Gerhard Schröder feiert 40. Dienstjubiläum / Seit 28 Jahren trägt er in Schwachhausen die Post aus Wachmannstraße ehrt Briefträger

Seit 40 Jahren ist Gerhard Schröder im Postdienst. Und seit 28 Jahren bringt er die Post zu den Kunden in der Wachmannstraße. Sein Dienstjubiläum nahmen jetzt der Vorstand und weitere Mitglieder des Vereins "Die Wachmannstraße" zum Anlass, ihrem immer gut gelaunten Briefträger einmal "Dankeschön" zu sagen und ihn zu beschenken. Als Schröder wie üblich mit seinem Postwägelchen die Straße heraufkam, erwartete ihn zu seiner Überraschung schon eine Gruppe von Gratulanten.
07.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Renate Schwanebeck

Seit 40 Jahren ist Gerhard Schröder im Postdienst. Und seit 28 Jahren bringt er die Post zu den Kunden in der Wachmannstraße. Sein Dienstjubiläum nahmen jetzt der Vorstand und weitere Mitglieder des Vereins "Die Wachmannstraße" zum Anlass, ihrem immer gut gelaunten Briefträger einmal "Dankeschön" zu sagen und ihn zu beschenken. Als Schröder wie üblich mit seinem Postwägelchen die Straße heraufkam, erwartete ihn zu seiner Überraschung schon eine Gruppe von Gratulanten.

Schwachhausen. Rund ein Dutzend Geschäftsleute und Anwohner der Wachmannstraße stehen vor der Weinhandlung "Vinum", ein Päckchen oder Briefchen in der Hand, und schauen in Richtung Verkehrskreisel "Stern". Sie warten auf Gerhard Schröder, ihren Briefträger, der mit seinem schwer bepackten Postwägelchen die Straße heraufkommt. Als er die Gruppe erreicht hat, gibt es Glückwünsche und Dankesworte von allen Seiten.

Ralph Saxe, Vorsitzender des Vereins "Die Wachmannstraße" und Inhaber der Weinhandlung, überreicht eine Flasche Wein und gratuliert. Die anderen folgen. Auch Gerhard Schröders Kollegin Anke Löther ist dabei. Am Ende steht Schröder selbst auch ganz bepackt da. Und er freut sich über die große Anteilnahme seiner Kunden.

Die Gratulanten wollen nun wissen, was Gerhard Schröder denn in den 40 Jahren so alles erlebt hat. Ja, so berichtet der Postler, da passierte mal eine dumme Geschichte. Damals fuhr er immer mit dem Transporter durch die Kurfürstenallee mit ihrer Unterführung der Hochstraße. Dann war das Auto defekt. "Ich habe ein neues gekriegt, aber mir nicht in den Papieren durchgelesen, dass es zehn Zentimeter höher war als das alte. Und ich fuhr wieder durch die Unterführung – und plötzlich knallte es gewaltig." Er seufzt. "Das Fahrzeug hatte erst 26 Kilometer drauf."

Vorstandsmitglied Thomas Rammelt, Inhaber der "Goldschmiede", fragt, wie oft er denn von Hunden gebissen worden sei in seinen 40 Dienstjahren. Das ist dem Postbetriebsassistenten zum Glück nur ein einziges Mal passiert. "Ich bin über den Zaun gesprungen und habe beim Nachbarn geklingelt, aber da hatte er mich schon am Hinterteil." Das war, als er im Wohngebiet Wolfskuhle die Post austrug. Ob Schröder in der Wachmannstraße auch schon mit bissigen Hunden zu kämpfen hatte, möchte Ralph Saxe wissen. Nein, in der Wachmannstraße hat Gerhard Schröder bisher überhaupt keine Probleme in dieser Hinsicht gehabt.

Zu Fuß eineinhalbmal um die Welt

Vom Hermann-Böse-Gymnasium bis zum Schwachhauser Ring reicht die Strecke, die der Niedersachse aus Felde bei Thedinghausen fünf Tage die Woche mit Post beliefert. Dazu kommen noch einige Nebenstraßen. Ralph Saxe und Thomas Rammelt fangen an zu rechnen. Fünf Tage die Woche mal 52 Wochen minus Urlaub mal 28 Jahre – "das ist fast eineinhalbmal um die Welt", staunen die beiden. Die Schuhe, die Gerhard Schröder dabei verschliss, hat er nicht gezählt.

Seine Ausbildung hat er im Bremer Postamt 5 absolviert. Später wechselte er zum Postamt 1. Sieben Jahre war er in der Telegramm- und Eilzustellung beschäftigt. Bei den Gratulanten kommen Erinnerungen hoch. "Ein Telegramm, das war damals ja etwas ganz Besonderes."

Danach trug Schröder einige Jahre in der Neustadt die Post aus. "Und dann bin ich hier hängengeblieben", sagt er und schmunzelt. Und dass der freundliche Postbote in der Wachmannstraße "hängengeblieben" ist, freut die Mitglieder des Vereins "Die Wachmannstraße, Geschäftsleute wie Anwohner. Deshalb haben sie ihn auch schon vor sechs Jahren zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.

Ralph Saxe fragt, wie er es nur schafft, dass er immer so gute Laune hat. Die Antwort kommt prompt: "Die Kunden sind einfach so nett. Warum soll man da schlechte Laune haben?" "Man kennt Sie nur mit freundlichem Gesicht", bekräftigt Ulla Dopatka, Anwohnerin und Vorstandsmitglied. Renate Viets, ebenfalls Anwohnerin und außerdem Schatzmeisterin des Vereins stellt fest: "Er gehört einfach zum Straßenbild, weil er täglich hier zu sehen ist. Und er gehört dazu, weil man ihn kennt."

Es ist für Gerhard Schröder gar nicht so leicht, all die Gaben im Postwagen zu verstauen. Als das gelungen ist, verabschiedet sich der Jubilar und macht sich wieder an die Arbeit. Heute ist es besonders viel. Deshalb wird es wohl auch etwas länger dauern. Viel Zeit bleibt dem Postboten, der demnächst 56 Jahre alt wird, nicht für Hobbys. Er hat sich vor 30 Jahren ein Haus gebaut in Felde. Die Gartenarbeit empfinde er als guten Ausgleich. "Ich könnte auch 50 Dienstjahre schaffen", sagt er. "Vielleicht sehen wir uns hier in zehn Jahren wieder."

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