Verkehrsbehörde stellt Pläne vor Wall soll Einbahnstraße werden

Fortan soll es nur noch in eine Richtung gehen: Aus dem Wall soll eine Einbahnstraße werden. Die Verkehrsbehörde hofft, die Straße so attraktiver zu machen. Vorher gibt es aber erstmal einen Testlauf.
15.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine Doll und Anke Landwehr

Fortan soll es nur noch in eine Richtung gehen: Aus der Straße Am Wall soll eine Einbahnstraße werden. Die Verkehrsbehörde hofft auf diese Weise, die Straße attraktiver zu machen. Dazu sei eine Einbahnstraße eine echte Chance, sagte ein Sprecher.

Der Verkehr läuft nur noch in eine Richtung, vor den Geschäften und Lokalen stehen Tische und Stühle, der Gehweg ist breit genug zum Flanieren, und auf der Seite zu den Wallanlagen gibt es Parkplätze für Autos und Fahrräder – so stellt sich Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) die Zukunft der Straße Am Wall vor. Am 6. Mai war dort das Modehaus „Harms Am Wall“ ausgebrannt, seitdem sind beide Fahrspuren in dem Abschnitt gesperrt. Und seitdem gibt es Debatten, wie die Zukunft am Wall aussehen soll – um die Geschäftsmeile besser an die Innenstadt anzubinden und sie für Besucher und Kunden attraktiver zu machen.

„Die Einbahnstraßen-Regelung ist das Modell, das wir favorisieren“, sagt der Sprecher des Senators, Jens Tittmann. Eine Einbahnstraße, die von der Ostertorstraße bis zum Herdentor führt. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Pläne dafür im Beirat und in der ersten Sitzung der Verkehrsdeputation am 10. September vorgestellt werden. Wie lange die Vollsperrung noch bleibt, ist derzeit nicht klar. Vor Oktober scheint daraus aber nichts zu werden.

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„Zurzeit laufen noch Sicherungsarbeiten. Die beiden Obergeschosse des ausgebrannten Gebäudes sowie der beiden benachbarten Häuser müssen mühsam abgetragen werden, um die unteren Geschosse zu entlasten und damit keine Gebäudeteile herunterstürzen“, erklärt Tittmann. Was danach mit dem Harms-Gebäude geschieht, ist ungewiss. Solange die Brandruine stehe und es einen möglichen Neubau gebe, müsse aber auch weiterhin eine Fahrspur gesperrt bleiben. Das könnte nach Schätzungen der Behörde sogar bis 2020 dauern. „Die Optionen für ein Verkehrskonzept sind, den Abschnitt komplett gesperrt zu lassen und eine Fußgängerzone einzurichten, den Verkehr an dieser Stelle mit einer Baustellenampel zu regeln oder eine Einbahnstraße“, so Tittmann.

Die Einbahnstraße habe mehrere Vorteile: Zum einen fließe der Verkehr wieder über den Wall, gleichzeitig werde er aber über eine Einbahnstraße auch reduziert – „und der Wall bekommt mehr Zulauf vor allem von Fußgängern und Radfahrern“, betont der Behördensprecher. „Das ist eine echte Chance für die Stadt und die Geschäfte.“ In einem Pilotprojekt mit den Geschäftsleuten könne auch darüber nachgedacht werden, die breiteren Gehwege nicht nur für Tische und Stühle zu nutzen. Die Kaufleute könnten einen Teil ihrer Ware wie Bücher draußen präsentieren. Gebe es genug Platz, könne auch über einen weiteren Radweg auf der Seite der Geschäfte nachgedacht werden. Im Gespräch sei auch, die Durchgänge von der Innenstadt zum Wall attraktiver zu gestalten – etwa durch Schaukästen und eine Beleuchtung in der Museumsstraße.

Ob der Wall eine Chance als neue attraktive Geschäfts- und Ausgehmeile hat, soll von Donnerstag, 27. August, bis Sonnabend, 29. August, getestet werden – beim „Wall-Sommer“ im Abschnitt zwischen Herdentor und Bischofsnadel. Der WESER-KURIER präsentiert das Fest, das vom Bau- und Wirtschaftsressort getragen wird. „Besucher und Kunden können den Wall, Geschäfte, Lokale und viele andere Angebote erkunden“, so Tittmann.

Am Donnerstag erwartet sie ein „Wall-Picknick“ und der „Lichter-Wall“; im Open-Air-Kino, das der WESER-KURIER initiiert hat, wird am Abend der Film „Little Miss Sunshine“ gezeigt, danach wird eine launige Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Auch am Freitag gibt es viele Angebote, dazu am Abend das Open-Air-Kino mit dem Film „Grand Budapest Hotel“, die Geschäfte sind an beiden Tagen bis 20 Uhr geöffnet. Am Sonnabend, dem Haupttag des Wall-Sommers, können Kunden bis 22 Uhr shoppen. Das Programm beginnt um 10 Uhr mit einer „Bio-Stadt“, bei der mehr als 20 Betreiber Bio-Produkte anbieten. Das Musikprogramm besteht aus Klassik, Swing und Jazz. Am Abend läuft das Open-Air-Kino mit einer Zusammenstellung von Kurzfilmen. Parallel zum Wall-Sommer beginnt außerdem das Musikfest, auf dem Hillmannplatz findet ein Weinfest statt.

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Unterdessen laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Inhaber des abgebrannten Modehauses „Harms Am Wall“, Hans Eulenbruch, weiter. Er wird verdächtigt, eine besonders schwere Brandstiftung begangen zu haben. Die weiteren Vorwürfe lauten: versuchter Betrug und Vortäuschen einer Straftat. Eulenbruch hatte nach dem Feuer erklärt, er sei in seinem Büro im zweiten Stock des Gebäudes von zwei maskierten Männern mit einer Schusswaffe bedroht worden. Sie hätten ihn gezwungen, den Tresor zu öffnen und ihn danach in die Gästetoilette gesperrt. Falls er sich nicht ruhig verhalte, würden sie durch die Tür schießen. Diese habe er nach etwa einer Stunde eingetreten und sich ins Freie gerettet.

Rund sechs Wochen später wurde Eulenbruch vorübergehend festgenommen. Die Ermittler durchsuchten die Privatwohnung und Geschäftsräume in Bremerhaven. Ihre Vermutung: Eulenbruch habe den Brand selbst gelegt. Parallel zu seinem Verfahren laufen, ebenfalls noch ohne Ergebnis, Ermittlungen gegen Unbekannt.

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