Warten auf Corona-Impfung Ansturm auf neue Bremer Impfkommission

Warten auf die Impfung: Was das für schwerkranke Menschen bedeutet. Ein Betroffener berichtet. In Bremen erlebt die neue Impfkommission einen Ansturm von Menschen, die bevorzugt geimpft werden möchten.
10.02.2021, 21:42
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Ansturm auf neue Bremer Impfkommission
Von Sabine Doll

Fast fünf Jahre ist es her, dass Waldemar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dem „Tod gerade so von der Schippe gesprungen ist“, wie er sagt. Der Bremer war damals an einer schweren Lungeninfektion erkrankt, Auslöser waren Legionellen – Bakterien, mit denen man sich durch eingeatmeten Wassernebel infizieren kann. Waldemar arbeitete damals in einem großen Betrieb im Bremer Westen, wo es seit Ende 2015 bis in den März des Folgejahres Legionellen-Ausbrüche gab. Drei Menschen starben, mehr als 40 erkrankten. Als Quelle, die bis heute nicht gefunden wurde, vermuteten die Behörden die Kühlanlage eines Betriebs.

Waldemar erzählte dem WESER-KURIER bereits Ende April 2016 die Geschichte seiner Erkrankung, unter deren Folgen er bis heute leide. „Ich wurde per Rettungshubschrauber in die Uniklinik nach Göttingen gebracht, weil es nur dort ein spezielles Beatmungsgerät für die Lunge gab“, sagt er. „Auch andere Organe drohten wegen eines septischen Schocks zu versagen, ich musste wiederbelebt werden, lag im künstlichen Koma. Beinahe hätte ich es nicht geschafft.“

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Der heute 62-Jährige hat es geschafft. Seine Lunge sei aber durch die Infektion und frühere Entzündungen geschädigt. „Ich bin Risikopatient. Und ich habe große Angst davor, dass ich eine Corona-Infektion und eine Covid-Erkrankung nicht überleben würde.“ Bei Covid-19 könne es zu einem Lungenversagen kommen. „Deshalb habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, um eine frühere Impfung zu bitten“, sagt er. Sein Arzt teile diese Sorge und habe ihn dabei unterstützt, einen entsprechenden Antrag bei der neu eingerichteten Impfkommission zu stellen.

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Waldemar ist einer von etwa 1000 Bremerinnen und Bremern, die sich an die Kommission gewandt haben. Ende Januar hat das vierköpfige Gremium die Arbeit aufgenommen. Anlass dafür: „Die Priorisierungen und die Gruppen in der Impfverordnung sind leider sehr weit gefasst und bilden nicht alle Krankheitsbilder sowie Impfindikationen ab“, sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfehle zudem, auf bestimmte Einzelfälle gesondert einzugehen und diese eventuell höher zu priorisieren.

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Einen Antrag können nur bestimmte Menschen stellen: Jene, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf bei einer Corona-Infektion hätten – und die in absehbarer Zeit auch laut der aktualisierten Impfverordnung nicht an der Reihe wären. Laut dem Sprecher hat die Kommission in der vergangenen Woche erstmals getagt und die ersten 15 Anträge beschieden – ein Drittel davon positiv. Diese fünf Menschen würden bevorzugt geimpft.

Medizinische und medizin-ethische Gesichtspunkte

„Das Gremium trifft Einzelfallentscheidungen“, sagt Fuhrmann. Ein festes Schema könne es bei dem „hochsensiblen Thema“ nicht geben. Ausschlaggebend seien medizinische und medizin-ethische Gesichtspunkte, die abgewogen würden. Dies sei die Herausforderung – und eine große Verantwortung. „Am Ende ist es so, dass einer anderen Person die Chance auf eine Impfung zunächst genommen wird“, so der Sprecher.

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Bei den 1000 Zuschriften seien allerdings sehr viele dabei gewesen, die die Grundvoraussetzung für einen Antrag nicht erfüllten. Teilweise hätten sich ganze Verbände gemeldet. Oder Menschen, die bald geimpft würden. Ältere Personen etwa Anfang 80 Jahre, die zur ersten Impfgruppe gehörten und demnächst ihre Einladung bekämen. Die Benachrichtigungen an die 80- bis 85-Jährigen seien wegen des knappen Impfstoffs bislang nicht verschickt worden. Fuhrmann: „Das kommt aber als nächstes.“ Häufig fehlten auch ärztliche Unterlagen.

Waldemar hat seinen Antrag am 3. Februar per Mail verschickt, am selben Tage habe er eine Eingangsbestätigung erhalten. „Natürlich hoffe ich auf eine positive Antwort. Ich weiß aber auch, dass es viele sehr schwer erkrankte und gefährdete Menschen gibt, die bevorzugt geimpft werden sollten“, sagt der 62-Jährige.

Weitere Informationen

Informationen zur Impfkommission gibt es auf der Internetseite der Gesundheitsbehörde: gesundheit.bremen.de (Rubrik: Corona-Informationsseite).

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