Im Grünen Bereich Warum ich noch keine vier Millionen Euro will

In der jüngsten Gartenkolumne erklärt unsere Autorin, warum sie jetzt noch keine vier Millionen Euro haben will und was das alles mit einem Johanniskäfer und Pfefferminzblättern zu tun hat.
24.08.2019, 19:40
Lesedauer: 2 Min
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Warum ich noch keine vier Millionen Euro will
Von Pascal Faltermann

Gestern Nacht hatte ich einen seltsamen Traum. Sie werden es nicht glauben, aber ich träumte, dass ich auf unserem Gartenweg einen leuchtenden Johanniskäfer traf, der mir ein Bündel Pfefferminzblätter überreichte und zu mir sagte: „Mach dir doch mal ein erfrischendes Getränk oder hast du eine Minz-Into­leranz?“

Ich fand den Traum so merkwürdig, sodass ich mich im Internet auf die Suche nach seiner Bedeutung machte. Praktisch alles, was man träumt, scheint irgendeinen tieferen Sinn zu haben. Sogar, wenn man im Schlaf seine Hecke schneidet: Man sehnt sich dann nach einem Menschen. Vermutlich einem Landschaftsgärtner.

Das Minzgetränk, erfuhr ich auf einschlägigen Traumdeutungsseiten, sollte mir zeigen, dass ich bald einen interessanten Menschen kennenlernen würde und der Johanniskäfer warnte mich davor, dass ein Geheimnis an Licht käme. Glauben Sie es oder lassen Sie es bleiben: Aber ich saß am nächsten Morgen keine fünf Minuten in der Redaktion, als die E-Mail einer 20-jährigen Waise aus den Niederlanden eintraf, die mich um Hilfe bat. „Ich habe vier Millionen sechshunderttausend Euro von meinem verstorbenen Vater geerbt. Ich möchte diesen Fonds in eine gute Unternehmensinvestition in ihrem Land investieren und ich möchte, dass sie mir helfen, damit sie dieses Geschäft führen können, bis ich meine Bildungskarriere in ihrem Land abgeschlossen habe. Ich werde sie für ihre Hilfe entschädigen ... alle jährlichen Gewinne werden bis zum Ablauf von zehn Jahren 60/40 geteilt.“

Irre wie diese Traumdeutungssache ­funktionierte. Gestern wusste ich noch nichts von diesem Erbe und schon stand ich kurz davor, mich auf dem globalen Finanzmarkt zu tummeln. „Ist das vielleicht so eine Phishing­mail, vor denen die Verbraucherzentrale warnt?“, fragte mein Mann. Die E-Mail-Schächte wimmelten heutzutage nur so vor Betrugsversuchen, um an Daten zu kommen. Aber dann hätte die junge Frau sicher nicht geschrieben: „Ich garantiere, dass diese Transaktion 100 Prozent legal ist.“

Es erschien mir ein vernünftiger Rat zu sein, eine Nacht drüber zu schlafen, ob ich mich künftig mit Anlagestrategien für 4,6 Millionen Euro herumschlagen wollte. Für Laien ein nicht ganz unkompliziertes Betätigungsfeld. In dieser Nacht sah ich im Schlaf lauter Maulwurfshügel auf meinem Rasen. Und das konnte ich mir schon im Traum denken, dass das ein ganz schlechtes Zeichen ist.

Ich gehe nun immer sehr zeitig zu Bett. Ich will jetzt unbedingt von einem Vogel mit langen Federn träumen. Wenn das passiert, komme ich auch ohne die vier Millionen auf einen grünen Zweig.

Info

Zur Sache

Martin Renz von der Stadtbibliothek Bremen empfiehlt:

Vieles von dem, was an Literatur zum Thema „Traumdeutung“ kursiert, zählt ja eigentlich eher zu den Sachgebieten „Hokuspokus für Anfänger“ oder „heiteres Beruferaten“. Wer’s mag, wird sicher fündig im „Lexikon der Traumsymbole“ von Hanns Kurth (Heyne). Von A wie Aal bis Z wie Zypresse findet man hier zu jedem Symbol eine Erklärung. Und sicher auch etwas bei P wie Phishing und G wie Glühwürmchen. Anders als Kurth, nämlich psychotherapeutisch fundiert und dementsprechend ernst zu nehmen, sind da schon Bücher wie „Was macht der Eisbär in meinem Bett?“ von Margarethe Letzel (Nymphenburger 2018). Hier geht es weniger um den Blick in die Glaskugel als um den Blick auf eigene Wünsche und Ängste und darum, wie Träume dabei helfen können, sie besser zu verstehen.

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