Schwanewede womöglich Vorreiter in Niedersachsen / Umweltausschuss will eine Machbarkeitsstudie

Wärme aus dem Kanalrohr?

Im Abwasserkanal steckt enormes Wärmepotenzial. Diese regenerative Energiequelle möchte die Gemeinde Schwanewede gerne zukünftig nutzen, um Energiekosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Nach dem Willen des Ausschusses für Umwelt, Energie, Verkehr und Tourismus soll jetzt zu diesem Thema ein Ingenieurbüro beauftragt werden, ein Konzept zu entwerfen.
01.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald

Im Abwasserkanal steckt enormes Wärmepotenzial. Diese regenerative Energiequelle möchte die Gemeinde Schwanewede gerne zukünftig nutzen, um Energiekosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Nach dem Willen des Ausschusses für Umwelt, Energie, Verkehr und Tourismus soll jetzt zu diesem Thema ein Ingenieurbüro beauftragt werden, ein Konzept zu entwerfen.

Das Schwaneweder Kommunalparlament hatte schon im Haushalt 2012 einen Betrag von 20000 Euro berücksichtigt, um eine Strategie für den Einsatz regenerativer Energien in gemeindeeigenen Gebäuden zu erarbeiten. Weitere 20000 Euro stehen jährlich für Maßnahmen zur Verfügung, die den Energieverbrauch reduzieren sollen. Diese Mittel sollen nach dem Willen der Mitglieder des Umweltausschusses nun in ein Projekt fließen, das seine Bewährungsprobe in einigen deutschen Städten bereits bestanden hat. In einer Wohnstraße in Hamburg-Harburg beispielsweise werden seit vier Jahren 107 Wohneinheiten mit Wärme aus dem Abwasser versorgt.

Sollte Schwanewede das Projekt „Wärmegewinnung aus dem Abwasser“ umsetzen, wäre die Gemeinde damit Vorreiter im gesamten Bundesland Niedersachsen, würde darüber hinaus auch Vorbildfunktion übernehmen. Sabine Geers, seit dem 1. Mai Energiemanagerin der Gemeinde, befürwortete im Ausschuss das Projekt: „Solche Energiesysteme können sich auch in kleineren Gemeinden und Städten mit entsprechenden Liegenschaften und Kanalnetzen lohnen.“ Geers verweist zudem auf die Fördermittel, die das Land Niedersachsen ab Januar 2014 für alternative Energiequellen zur Verfügung stellen will.

Wärme aus dem Schmutzwasserkanal ist eigentlich immer in großen Mengen vorhanden. Selbst im Winter sei das Abwasser noch acht bis zehn Grad warm, heißt es in dem Beschlusspapier der Schwaneweder Energiemanagerin für den Ausschuss für Umwelt, Energie, Verkehr und Tourismus. Geers spricht von idealen Voraussetzungen für den Betrieb einer Wärmepumpe zum Beispiel dort, wo der Kanal stets besonders voll ist.

Viel Abwasser – viel Wärme

In der Schwaneweder Gemeinde seien dies beispielsweise beim Bauhof, beim Freibad in Neuenkirchen oder bei der Waldschule. Überhaupt, so die Einschätzung von Fachleuten, sei es besonders vorteilhaft, große Wohnkomplexe, Schulen, Sportstätten, öffentliche Gebäude oder Krankenhäuser mit Abwasserwärme zu beheizen, wenn diese möglichst nahe an einem Hauptsammler gelegen sind. Damit das Abwasser als sichere Wärmequelle genutzt werden könne, benötige man nämlich einen gewissen Abwasserfluss.

Das weitverzweigte Kanalsystem in der Gemeinde Schwanewede befindet sich im Besitz des Wasser- und Abwasserverbandes Osterholz. Während der Sitzung wurde davon berichtet, dass er bereits zugestimmt habe, dass Schwanewede die Kanäle und das Abwasser zur Wärmerückgewinnung nutzen darf. Damit war eine wichtige Voraussetzung für die Kommunalpolitik erfüllt, um der Finanzierung einer Machbarkeitsstudie zuzustimmen.

Senkung des Energieverbrauchs

Zumal der Betrieb einer entsprechenden Anlage den Primärenergieverbrauch und den Kohlendioxidausstoß in der Gemeinde erheblich senken würde. Wenn in Schwanewede eines Tages Abwärme aus Abwasser bezogen werden sollte, kann man im Übrigen auf prominente Vorbilder verweisen. Der Neubau des Bundesumweltministeriums beispielsweise wird mit Energie aus dem Abwasser beheizt. Darüber hinaus nutzt auch der Élysée-Palast in Paris diese Art der Wärmegewinnung.

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