Serie „Wanderlust“ Teil 4

Drei Tipps für schnelle Wanderwege

Bisher waren die Touren in unserer Serie „Wanderlust“ immer um die 20 Kilometer lang, diesmal haben wir drei schnelle Runden ausgesucht: in Dötlingen, Bruchhausen-Vilsen und Ahlhorn.
08.08.2020, 08:00
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Drei Tipps für schnelle Wanderwege
Von Marc Hagedorn
Drei Tipps für schnelle Wanderwege

Ahlhorner Fischteiche: In den 40 Teichen und zwei Forellenanlagen werden vor allem Karpfen, aber auch Schleien, Hechte, Zander und andere Süßwasserfische gezogen.

Marc Hagedorn

Es ist bewölkt. Tief hängen die Wolken am grauen Himmel. Aber es ist Wochenende, das ist seit ein paar Monaten unsere feste Zeit fürs Wandern. Vier bis fünf Stunden lang waren die Touren, die wir bisher im WESER-KURIER vorgestellt haben. Ob das Wetter heute so lange mitspielt? Da kommt uns eine Idee: Warum nicht einmal nur eine schnelle Tour machen? Eine Stunde statt vier Stunden, fünf Kilometer statt 20. Gesagt, getan. Drei Tipps für die schnelle Runde.

Ahlhorner Teiche

Das Beste kommt ganz zum Schluss, und zwar aus dem Automaten. Der Hofladen der Ahlhorner Teichwirtschaft hat zwar schon zu, aber dafür ist der Kühlautomat vor dem Geschäft noch gut bestückt. Für Preise ab 2,50 Euro spuckt die Maschine in Plastik eingeschweißte Forellen aus, aufgewachsen und gefangen in einem der rund 40 Teiche in der direkten Umgebung. Die Geschmacksprobe am Abend ergibt: einfach lecker dieser Fisch.

Die Ahlhorner Teichwirtschaft ist eine Besonderheit, denn sie befindet sich als einzige ihrer Art in öffentlicher Hand. Bis 1906 gab es hier draußen nahe der A1 und der A29 nur Sanddünen, Heide und kleine Moore. Dann legten die Menschen Teiche mit einem insgesamt 15 Kilometer langen Grabensystem an. Die Gewässer gehören zu den Niedersächsischen Landesforsten. In den 40 Teichen und zwei Forellenanlagen werden vor allem Karpfen, aber auch Schleien, Hechte, Zander und andere Süßwasserfische gezogen. Die Fische kommen im Hofladen mit angeschlossener Räucherei in den Verkauf oder werden in andere Gewässer als sogenannter Besatzfisch ausgesetzt.

Der Rundweg, den wir wählen, führt durch ein Labyrinth aus mehreren großen Seen. Startpunkt ist der Parkplatz mit dem sinnigen Namen Am Karpfen. Fünf Wege stehen zur Auswahl, sie sind zwischen 1,6 und fünf Kilometer lang und allesamt sehr gut ausgeschildert. Es geht fast durchweg am Ufer der Seen entlang über Wald- und Forstwege. Viele Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, nur eines ist hier nicht erlaubt: Angeln. Alle paar hundert Meter weisen Verbotsschilder darauf hin, in Deutsch, Englisch und auf Russisch.

Auch wenn die reine Wanderstrecke schnell absolviert ist, kann man sich ohne Probleme mehrere Stunden an den Ahlhorner Teichen aufhalten. Auf unserer Strecke passieren wir die Zwölf Apostel, das sind zwölf große Steine aus vorgeschichtlicher Zeit. „Schon nachgezählt?“, fragt die Infotafel. Viel Spaß dabei, denn ganz einfach ist es nicht, die Findlinge zu entdecken.

