Jugendwohngruppe Feuerwache Bremer Sozialressort und Träger weisen Vorwürfe zurück

Alkohol- und Drogenkonsum, Verwahrlosung und Schikane der Kinder - das sind nur einige Vorwürfe, die ehemalige Mitarbeiter gegenüber der Jugenhilfeeinrichtung Feuerwache in Hemelingen erheben. Die Heimaufsicht weist die Vorwürfe zurück.
06.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Sozialressort und Träger weisen Vorwürfe zurück
Von Timo Thalmann

Die schweren und öffentlich geäußerten Vorwürfe der Kindeswohlgefährdung durch ehemalige Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung Feuerwache in Hemelingen weisen sowohl das Sozialressort wie auch der Träger der Einrichtung zurück. Die erhobenen Vorwürfe hätten sich nach den Feststellungen der Heimaufsicht nicht bestätigt. Auch in Gesprächen mit Einrichtungsleitung, Beschäftigten sowie Kindern und Jugendlichen hätten sich keine Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdungen ergeben, machte Sozialstaatsrat Jan Fries in der Sozial-Deputation am Donnerstag deutlich.

In einem Beitrag von Radio Bremen hatten die Ex-Mitarbeiter berichtet, dass die in der intensivpädagogischen Wohngruppe mit sieben Plätzen untergebrachten Kinder mit Drogen in Kontakt kommen und nicht zur Schule gehen. Alkohol-, Drogen- und Zigarettenkonsum sei an der Tagesordnung. Auch von Verwahrlosung, Schikane und Einschüchterung jüngerer Kinder durch Ältere war die Rede.

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Diese Vorwürfe seien sachlich nicht richtig und stellten eine massive Rufschädigung der gemeinnützigen Organisation und ihrer Leitung und Mitarbeiter dar, heißt es beim privaten Einrichtungsträger Initiative für Kinder, Jugendliche und Familien GmbH. Geschäftsführer Sven Bechtolf vermutet einen grundsätzlichen Konflikt über die pädagogische Ausrichtung als eigentliche Ursache der Vorwürfe. „Unsere ehemalige Mitarbeiterin war vor ihrer Tätigkeit die Vertretung von Glen Mills in Deutschland und hat dort auch Jugendliche hin vermittelt.“

Glen Mills ist ein privates Internat im US-Bundesstaat Pennsylvania, das sich mit einem strengen Regelwerk und ausgeprägter sozialer Kontrolle Jugendlicher annimmt, die vor allem durch kriminelle Delikte auffällig geworden sind. Vor diesem Hintergrund habe die Mitarbeiterin von Beginn an wenig Verständnis für das vor allem auf Bindungsarbeit angelegte pädagogische Konzept der Feuerwache gehabt.

Pädagogik und Therapie müssen erst einmal möglich werden

„Wir haben es hier mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die gerade wegen ihrer beständigen und massiven Regelverletzungen bislang in jeder anderen Einrichtung vor die Tür gesetzt wurden oder nirgendwo anders aufgenommen werden“, sagt Tobias Antweiler, Leiter der Feuerwache. In der Vorgeschichte der Klientel gebe es Suizidversuche, seelische Misshandlungen und lang anhaltende, massive Ablehnung. „Wir müssen die Jugendlichen erst einmal dahin bringen, dass Pädagogik und Therapie überhaupt möglich werden“, beschreibt er die Aufgabe. Dass die Jugendlichen rauchten oder nicht zur Schule gingen, sei dabei noch das kleinste Problem.

Ziel der Feuerwache sei es, den Kindern erstmals in ihrem Leben so etwas wie ein sicheres Zuhause zu bieten, von dem sie sicher sein können, es auch bei massiven Regelverletzungen nicht zu verlieren. Zugleich würden die jeweiligen Vergehen selbstverständlich angesprochen und professionell bearbeitet. Die Jugendlichen hätten am Programm „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten" teilgenommen. Drogenbesitz und Drogenkonsum in der Einrichtung würden nicht geduldet.

Hinweise an die Gewerbeaufsicht gegeben

Es gebe einen stetigen Austausch mit dem zuständigen Kontaktpolizisten. „Ich habe alle umliegenden Supermärkte und Kioske angesprochen, den Jugendlichen nichts zu verkaufen und bei Verstößen entsprechende Hinweise an die Gewerbeaufsicht gegeben“, beschreibt Antweiler weitere Maßnahmen. „Wir erleben hier aber auch, dass die Eltern einem 14-Jährigen den Tabak schenken“, verdeutlicht er zugleich die Herausforderung.

Gleichwohl sehe er Fortschritte. Die ohne Einverständnis der Jugendlichen im Fernsehen veröffentlichten Bilder ihrer unaufgeräumten Zimmer mit zahlreichen verstreuten Zigarettenkippen dokumentierten einen Zustand, der so aktuell nicht mehr existiere. Die von der CDU erhobene Forderung, die Einrichtung bis zur Klärung aller Vorwürfe zu schließen, würde die bisherige Arbeit zunichte machen. Die Christdemokraten haben der Sozialsenatorin einen umfangreichen Fragenkatalog zur Situation in der Feuerwache vorgelegt, über den die Deputation in nichtöffentlicher Sitzung beraten hat.

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