Alternatives Wohnen in Bremen

Wagenburg in der Neustadt muss umziehen

Die Wagenplatz-Projektgruppe Oelhafen hat eine Fläche in der Neustadt besetzt. Dennoch muss sie demnächst wieder umziehen – wohin, das steht derzeit noch nicht fest. Doch Ideen haben die Aktivisten.
12.08.2018, 22:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jenny Häusler
Wagenburg in der Neustadt muss umziehen

Seit Kurzem gibt es in der Richard-Dunkel-Straße in der Neustadt eine Wagenburg.

Frank Thomas Koch

Vor wenigen Tagen rollten sie an, die Mitglieder der Wagenplatz-Projektgruppe Oelhafen. Mit ihren großen Wohnmobilen besetzten sie eine leer stehende Fläche in der Richard-Dunkel-Straße in der Neustadt. Nachdem sie gut acht Monate auf dem Wagenplatz Querlenker hinter dem Güterbahnhof gelebt hatte, entschloss sich die Gruppe, weiterzuziehen. Damit möglichst viele Menschen an ihrem Projekt teilhaben können, wollen die Aktivisten an mehreren Orten auf leerstehenden Flächen wohnen.

Neben alternativem Wohnraum setzt sich die Gruppe nach eigenen Angaben auch für unkommerzielle Kunst-, Kultur-, und Handwerksprojekte ein, bei denen es nicht um Leistung und Profit geht und sich jeder beteiligen kann. So heißt es in einer Mitteilung der Gruppe. Dabei würde die Projektgruppe gern die vielen freien Flächen in Bremen nutzen. Doch die Verhandlungen mit den Behörden zögen sich in die Länge, wie es weiter heißt. Auch auf dem jetzigen Gelände in der Neustadt wird die Gruppe nicht bleiben können.

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Zum 1. September ist die Brache verkauft, wie Jürgen Brötche, kaufmännischer Direktor von der BG Ambulanz Bremen, bestätigt. Die berufsgenossenschaftlich organisierte Unfallambulanz plant dort Brötches Angaben zufolge einen Erweiterungsbau mit angeschlossenem Reha-Zentrum. Er selber sei vor einigen Tagen vor Ort gewesen und habe mit der Gruppe gesprochen. „Wir glauben nicht, dass es zu Problemen kommen wird“, sagt Brötche. Die Gruppe habe sich sehr verständnisvoll gezeigt.

Zwei Wochen hat die Gruppe, um das Gelände zu verlassen. Eine Abmachung, die in einem Vertrag mit der WFB Wirtschaftsförderung Bremen festgehalten werden soll. Doch so ganz zufrieden ist die Oelhafen-Gruppe damit nicht, wie sie auf Nachfrage des WESER-KURIER bestätigt. „Wir sollen hierfür all unsere Namen nennen und 100 Euro für die 14-tägige Nutzung entrichten“, teilt die Gruppe mit. Sollte sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, drohe die WFB trotz mündlicher Absprache mit dem Käufer mit einer Räumung.

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Seit gut eineinhalb Jahren ist die Gruppe nach eigenen Angaben auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ihr Projekt. Regelmäßig stünde sie in Kontakt mit verschiedenen städtischen Institutionen, Akteuren sowie der Zwischenzeitzentrale, die sich um die Vermittlung zwischen Eigentümern von leerstehenden Flächen und Gebäuden und interessierten Zwischennutzern kümmert.

Im März schickte die Gruppe eine Liste mit 16 geeigneten Flächen an Vertreter der Stadt, auf die sie bisher nach eigenen Angaben keine bis wenig Resonanz bekommen hat. Ein Grundstück, über das die Gruppe gern sprechen würde, ist eine leer stehende Fläche am Hastedter Osterdeich. Diese gehört der SWB und sie steht nicht zur Verfügung, sagt SWB-Sprecher Alexander Jewutschenko. „Die freistehende Fläche ist mit Altlasten belastet, für die die SWB seit zwei Jahren nach einer geeigneten Entsorgungslösung sucht.“

In der Vorkriegszeit sei diese Fläche von einer Dachpappenfabrik genutzt worden, wodurch die Verunreinigung des Bodens entstanden sei. Auch wenn nicht feststeht, wo es für die Oelhafen-Gruppe weitergeht: „Man wird uns nicht wegräumen und verstecken können. Wir sind und bleiben in der Stadt“, teilt sie mit.

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