Villa Sponte zeigt Skulpturen von Barbara Deutschmann und Bilder von Christian Plep in einer gemeinsamen Ausstellung

Wachs im Stein und Stoff auf Stoffen

Steintor. Wenn Stein auf Wachs trifft, prallen Hart und Weich als Gegensätze aufeinander. In den Skulpturen von Barbara Deutschmann erhält der graue, mit vielen Ritzzeichnungen versehene Stein eine milchglasartige Einlegearbeit, in der geometrische Formen schimmern, und wenn Licht hindurch fällt, entstehen im Wachs weiß strahlende Zonen.
15.03.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Wachs im Stein und Stoff auf Stoffen

Barbara Deutschmann, diemit dem Gegensatz zwischen Stein und Paraffin arbeitet, neben einer ihrer Skulpturen, die gemeinsam mit Werken con Christian Plep in der Villa Sponte zu sehen sind.

Walter Gerbracht

Steintor. Wenn Stein auf Wachs trifft, prallen Hart und Weich als Gegensätze aufeinander. In den Skulpturen von Barbara Deutschmann erhält der graue, mit vielen Ritzzeichnungen versehene Stein eine milchglasartige Einlegearbeit, in der geometrische Formen schimmern, und wenn Licht hindurch fällt, entstehen im Wachs weiß strahlende Zonen. Die Künstlerin kontrastiert bei ihren Skulpturen Stein oder Beton mit Paraffin, Gießharz oder Glas.

Ihre Skulpturen sind zusammen mit Bildern von Christian Plep in der Villa Sponte unter dem Titel „Organische Verbindung“ zu sehen. Die Werke zeichnen sich nicht nur durch eine enorme Materialästhetik aus, sondern auch durch enge Beziehungen zueinander. Auf der Vernissage betont der Kunstwissenschaftler Frank Laukötter, dass es bei Barbara Deutschmann und Christian Plep Verbindungen zwischen Malerei und Skulptur gibt, und die Grenzen zwischen konkreter und abstrakter Kunst seien bei beiden fließend. Damit hat der Ausstellungstitel einen mehrfachen Sinn. Wie organisch die Verbindungen zwischen gegenständlicher und abstrakter Kunst sein können, verdeutlicht Frank Laukötter anhand einer Grafik von Pablo Picasso, der aus einer realistischen Darstellung eines Stieres eine immer stärker abstrahierte Form macht, während umgekehrt bei einer Bauhaus-Arbeit aus abstrakten geometrischen Formen schrittweise eine Kuh entsteht.

„Ich möchte immer weiter reduzieren“, sagt Christian Plep, „aber nicht bis zum Nullpunkt.“ Dann würde nur noch die Form als Form und die Farbe als Farbe sprechen, und das wäre schnell langweilig. Er arbeite gern mit Baumwolle, weil dieses Material im Gegensatz zum Papier häufig übermalbar sei. Reduktion aufs Wesentliche ist das eine seiner Anliegen, das andere, mit gewohnten Gegebenheiten zu brechen: „Deshalb werden meine Bilder zum Beispiel oft um 90 Grad gedreht aufgehängt“, sagt er. Und oft bemalt er auch die Rückseite seiner Malgründe, „dann entsteht an der Wand, an der sie hängen, ein reizvoller farbiger Schatten.“ Mit seinen Arbeiten, die zwischen 2014 und 2018 entstanden sind, möchte er eher die Gefühls-Ebene ansprechen und zu Assoziationen einladen.

Der Maler Christian Pleps aus dem Viertel mit Atelier in Walle zimmert zunächst einen Rahmen und bespannt ihn wie üblich mit einer Leinwand. Doch er klebt darauf weitere Leinwandstücke, die er als Malgrund verwendet. Häufig beklebt er den Untergrund mit Stoff-Flecken unterschiedlicher Dichte und Dicke, manchmal auch mit Papier und Wellpappe, die eine grobe Motividee sparsam andeuten: ein Kreuz, eine T-Form oder auch einen durchbrochenen Himmel. Manchmal nässt er die Stoffe mit Lack, sodass die Oberflächen sich kräuseln und wellen – die Werke gleichen dann aufgefalteten Landschaften. Den Rand drumherum setzt er durch dunkle Farbe ab.

„Ich will mit meinen Arbeiten einen Kontrapunkt zur immer lauter und schneller werdenden Welt schaffen“, sagt der Künstler. So richte er seine Aufmerksamkeit meditativ auf ein Stück Wand oder die Rinde eines Baumes, und die Muster, die sich ihm einprägen, verändern seine streng geometrischen Formen, die auf seinen Bildern zu sehen sind, sie erhalten etwas Gebrochenes, als seien sie natürlich gewachsen. Plebs Bilder haben ungewöhnliche Formen oder sind mit Auszackungen versehen – so schafft der Künstler Übergänge zwischen Skulptur und Tafelbild.

Barbara Deutschmann, die am Sielwall wohnt und schon seit 1990 mit dem Gegensatz zwischen Stein und Paraffin arbeitet, tritt zu einer ihrer Skulpturen und erläutert: „Diese hell schimmernden Streifen im Paraffin entstehen nur bei Sonnenlicht. Mich fasziniert diese Semitransparenz, die das weiche Material ergibt.“

Die Künstlerin schneidet zunächst den Stein von Hand und strukturiert seine Oberfläche, dann nimmt sie aus der Grundform Teile heraus und füllt die Hohlformen mit Paraffin. Im milchglasartigen, zart schimmernden Paraffin lassen sich farbige Binnenformen oder Linien erkennen, die sie vorher aus Hartwachs gegossen und in das Paraffin eingesetzt hat. Das fertige Gebilde vermittelt den Eindruck, als könne man ins Innere der Skulptur schauen.

Weiterhin zeigt die Ausstellung einige Papierarbeiten von Barbara Deutschmann, bei denen Wachs zum Einsatz kommt: Auf den handgeschöpften Papieren lässt das Wachs geometrische Formen und Linien entstehen, die zwischen Zwei- und Dreidimensionalität changieren. Wie Paraffin ist auch Wachs ein halbdurchsichtiger Stoff - Transparenz bestimmt ihre Skulpturen wie auch diese Werke.

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