In Gummistiefeln zum Gipfel

Warum ein Bremer die höchsten Berge aller Kontinente erklimmt

Die höchsten Gipfel der sieben Kontinente bezwingen und dabei Spenden für eine Hilfsorganisation sammeln – das ist das Ziel eines 42-jährigen Bremers. Der vierte Berg war seine bisher größte Herausforderung.
18.02.2019, 19:59
Lesedauer: 2 Min
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Von Kim Torster und Emily Greiner
Warum ein Bremer die höchsten Berge aller Kontinente erklimmt

Nicolas Scheidtweiler und der Rest der Gruppe, mit der der Bremer die Carstensz-Pyramide in Papua erklommen hat.

7summits4help

Als am 2. Oktober 2018 um 4.30 Uhr Nicolas Scheidtweilers Wecker klingelte, trennte ihn nur noch eine etwa 700 Meter hohe Felswand vom Gipfel des höchsten Bergs Ozeaniens, der Carstensz-Pyramide in Indonesien. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was zu diesem Zeitpunkt schon hinter ihm lag.

Fünf Tage und bis auf etwa 4000 Meter war der 42-jährige Bremer zuvor gemeinsam mit einer kleinen Gruppe inklusive Führer durch den Dschungel gewandert, der den Berg umgibt. Ein kleines Flugzeug hatte ihn zuvor von Bali nach Papua, eine von zwei Provinzen in Westneuguinea, gebracht. Allein die Flugreise von Deutschland nach Papua dauerte alles in allem beinahe zwei Tage, sagt Scheidtweiler. Die Felswand brachte er dagegen innerhalb weniger Stunden hinter sich: Um 10.30 Uhr erreichte er den Gipfel.

Es ist der vierte Gipfel der sogenannten Seven Summits, also der jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, den Scheidtweiler seit 2016 bestiegen hat. In seinem ersten Jahr erkletterte er sowohl den höchsten Berg Europas, den Elbrus im Kaukasus in Russland, als auch den höchsten Gipfel Afrikas, den Kilimandscharo in Tansania. 2017 folgte der Aconcagua in Argentinien, 2018 die Carstensz-Pyramide.

Klettern für den guten Zweck

Der Unternehmer hat sich als eigenes Ziel gesetzt, alle sieben Gipfel zu besteigen. Die damit verbundene Aufmerksamkeit nutzt er für sein Hilfsprojekt: 7summits4help sammelt Spenden für die Organisation German Doctors, ein Verein, der in medizinischen Notstandsgebieten von Entwicklungsländern, zumeist in Slums von Großstädten oder in abgelegenen ländlichen Regionen, tätig ist.

Seit kurzem hat Scheidtweiler einen weiteren Mitstreiter: Wolfgang Gründinger aus Berlin möchte die Annapurna-Circuit-Trekkingroute im Himalaya-Gebirge wandern und damit ebenfalls Spenden für das Projekt sammeln. Gründinger habe über eine gemeinsame Freundin von 7summits4help gehört und dann beschlossen, sich dem Projekt anzuschließen, sagt Scheidtweiler. Ihn freue das sehr – Ziel sei es, die Organisation durch weitere Mitstreiter zu vergrößern und möglichst auch noch nach erfolgreicher Besteigung aller sieben Gipfel weiterzuführen. Knapp 29 000 Euro hat German Doctors dank Scheidtweiler bislang eingenommen.

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Natürlich würden ihn vor allem die persönlichen Herausforderungen motivieren, denen er sich während der Vorbereitung und des Besteigens immer wieder stellen muss, sagt er. Aber er freue sich, wenn er damit auch etwas Gutes tun könne. Die Carstensz-Pyramide bezeichnet Scheidtweiler als sein bisher größtes Abenteuer. Die Tour durch den Dschungel sei die eigentliche Herausforderung dieser Reise gewesen. Seit der Landung auf Papua habe er nur noch Gummistiefel getragen – bis zum Gipfel-Aufstieg. Infrastruktur sei in der Provinz kaum vorhanden, regierungsfeindliche Rebellen kontrollieren die Region.

Carstensz-Pyramide selten bestiegen

Die Carstensz-Pyramide ist fast 4900 Meter hoch. Damit ist sie der niedrigste Gipfel der Seven Summits, aber laut Scheidtweiler auch der, der am seltensten bestiegen wird. Im Jahr 2018 machten nur etwa 35 Personen den Aufstieg. Das dürfte wohl auch an den schwierigen Anreisebedingungen liegen.

Bis 2022 möchte Scheidtweiler die restlichen drei Gipfel erklimmen. Im Juni 2020 ist der knapp 6200 Meter hohe Denali in Alaska dran. Hierfür muss Scheidtweiler nicht nur Skifahren können, sondern auch das Eisklettern beherrschen. Beides lerne er derzeit noch, sagt er. Und was auch neu sein wird: Scheidtweiler will den Gipfel dieses Mal auf eigene Faust erklimmen. Hierfür sucht er derzeit noch nach Komplizen. Wer den Denali mit ihm bezwingen möchte, möge sich über 7summits4help.com bei ihm melden, sagt er.

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