Christopher Street Day in Bremen Warum die Regenbogenflagge nicht vor der Bürgerschaft wehte

Am Sonnabend sollte anlässlich des Christopher Street Days am Haus der Bremischen Bürgerschaft eine Regenbogenflagge gehisst werden. Doch die Aktion fiel aus. Jetzt erklärt die Bürgerschaft warum.
28.08.2017, 15:09
Lesedauer: 2 Min
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Warum die Regenbogenflagge nicht vor der Bürgerschaft wehte
Von Lisa Schröder

Der Mast ist kahl geblieben. Am Sonnabend sollte anlässlich des Christopher Street Days (CSD) die Regenbogenflagge vor dem Haus der Bremischen Bürgerschaft gehisst werden. Dazu hatten Linke, SPD, Grüne und FDP in der vergangenen Woche einen Antrag gestellt. Doch entgegen der Ankündigung der Fraktionen passierte am Ende nichts. Das sorgte für Verwunderung – und Enttäuschung.

Es habe eine Verkettung unglücklicher Umstände beim zuständigen Sicherheitsdienst gegeben, erklärte Bürgerschaftssprecher Horst Monsees am Montag. Der Mitarbeiter, der sich um die Regenbogenflagge habe kümmern sollen, sei kurzfristig krank geworden. Sein Vertreter habe allerdings die Aufgabe nicht übernommen. Erst als es zu spät gewesen sei, habe man den Fehler bemerkt. "Das tut uns wahnsinnig leid und war bestimmt keine Absicht. Das war schlichtweg eine Organisationspanne." In den sozialen Netzwerken sei die Bürgerschaft wegen der fehlenden Flagge jedoch indirekt sogar als homophob beschimpft worden. "Das ist schon ziemlich unredlich. Darüber sind wir entsetzt."

Aus den Medien erfahren

Robert Dadanski vom Verein CSD Bremen hatte die bunte Demonstration am Sonnabend mit organisiert. Über den Fauxpas der Bürgerschaft ist er enttäuscht. Vor allem stört ihn jedoch, dass das Bremer Rathaus eine Regenbogenflagge komplett ausschloss und der Marktplatz deshalb am Ende überhaupt kein Zeichen der Solidarität setzte. Auf eine entsprechende Anfrage des Vereins habe man dort nicht reagiert: "Wir warten bis heute." Von der Absage des Rathauses habe er schließlich aus den Medien erfahren.

"Am Rathaus dürfen nur Hoheitszeichen gehisst werden", erklärt Birgitt Rambalski, Chefin des Protokolls im Rathaus, warum es keine Regenbogenflagge gab. Staatsbesuche, Feierlichkeiten, Gedenktage oder ein Trauerakt könnten Anlass für das Hissen einer Flagge sein. Die Regenbogenflagge sei dagegen Privatsache. Das Argument hält Dadanski jedoch für eine Ausrede und fragt: "Warum darf dann die Werderflagge am Rathaus wehen?" "Werder ist die Ausnahme", entgegnet Rambalski. Aus Tradition hänge die Flagge am Rathaus zu Meister- oder Pokalfeier. Sonst müssten die Regeln aber klar vertreten werden.

Dadanski kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Das trifft uns einfach. Das kennen wir aus anderen Städten ganz anders. In Hamburg gab es Fahnen am Rathaus." Kai Wargalla versteht diese Gefühle. Die Grünen-Chefin nahm selbst an der Demo teil und zeigte sich bei Twitter irritiert ob der fehlenden Flagge. "Das hat die Veranstaltung getrübt." Linke, SPD, Grüne und FDP reagierten am Montag mit einer gemeinsamen Presseerklärung. Nicht nur die Teilnehmer des CSD, sondern auch sie seien über den Umstand enttäuscht, heißt es darin. Die Fraktionen kündigten an, einen Ersatztermin zu beantragen, um noch in diesem Jahr ein „klares Signal" zu setzen: Am Gedenktag „Coming Out Day“ am 11. Oktober soll die Regenbogenflagge am Haus der Bürgerschaft dann tatsächlich gehisst werden.

Der Artikel wurde um 19.53 Uhr aktualisiert.

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