwachsensein aus. Dann wirkt er kindlich und verspielt, bleibt aber dennoch vor allem Polizist. Seit zehn Jahren spielt der Beamte nebenamtlich bei der Puppenbühne der Polizei mit. So lange schon gibt es die Bühne, die heute ihr Bestehen feiert und von Innensenator Ullrich Mäurer gewürdigt wird.

„Wir wollen Kinder über die Gefahren des Straßenverkehrs aufklären und ihr Verantwortungsbewusstsein schulen“, sagt Faust, der die Puppenbühne seit 2007 leitet. Die Puppenspiele würden nicht zur Unterhaltung gezeigt, betont er. „Wir machen Lehrstücke und leisten damit wichtige Präventionsarbeit.“

Erst- und Zweitklässler als Publikum

In den Jahren um 2000 sei in Bremen die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Kinder beteiligt waren, auf rund 250 jährlich gestiegen. Deshalb habe die Polizei überlegt, wie Kinder angesprochen und aufgeklärt werden könnten, erinnert sich Faust. Ende 2003 wurde eine Puppenbühne angeschafft, und Anfang 2004 begannen die Proben. Drei Beamte spielten damals das Stück „Das gestohlene Spielstraßenschild“– zunächst in einer Garage. „Die Anfänge waren kläglich, denn wir hatten nicht viel Platz, und die Kinder saßen auf Teppichen vor der Bühne.“ Inzwischen sind aus drei Puppenführern zehn geworden, darunter fünf Beamte und fünf ehrenamtliche Spieler. Alfred Faust: „2007 hatte ich die Idee, freiwillige Mitspieler zu suchen, denn die Puppenbühne bedeutet viel Arbeit.“

Die Truppe spielt ihre Stücke in 84 Bremer Grundschulen. Jeden Dienstagmorgen fahren die Ensemblemitglieder mitsamt ihrer Bühne in eine Schule und treten zweimal vormittags vor Erst- und Zweitklässlern auf. Bis zu 140 Kinder erfahren dann zum Beispiel, wie sie sich beim Überqueren von Straßen richtig verhalten: „Will ich über die Straße gehen, bleib’ ich vor dem Haltstein stehen und muss zu beiden Seiten sehen“– so lautet der Sprechreim, der bisher in jedem Puppenspiel vorkommt und den Kindern im Kopf bleiben soll. Mit der Puppenbühne und weiteren Maßnahmen sei es gelungen, die Zahl der Unfälle, an denen Kinder beteiligt sind, auf 85 pro Jahr zu reduzieren, sagt Faust.

Damit das Puppenspiel gelingt und Wirkung zeigt, setzen sich die Spieler nach ihren Auftritten zusammen und überlegen, was sie noch verbessern könnten. „Wir arbeiten mit vielen Requisiten, die wir selber machen. Dadurch wird alles sehr lebendig“, erzählt Wulfhard Wollersen, der als ehrenamtlicher Spieler mit dabei ist. „Ich muss meine Puppe immer angucken und stets eine gute Arm- und Standhaltung haben. Das ist ganz schön anstrengend.“ Jeder Spieler hat mindestens zwei Figuren, deren Rollen er beherrscht. Wenn Wollersen die Ratte darstellt, krächzt er laut und schreit. Spielt er ein kleines Mädchen, wird seine Stimme zart. „Ich sehe eine Puppe, verliebe mich in sie und gebe ihr eine Identität. Dadurch erreiche ich die Kinder.“ .

Obwohl es eine große Nachfrage der Grundschulen gibt, war es im vergangenen Jahr zeitweilig unsicher, ob die Polizeipuppenbühne weiter existieren kann: „Es fehlt einfach an Personal, das für die Arbeit abgestellt werden kann. Aber es wurde entschieden, dass die Bühne bleibt“, berichtet Alfred Faust. „Wenn ich die Kinder fröhlich sehe und merke, wie sie während der Vorstellung mit uns agieren, dann lohnt sich die Arbeit.“ Auch in Zeiten von Computerspielen und Fernsehen könne man die Kinder mit dem Puppenspiel erreichen.

Kurzsichtiger Pinguin

Derzeit laufen die Vorbereitungen für das neue Stück „Durchgeblickt“. Dabei geht es um die Frage: Wie gut kann ich im Straßenverkehr sehen und wahrnehmen? Christin Loroff spielt in dem Stück den Pinguin Eddy, der aus dem Zoo kommt und merkt, dass er kurzsichtig ist. „Eddy bekommt dann ein Brillengestell für seinen Schnabel und versteht, dass er dadurch auch ganz weit entfernte Autos sieht“, erklärt Loroff. Sie gehört seit Februar zum Ensemble und ist gerade dabei, sich in ihre Figur hineinzuversetzen: „Ich habe bisher vor dem Spiegel geübt und will Eddy jetzt einen Charakter geben“, sagt die Beamtin. Nach der heutigen Feier wird das Ensemble intensiv für das neue Stück proben.

Der erste Auftritt mit dem neuen Stück ist am 28. März in der Verkehrsschule an der Wilhelm-Leuschner-Straße 27. Kindergruppen können sich bis 25. März unter lvw-bremen@t-online.de anmelden. Die Vorstellungen sind gratis. Außerdem sucht die Puppenbühne der Polizei Bremen nach weiteren ehrenamtlichen Spielern. Interessierte können sich bei Alfred Faust unter Telefon 36 21 48 94 oder unter 0152-22 96 96 81 melden.

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