Gleich neben den Fischteichen gibt es eine weitere interessante Wanderstrecke: das Naturschutzgebiet Urwald Baumweg. Schließlich ist auf dem Gebiet der Ahlhorner Teichwirtschaft auch das Waldpädagogik-Zentrum Weser-Ems beheimatet. Hier finden Jugendfreizeiten und Klassenfahrten statt, entsprechend viel gibt es ringsherum zu entdecken, auszuprobieren und zu lernen. In der angeschlossenen Holzwerkstatt werden Sitzbänke, Tische oder Vogelnistkästen und Vogelfutterhäuschen gefertigt.

Anreise: mit dem Auto bis Parkplatz Am Karpfen

Streckenlänge: 5,48 Kilometer

Dauer: 1:06 Stunde

Wegbeschaffenheit: vorwiegend Wald- und Forstwege, für kurze Abschnitte auch ausgetretene Pfade

Vorschläge für die kleine Pause:

Hofladen der Teichwirtschaft Ahlhorn, Baumweg 5,
Emstek; geöffnet donnerstags 14 bis 16 Uhr und freitags 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr; Betriebsferien bis zum 12. August

Weiterführende Informationen im Netz:

www.landesforsten.de

Huntepadd in Dötlingen

Entlang der drei Strecken gibt es markante Flecken, wie die über 1000 Jahre alte Dorfeiche in Dötlingen.

Entlang der drei Strecken gibt es markante Flecken, wie die über 1000 Jahre alte Dorfeiche in Dötlingen.

Foto: Marc Hagedorn

Sie ist in die Jahre gekommen, und ein Schild warnt davor, sich ihr zu sehr zu nähern. Über 1000 Jahre alt ist die große Eiche bei der Kirche in Dötlingen. Äste könnten abbrechen und hinabstürzen so wie im Sommer 2002 schon einmal. Damals arbeitete ein Künstler den Ast auf, der sich heute wie eine Mischung aus Schlange und Krokodil am Fuße des Baumes windet. Als Ausgangspunkt für eine Wanderung auf dem Huntepadd ist die Dorfeiche ideal. Gleich nebenan befindet sich der Tabkenhof, eines der größten und schönsten Niedersachsenhäuser im Land.

Überhaupt versteht man sich in Dötlingen darauf, alten Baubestand zu erhalten. Fachwerkhöfe und Häuser, oft mit reetgedeckten Dächern, prägen das Ortsbild. Alle paar Meter informieren kleine Infotafeln an historischen Gebäuden und Plätzen über die Geschichte. In Dötlingen hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts bekannte Künstler wie Otto Pankok oder August Kaufhold niedergelassen. Entsprechend wollen der Ort mit seinen Galerien und Ateliers und die Umgebung entdeckt werden, und dazu trägt auch der Huntepadd bei. Gut ausgeschildert führt er durch Buchenwälder, Felder und Feuchtwiesen immer wieder nahe an die Hunte heran oder direkt an ihr entlang. Zweimal auf dieser Tour will der Fluss überquert werden.

Hinter der ersten Brücke gelangt man schon bald zur Glaner Braut. Hierbei handelt es sich um ein Großsteingräberfeld aus der Jungsteinzeit. Die Glaner Braut ist eine der 33 Stationen auf der „Straße der Megalithkultur“ zwischen Osnabrück und Oldenburg, die sich vorgenommen hat, eine über 5000-jährige Kulturgeschichte begreifbar zu machen. Tatsächlich informieren mehrere menschengroße Tafeln an der Glaner Braut detailliert über die Großsteingräber, ihren Ursprung, ihre Ausbreitung und ihre Bedeutung. Nach der zweiten Hunte-Überquerung erreicht man den Gierenberg, der einen Blick auf das Huntetal freigibt. Nur noch ein paar hundert Meter dorfeinwärts und die Kirchturmspitze taucht auf. Hier schließt sich der Kreis, denn es wird vermutet, dass ein Teil der Steine zum Bau der Kirche im 12. oder 13. Jahrhundert von den Großsteingräbern „vorchristlicher Heiden entliehen“ worden sind, wie es auf einer Infotafel heißt.

