Nachwuchs im Zoo am Meer Warum der Eisbär nicht friert

Bremen. Für die Eisbären im Bremerhavener Zoo am Meer wäre eine Rückkehr des Winters kein Problem. Sie können die eigene Wärme nämlich besonders gut speichern. Zu viel Körperwärme kann indes schnell gefährlich werden.
11.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Warum der Eisbär nicht friert
Von Klaas Mucke

Der Winter lässt nach, die Menschen freuen sich dieser Tage über mildere Temperaturen. Für die drei Eisbären im Bremerhavener Zoo am Meer wäre eine Rückkehr von Schnee und Eis jedoch kein Problem. Denn sie sind an solche Temperaturen angepasst und können die eigene Wärme besonders gut speichern. Zu viel Körperwärme kann allerdings schnell gefährlich werden.

Natürlich friert ein Eisbär nicht. Das Eis ist seine Heimat, Kälte sein Alltag. Derzeit liegt der Eisbären-Nachwuchs im Zoo am Meer in der Wurfhöhle, eng an seine Mutter Valeska gekuschelt, und hat es für seine Verhältnisse mollig warm. Doch auch wenn es bald ins Freigehege geht, wäre ein Wintereinbruch für ihn kein Problem. Im natürlichen Lebensraum seiner Artgenossen herrschen im Schnitt minus 30 Grad im Winter. Im Sommer wird es in der Arktis kaum wärmer als zehn Grad Celsius. Seine perfekte Anpassung an das Leben am Nordpolarmeer ermöglicht es dem Eisbären, seine Körperwärme auf verschiedene Weise zu speichern. Das führt dazu, dass er lieber langsam und gemächlich durch die Arktis streift.

Großer Körper

Der Eisbär ist von allen Bären das größte Exemplar – größer noch als der Grizzly, der auch als Braunbär bekannt ist. Selbst der Große Panda ist kleiner. Diese Tiere leben allerdings auch nicht so weit im Norden wie der Kollege aus dem Eis. Es ist ein Phänomen, das sich häufiger in der Tierwelt beobachten lässt und auch im Falle des Eisbären zu greifen scheint: Die Statur von Tieren wird größer, je näher man vom Äquator zu den Polen kommt.

Der Grund dafür: Je größer der Körper, desto geringer wird im Verhältnis dazu dessen Oberfläche, von der die Wärme abstrahlen kann. Das Phänomen beobachtete im Jahr 1847 der deutsche Arzt und Zoologe Carl Bergmann. Bekanntestes Beispiel der sogenannten Bergmannschen Regel sind die Pinguine. Auf Äquatorhöhe auf den Galapagos-Inseln sind sie mit teilweise unter 50 Zentimetern besonders klein, während in der Antarktis die bis zu 1,30 Meter großen Kaiserpinguine leben. Die speichern ähnlich wie der Eisbär am Nordpol in ihrem massigen Körper die Wärme.

Kleine Ohren, kurzer Schwanz

Anders als bei den großen Körpern verhält es sich mit den Körperanhängen: Ohren, Schwanz oder auch Arme und Beine sind in der Regel kleiner ausgeprägt, je weiter man sich den Polen nähert. Über diese Körperanhänge wird viel Wärme aus dem Körperinneren nach außen abgegeben. Daher sind auch die Ohren und der Schwanz des Eisbären klein. Ein bekanntes Beispiel für diese nach dem amerikanischen Vogelkundler Joel Allen benannten Regel sind verschiedene Fuchsarten. Der kleine Wüstenfuchs, in der Sahara und der arabischen Halbinsel zu Hause, fällt besonders durch seine großen Ohrmuscheln auf: Sie sind wesentlich größer als die seines auch in Deutschland bekannten Verwandten, des Rotfuchses. Noch kleiner sind die Ohrmuscheln beim Polarfuchs ausgebildet.

Für den Eisbären gilt also eine Kombination aus Allenscher Regel und Bergmannscher Regel – sie sorgt für wenig Wärmeabgabe an die Umwelt. Damit die Wärme aber auch über die Haut nicht nach außen dringt, hat der Eisbär ein besonders dichtes Fell. Unter der Haut befindet sich zudem eine etwa zehn Zentimeter dicke Fettschicht. Die Folge: Selbst Infrarotkameras konnten zeigen, dass der Wärmeaustausch vorrangig über Augen und Nasen passiert – die Stellen, an denen der Körper nicht mit Fell bedeckt ist. Ansonsten ist der Eisbär auf derartigen Aufnahmen praktisch nicht zu erkennen.

Apropos Fell: Es ist gar nicht weiß, es sieht nur so aus. Die Haare sind durchsichtig und innen hohl. Reflexionen des Sonnenlichts sorgen dafür, dass es weiß erscheint, sodass die Eisbären perfekt getarnt sind.

Im Gegensatz zum Fell ist die Haut unter dem Eisbärenfell schwarz. Schwarze Flächen absorbieren Licht bedeutend besser als weiße Flächen. Die Frage war bloß: Wie dringt das Licht auf die Haut? Bis in die 1990er-Jahre wurde angenommen, dass die hohlen Haare das Licht auf die Haut leiten, sodass sich der Körper darunter stärker erwärmt. Weitere Forschungen haben allerdings gezeigt, dass die Haare eine solche Funktion nicht übernehmen. Dennoch: Dadurch, dass die Haare durchsichtig sind, dringt das Licht der Sonne, die in der Arktis nur selten scheint, bis zur schwarzen Haut vor. Die Hohlräume im Fell isolieren den Körper stärker von der ihn umgebenden Kälte. Selbst die Tatzen sind noch von Fell überzogen, sodass auch sie gegen Kälte geschützt werden.

Hitze als Problem

Auf dem Eis bewegt sich der Eisbär in der Regel langsam und gemächlich. Zwar kann das 300 bis 500 Kilogramm schwere Tier bei der Jagd mit 40 Kilometern pro Stunde ordentlich an Fahrt aufnehmen, allerdings hitzt sich dadurch seine Körpertemperatur stark auf. Die Gefahr: Der Eisbär droht zu kollabieren, weil die Hitze kaum entweichen kann.

Abhilfe kann dann ein kühles Bad im Wasser schaffen. Und das gibt es auch für Valeska, Lloyd und ihren Nachwuchs im Zoo am Meer.

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