Über die Geschichte

Vorläufiger Abschlussbericht zur Bremer Galopprennbahn

Ende März fand das letzte Rennen auf der Bremer Galopprennbahn statt. Nun hat Frank Lenk aus dem Vorstand des Vereins ein Buch über dessen Geschichte veröffentlicht. Er hofft, dass diese Geschichte weitergeht.
25.11.2018, 20:12
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Vorläufiger Abschlussbericht zur Bremer Galopprennbahn
Von Jonas Mielke
Vorläufiger Abschlussbericht zur Bremer Galopprennbahn

Ende März fand das letzte Rennen auf der Bremer Galopprennbahn statt.

Christina Kuhaupt

Frank Lenk funktioniert, als er sich am 30. März in sein Auto setzt. Es ist ein grauer Tag, um 8.15 Uhr fährt Lenk von Ganderkesee nach Bremen-Vahr, das Thermometer klettert nicht höher als drei Grad. Es ist der letzte Renntag auf der Galopprennbahn Bremen, Lenk sitzt im Vorstand und ist deren Sprecher. „Mein Pragmatismus schob die Emotionen einfach beiseite“, sagt Lenk.

Nun hat Lenk ein Buch herausgebracht, neun Monate hat er daran gearbeitet: „Die Galopprennbahn Bremen“. „Es ist eine Mischung aus Geschichte und Geschichten“, sagt Lenk. 2014 stieß er dazu, erst als Berater – dann im Vorstand. „Das war eine meiner besten Entscheidungen“, sagt Lenk. „Ich habe einfach tolle Menschen kennengelernt.“

Vorher hatte Lenk keinen Bezug zum Pferdesport, 25 Jahre lang war er Sprecher der Bremischen Handwerkskammer und gründete eine Kommunikationsagentur. Er hätte nie gedacht, dass er sich einmal der Galopprennbahn in der Vahr so verbunden fühlen würde. Überzeugt hatte ihn die Präsidentin des Bremer Rennvereins, Tonya Rogge. „Ich habe nie auf Ehrenämter gedrängt“, sagt Lenk. „Aber sie hat sehr kompetent und sympathisch für die Sache geworben, das war sehr überzeugend.“

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Am Galoppsport in Bremen fasziniert Lenk die Ausstrahlung, die Vielfalt der Menschen, die im Austausch waren an der Rennbahn. „Viele denken, da gehe es elitär zu“, sagt Lenk. „Stimmt nicht. Es war immer alles offen, jeder konnte mit jedem sprechen.“ Nur das Wetten wurde nie seine Leidenschaft. „Ich habe zwei Mal gesetzt, zehn Euro vielleicht“, sagt Lenk. „Einmal wurde das Pferd Erster, einmal Letzter.“

Interview Frank Lenk

Neun Monate hat Frank Lenk daran gearbeitet: Nun bringt er das Buch mit dem Titel „Die Galopprennbahn Bremen – Das Ende einer Ära?“ heraus.

Foto: Christina Kuhaupt

Geschichte und Geschichten

Einige seiner Erinnerungen hat er nun aufgeschrieben, doch neben weiteren Autoren kommen in seinem Buch auch die zu Wort, die ebenfalls viel mit der Galopprennbahn in der Vahr verbinden. Werder-Profi Claudio Pizarro erinnert sich an den Sieg seines Pferdes „El Tren“ 2014, der Pferderennsport ist eine Leidenschaft des Peruaners. Thomas Fürst, Vorstand der Sparkasse Bremen, erzählt, wie ihn seine Tochter zum Pferdesport brachte, Tonya Rogge, Präsidentin des Bremer Rennvereins, erinnert sich, dass ihre erste Begegnung mit der Bremer Galopprennbahn Liebe auf den ersten Blick war.

Geschichten von der Rennbahn, die nun geschlossen ist. Für immer? „Die Situation ist offener, als manch einer glaubt“, sagt Lenk. Der Untertitel seines Buches lautet „Das Ende einer Ära?“. Das Fragezeichen steht für die Hoffnung, dass es doch noch irgendwie weitergeht. „Das Buch ist hochaktuell“, sagt Lenk. Mit einer Unterschriftenliste will eine Bürgerinitiative erreichen, dass alle Bremer darüber abstimmen, ob auf dem rund 30 Hektar großen Gelände an der Ludwig-Roselius-Allee etwa 1000 Wohnungen gebaut werden sollen.

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Bis zum 4. Januar braucht die Initiative 21 237 gültige Unterschriften, um einen Volksentscheid zu erzwingen. Wie berichtet, sollen bereits 14 190 Menschen unterschrieben haben. „Wir sind auch dafür, dass Leute irgendwo wohnen müssen“, sagt Lenk. „Wenn es gar nicht anders geht, dann auch auf der Rennbahn.“ Es gebe aber mit Sicherheit andere Flächen, an denen die Wohnungen entstehen könnten, sagt er.

Andere Flächen sucht sich in der Zwischenzeit auch der Bremer Rennverein. Man sei in guten Gesprächen, sagt Lenk. „Wir gehen davon aus, dass wir in Rastede Rennen machen werden.“ Aber, und das ist Lenk besonders wichtig: „Das ist keine Entscheidung gegen Bremen – es ist einfach ein zusätzliches Angebot.“ Die Rennbahn in Rastede, nördlich von Oldenburg, liegt in einer Region, in der der Pferdesport allgemein eine große Bedeutung hat – und auf dem idyllisch am Schlossplatz in Rastede gelegenen Turnierplatz seit vielen Jahren eine feste Heimat.

„Es ist viel in Bewegung“

Doch Lenk hofft, dass es auf der Bahn in der Vahr weitergeht. „Es ist viel in Bewegung“, sagt er. Ein paar Mal war er schon wieder auf der Rennbahn, die Arbeit im Rennverein gehe ja weiter. „Für mich ist das noch gar nicht Wirklichkeit geworden“, sagt er über sein Gefühl an der Bahn neun Monate nach dem letzten Rennen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Lenk und lacht. „Ist zwar ein doofer Satz, aber in diesem Fall stimmt er.“

Er würde gerne noch ein Buch schreiben, falls die Geschichte der Galopprennbahn weitergeht, sagt Lenk. Er sei auf den Geschmack gekommen. „Als ich das Buch fertig hatte, habe ich eine große Freude empfunden.“ Deswegen sei sein Buch auch nur ein vorläufiger Abschlussbericht, kein Abgesang.

Weitere Informationen

Das Buch „Die Galopprennbahn Bremen – Das Ende einer Ära?“ von Frank Lenk erzählt auf 200 Seiten Geschichte und Geschichten der Galopprennbahn in der Vahr. Es kostet 48 Euro und ist in zahlreichen Buchhandlungen sowie im Kundenzentrum des WESER-KURIER in der Martinistraße erhältlich.

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