Anreise: Mit dem Auto zum Parkplatz Am Diek an der Kirche

Streckenlänge: 6,06 Kilometer

Dauer: 1:16 Stunde

Wegbeschaffenheit: Waldwege und Pfade, wenig Asphalt

Vorschläge für die kleine Pause: In Dötlingen gibt es mehrere Cafés, Gaststätten und Restaurants.

Weiterführende Informationen im Netz:

www.doetlingen.de

www.wildegeest.de

Die Schmalspurbahn des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen: Acht Kilometer lang ist die über 100 Jahre alte Bahnstrecke mit ihren acht Bahnhöfen beziehungsweise Haltepunkten zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.

Die Schmalspurbahn des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen: Acht Kilometer lang ist die über 100 Jahre alte Bahnstrecke mit ihren acht Bahnhöfen beziehungsweise Haltepunkten zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.

Foto: Marc Hagedorn

Der Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen

Sie ist tatsächlich unterwegs. Sie schnauft und tutet, und man hört sie schon von Weitem: die Schmalspurbahn des Deutschen Eisenbahn-Vereins in Bruchhausen-Vilsen. Wir wandern schon eine ganze Zeit lang parallel zur Bahnlinie und hatten uns gefragt: Fährt sie während Corona wohl? Oh ja, sie fährt, man hört’s und sieht es dann auch. Acht Kilometer lang ist die über 100 Jahre alte Bahnstrecke mit ihren acht Bahnhöfen beziehungsweise Haltepunkten zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf. Das macht Lust auf eine Fahrt, aber wir wollen nicht fahren, sondern wandern. Wir überqueren die Gleise am Haltepunkt Vilser Holz und folgen dem Weg entlang des Waldrandes. Etwas mehr als die Hälfte unserer Route haben wir zu diesem Zeitpunkt schon hinter uns.

Der Start war vor einer guten halben Stunde an der Klostermühle. Ihre Geschichte geht zurück bis in das 13. Jahrhundert, wo sie von Mönchen des Prämonstratenserstifts Heiligenberg betrieben wurde. Wir nehmen den ausgeschilderten Mönchsweg, den wir nach gut einem Viertel der Strecke am Bahnhof Heiligenberg mit dem ebenfalls ausgeschilderten Kleinbahnweg kombinieren, der entlang der Gleise über Wiesen und Feldwege führt. Später wechseln wir auf den Mönchsweg zurück, der uns wieder zur Klostermühle bringt. Das Schöne an dieser Strecke: Sie ist abwechslungsreich, führt durch Wiesen und viel Wald und ermöglicht einige Abstecher, etwa in den angrenzenden Kurpark, zum Waldspielplatz oder ins Wiehebad. Auf einem Abschnitt unserer Route liegen auch mehrere Stationen eines Trimm-dich-Pfades, praktisch für alle diejenigen, denen Schritttempo nicht genug ist.

Anreise: Mit dem Auto zum Parkplatz Klostermühle

Streckenlänge: 5,41 Kilometer

Dauer: eine Stunde

Wegbeschaffenheit: Feld- und Waldwege,
wenig Asphalt

Vorschläge für die kleine Pause:

Klostermühle Heiligenberg, Heiligenberg 2, Bruch­hausen-Vilsen; Restaurant mit angrenzendem Gästehaus; von mittwochs bis sonntags ab 11.30 Uhr geöffnet

Forsthaus Heiligenberg, Heiligenberg 3, Bruchhausen-Vilsen; geöffnet an sieben Tagen die Woche

Restaurant Dillertal, Dille 8, Bruchhausen-Vilsen;
montags 11.30 bis 15 Uhr, dienstags bis sonnabends ab 11.30 Uhr, sonntags ab 11 Uhr

Weiterführende Informationen im Netz:

www.heiligenberg-klostermuehle.de

www.museumseisenbahn.de

www.forsthaus-heiligenberg.de

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+