Überversorgung ist kein Garant für schnelle Behandlung Wartezeiten trotz Ärzteschwemme

Bremen. In Bremen gibt es zu viele Ärzte: Einem vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erstellten Gutachten zufolge könnte Bremen auf 150 Praxen verzichten. Die Bremer Wartezimmer sind jedoch trotz Überversorgung voll.
13.07.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Carolin Küter

Bremen. In Bremen gibt es zu viele Ärzte: Einem vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erstellten Gutachten zufolge könnte Bremen auf 150 Praxen verzichten. Durch ein neues Versorgungsgesetz sollen sie stillgelegt werden, wenn die Ärzte in den Ruhestand gehen.

Die Bremer Wartezimmer sind jedoch trotz Überversorgung voll, Patienten warten wochenlang auf einen Termin beim Psychotherapeuten oder Orthopäden. Wie passt das zusammen? Die im Gutachten verwendeten Daten entsprächen nicht den aktuellen Bedürfnissen der Patienten, so Anette Drewes-Kirchhoff von der Unabhängigen Patientenberatung Bremen. Sie erklärt: "Wenn vor 20 Jahren der Arzt gesagt hat: ,Wir operieren', dann hat der Patient das machen lassen. Heute geht er zum nächsten Arzt und holt eine zweite Meinung ein."

Doch nicht nur deswegen steige die Zahl der Arztbesuche: Die Menschen werden immer älter und haben immer häufiger mehrere Erkrankungen gleichzeitig, so Drewes-Kirchhoff. Auch ob Ärzte über das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß hinaus Kassenpatienten aufnehmen, bestimme deren Wartezeiten. Um den Bedarf an Arztpraxen zu ermitteln, wird die Einwohnerdichte pro Arzt betrachtet. Das sei nicht zuverlässig, wenn in Städten wie Bremen viele Patienten auch aus dem Umland kämen, erklärt die Sprecherin.

"Die Bedarfsplanung ist ungenau", sagt auch Christoph Fox von der Kassenärztlichen Vereinigung. Maßgebliche Faktoren wie der demographische Wandel, die räumliche Verteilung der Praxen auch innerhalb eines Planungsbezirkes wie Bremen und die Häufigkeit, mit der Menschen zum Arzt gehen, seien nicht berücksichtigt worden.

"In Deutschland macht jeder Patient durchschnittlich 18-mal im Jahr einen Arztbesuch", nennt der Sprecher ein von der GKV vernachlässigtes Kriterium. Christoph Fox stellt in Frage, ob überhaupt von einer Überversorgung gesprochen werden kann.

Anfang 2012 tritt die Novelle des Versorgungsstrukturgesetzes, dem die Bremer Praxen zum Opfer fallen könnten, in Kraft. Bis jedoch eine aussagekräftige Analyse vorliege, die den Bedarf an medizinischer Versorgung darstelle, könne es noch gut ein weiteres Jahr dauern, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Ob und inwiefern zur Prüfung des Bedarfs dann neben dem Verhältnis von Arzt und Einwohnern auch die oben genannten Kriterien eine Rolle spielen, sei noch unklar.

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