Mieter im Hegeweg beklagen Zustände in ihren Wohnungen / Immobilien gehören der umstrittenen Vitus-Gruppe Warmes Wasser Fehlanzeige

In den 50-er Jahren wurden die Wohnblöcke im Hegeweg errichtet. Vermieter ist die Bremische, seit einiger Zeit Mitglied der international agierenden Vitus-Gruppe. Seit längerem regt sich bei einigen Mietern Unmut: Sie fordern eine Sanierung ihrer Wohnungen.
24.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Denker

In den 50-er Jahren wurden die Wohnblöcke im Hegeweg errichtet. Vermieter ist die Bremische, seit einiger Zeit Mitglied der international agierenden Vitus-Gruppe. Seit längerem regt sich bei einigen Mietern Unmut: Sie fordern eine Sanierung ihrer Wohnungen.

Lüssum. Der Hegeweg in Lüssum: Das klingt nach Natur und Idylle. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Trostlose Wohnblöcke reihen sich dort. Wer hier lebt, ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. muss zum Beispiel auf warmes Wasser in der Küche und am Waschbecken im Badezimmer verzichten. Häufig gibt es weder entsprechende Leitungen noch Warmwasserboiler. In den 50-er waren solche Gegebenheiten keine Seltenheit. Eine zeitgemäße Wohnungsausstattung sieht anders aus.

Auch der Keller des Hauses hält eine Überraschung bereit: Es gibt zwar einen so genannten Waschraum (wegen eines Wasserschadens mit einem großen Loch in der Decke), nur ist darin nicht eine einzige Steckdose zu finden. Den Strom für ihre Waschmaschinen besorgen sich die Mieter per Verlängerungsschnur aus ihren Kellerabstellräumen – Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Im Winter soll es auch durch das undichte Dach schneien. Durchregnen tue es sowieso.

Mängelliste ignoriert

Sicher haben sich die Mieter des Wohnblocks schon beim Vermieter beklagt. Vor zwei Jahren haben sie sogar eine Mängelliste auf den Weg gebracht, und aufgelistet, was ihrer Meinung nach dringend sanierungsbedürftig ist – zum Beispiel auch Stromleitungen, die über Putz liegen. "Es hat sich nie etwas getan", sagt Sabine Henken und deutet auf die riesigen, noch einfach verglasten Sprossenfenster im Hausflur: "Die gehen ganz schön auf unsere Heizkosten", glaubt die Frührentnerin.

Für ihre 58 Qudratmeter große Wohnung zahlt sie 379 Euro warm an die Bremische. Sie hat Glück, sagt Sabine Henken, dass sie ein neues Badezimmer bekommen hat. Die meisten Mieter haben noch eines aus den 50-er oder 60-er Jahren. Besitzer der Immobilie ist die Bremische Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH, kurz "Bremische". Früher städtische Wohnungsbaugesellschaft, ist sie seit Jahren Mitglied der Vitus-Gruppe aus Mönchengladbach, ein international tätiges Unternehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Vitus-Gruppe in Bremen ins Gerede kommt. Vor vier Jahren gingen bereits Einwohner aus Sebaldsbrück auf die Barrikaden. Beklagt wurden Risse und Löchern in den Außenwänden, kaputte Fußböden und Schimmel.

Im Internet-Auftritt wirbt die Bremische damit, seit mehr als 50 Jahren kompetenter Partner rund um die Immobilie zu sein. "Als traditionsreiches Bremer Unternehmen verfügt die Bremische über einen umfangreichen Erfahrungsschatz in Sachen Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Der Aufgabe, preiswert, qualitativ hochwertig und langlebig zu bauen, wurde sie immer wieder gerecht" behauptet das Unternehmen über sich.

Im Netz auskunftsfreudig, am Telefon unwirsch: Die Frage nach einem Sanierungskonzept kann der Prokurist der Bremischen, Thorsten Prietz, nicht beantworten. Konzepte gebe es immer, das sei Business. Überhaupt wolle er Fragen nicht am Telefon klären, "schicken Sie mir eine E-Mail".

Andernorts tut die Bremische momentan offenbar viel, um ihre Immobilien an neue Mieter zu bringen. Für ein gutes Dutzend Wohnungen am Lüssumer Ring wirbt das Unternehmen im Internet mit einem 500-Euro-Gutschein für einen Baumarkt oder mit kostenlosen, neuen Kinderzimmermöbeln bei Vertragsabschluss. Die Kinderzimmer werden hier und da sogar ein Jahr lang aus dem Mietpreis herausgerechnet. Sogar Umzüge in den Lüssumer Ring werden von der Bremischen finanziert.

Es ist etwa knapp acht Jahre her, als der damalige Bremer Bausenator Jens Eckhoff, CDU, prognostizierte, dass im Jahr 2015 rund 440 Wohnungen in Lüssum-Bockhorn leer stehen würden. Um dem entgegenzuwirken, hatte Eckhoff gemeinsam mit den großen Bremer Wohnungsbaugesellschaften im Haus der Zukunft eine Absichtserklärung unterzeichnet: Lüssum soll kleiner, aber feiner werden, hieß es. Aufgabe der Gesellschaften solle sein, den Bestand an Häusern und Wohnungen aufzuwerten, aber auch Wohnungen abzureißen.

Grundlage für diese Überlegungen war eine Studie eines Hamburger Instituts. Der prognostizierte Leerstand soll sich auf das Gebiet Lüssumer Ring, das Hochhaus in der Bürgermeister-Kürten-Straße sowie den Hegeweg konzentrieren.

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