Interview mit dem Wanderklaus „Man begreift die Natur buchstäblich“

Klaus Meyer ist passionierter Wanderer. Im Internet kennt man ihn und seinen Blog als Wanderklaus. Ein Gespräch darüber, warum Wandern wieder in ist.
23.05.2020, 05:44
Lesedauer: 2 Min
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„Man begreift die Natur buchstäblich“
Von Marc Hagedorn

Warum wandern, Herr Meyer?

Klaus Meyer: Das liegt bei uns in der Familie. Ich bin schon als Kind mit meinen Eltern viel gewandert, in und um Bremen, in Worpswede oder Syke zum Beispiel. Die meisten hören als Jugendliche damit auf. Sie sagen sich: Wandern? Bloß nicht, das ist was für Ältere.

Sie sind dabei geblieben. Warum?

Weil ich raus will aus der Stadt in die Natur.

Was macht das mit Ihnen, draußen zu sein?

Ich sitze normalerweise im Homeoffice, also am Schreibtisch. Ich bin für unser Unternehmen rund um den Globus mit der Welt verbunden. Wenn ich jedes Wochenende Wandern gehe, wird der Kopf wieder schön frei.

Welche Rolle spielt dabei das Naturerleben?

Ich nehme die Natur beim Wandern noch einmal ganz anders wahr. Das sagen Radfahrer zwar auch, sie sagen, dass sie sogar mehr sehen. Aber das empfinde ich anders. Zu Fuß ist man langsamer, man schaut noch genauer hin. Man begreift die Natur buchstäblich.

Das heißt was genau?

Man erfühlt sie. Man hebt mal ein Blatt auf, einen Stock. Zuletzt war ich unterwegs und habe so viele unterschiedliche Moosarten gesehen, verschiedene Formen, verschiedene Farben. Das kann man ertasten, man kann es fotografieren.

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Sie stellen Fotos mit ausführlichen Wegbeschreibungen ins Netz. Warum?

Ich mache das für mich, aber ich will auch den Leuten Geschmack aufs Wandern machen und sie in die Natur bringen. Ein-, zweimal im Monat mache ich auch Führungen.

Wie lang sind Ihre Touren?

Für mich selbst in der Regel zwischen 15 und 25 Kilometer. Zuletzt waren es ein paar Mal auch nur um die zwölf Kilometer. Das Gute an kürzeren Strecken ist, dass man damit mehr Leute ranholt.

Corona, so heißt es, sorge für eine Renaissance des Wanderns.

Die Renaissance des Wanderns gibt es nach meinem Empfinden schon seit ein paar Jahren. Aber es stimmt schon, dass es jetzt mit Corona noch einmal mehr geworden ist. Ich war neulich auf „Kempowskis Idylle“ unterwegs…

…einem Rundwanderweg im Teufelsmoor…

…da waren so viele Leute auf den Beinen, das war Wahnsinn. Das Interesse am Wandern merke ich auch am Feedback in meinem Blog. Die Leute laden sich Touren runter und wandern sie nach.

Warum haben die Leute Lust darauf?

Das frage ich mich auch. Vielleicht liegt es an einem Wunsch nach Entschleunigung, nach Ruhe in einer lauten und schnellen Welt. Ich glaube auch, dass der Klimawandel dazu beiträgt, dass wir alle uns der Natur wieder mehr bewusst werden, dass man im Urlaub oder in der Freizeit nicht mehr so weit weg strebt, sondern in der Nähe bleibt und die eigene Region schätzen lernt.

Zum Abschluss hätte ich noch drei Entweder-Oder-Fragen: lieber Asphalt oder Waldweg?

Waldweg, ganz klar, am liebsten schmale Pfade. Asphalt ist was für Fahrradfahrer. Ganz ohne Asphalt geht es zwar bei manchen Touren nicht, aber dann nur als Verbindungsetappe zwischen zwei Waldwegen.

Das Streckenprofil: hügelig oder platt?

Vollkommen egal. Man denkt ja immer, hier sei alles platt, aber es gibt bei uns auch hügelig. Die Bremer Schweiz zum Beispiel ist nicht ohne, auch Schwanewede. Oder Richtung Heide raus, Walsrode.

Wandern nach Ausschilderung, mit Karte in der Hand oder per App?

Da fehlt eine Option.

Und zwar?

GPS-Gerät. Ich arbeite inzwischen mit GPS. Ich habe eine Garmin-Armbanduhr, die ich am Handgelenk trage. Da ist die vorher geplante Tour abgespeichert.

Hightech beim Naturerleben.

Ich nehme normalerweise auch Karten mit. Karten sind schön, um den Überblick zu behalten.

Das Gespräch führte Marc Hagedorn.

Info

Zur Person

Klaus Meyer (60)

Der Bremer ist unter Wanderfreunden und im Internet als Wanderklaus bekannt. So heißt auch sein Blog im Netz: wanderklaus.de. Er arbeitet als Workforce-Manager in einem IT-Unternehmen.

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