Priviligiert gelebt, mit Armut konfrontiert Warum sich eine Bremerin in Südafrika engagiert

Südafrika ist für die 17-jährige Janna Bamberger zur zweiten Heimat geworden. Die Bremerin hat dort bis 2018 in einem Waisenhaus gearbeitet und persönlich den Erlös eines HGB-Spendenlauf übergeben.
12.02.2020, 06:05
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Warum sich eine Bremerin in Südafrika engagiert
Von Frauke Fischer

Das Pendeln zwischen zwei Welten will Janna Bamberger beibehalten, denn Südafrika ist zu ihrer zweiten Heimat geworden. Bis 2018 hat die 17-Jährige dort mit ihrer Familie in East London gelebt. In der 270.000-Einwohner Stadt am Indischen Ozean hat sie in einem Waisenhaus der Hilfsorganisation „Geensleeves Children's Trust“ in der Kinderbetreuung geholfen.

Im vergangenen Jahr war die Bremer Oberstufenschülerin erneut da. Sie wollte bewusst auf „alten Spuren“ wandeln und die 5000 Euro Erlös des Spendenlaufs der Arbeitsgemeinschaft „HGB für Menschen“ am Hermann-Böse-Gymnasium persönlich übergeben. „So konnte ich vor Ort erkunden, wie sich die private Einrichtung entwickelt hat und was mit dem Geld aus Bremen passiert.“

Waisenhaus für 48 Kinder

Seit ihrer Arbeit hat sich im Waisenhaus viel verändert. „Mit Hilfe von Spenden und Stiftungen konnten kleine Hütten gebaut werden, die als einzelne Klassenräume dienen“, berichtet Janna Bamberger. So hat das Waisenhaus seine eigene Grundschule. Auf dem Gelände gibt es nun auch zwei Safehouses mit je zwei Schlafzimmern mit acht bis zehn Schlafplätzen, sagt die junge Hornerin, eins für Jungen und eins für Mädchen. Die Kleineren würden von „House Moms“ betreut, während die älteren Waisen selber für Ordnung in ihrem Zimmer zuständig seien.

In dem Waisenhaus können insgesamt 48 Kinder und Jugendliche in einem familiären Umfeld aufwachsen. Sie werden von Sozialarbeitern und Therapeuten betreut, um das Trauma ihrer Vergangenheit zu überwinden. Dieses Wissen über das Greensleeves-Projekt hat die HGB-Arbeitsgruppe dank des Direktkontakts und der entscheidenden Impulse von Janna Bamberger dazu bewogen, das Waisenhaus dauerhaft durch den Spendenlauf zu unterstützen.

Lesen Sie auch

Aus der Arbeitsgemeinschaft hat sie sich jetzt zurückgezogen. „Das Abi steht nun an erster Stelle“, sagt Bamberger, die ihren Teil zum Einwerben der Spenden beigetragen hat, die sie in East London übergeben konnte. Dorthin ist ihre Familie seinerzeit gezogen, weil ihr Vater dort beruflich tätig war. „Als ich zehn Jahre alt war, also in der vierten Klasse, bin ich mit meiner Familie an die südafrikanische Küste gezogen. Unser neues Zuhause war East London“, so die 17-jährige Hornerin.

Privatschule sehr gefallen

Das rund 1000 Kilometer östlich von Kapstadt liegende East London gehört zu einer der größeren Städte des Landes. Das Schulleben an einer privaten Schule hat sich nach Janna Bambergers Erfahrung sehr vom deutschen staatlichen Schulwesen unterschieden. „Zum Beispiel haben wir Uniform getragen, und es gab schulinterne Sportmannschaften“, erzählt sie. „Mir haben diese Regelungen sehr gefallen, da es ein richtiges Einheitsgefühl unter den Schülern gab und ein familiäres Umfeld geschaffen wurde.“

Wegen des Klimas gab es viele schulische Events am Strand oder in der wilden Natur. "Für mich war das Schulleben sehr angenehm und entspannt", erinnert sich die Hornerin gern zurück. An langen Wochenenden oder in den Ferien konnte sie das Land weiter kennenzulernen und schwärmt "von den Bergen, der Flora und dem blauen Wasser Kapstadts oder der wilden Küste der Transkei.

Lesen Sie auch

„In den sechs Jahren, die ich dort mit meiner Familie verbrachte, habe ich sehr vieles gesehen, gelernt und mitgenommen. Ich habe Menschen aus den verschiedenen Kulturen kennengelernt und ins Herz geschlossen“, sagt die 17-Jährige. Durch diese Kontakte habe sie großen Einblick in die vielfältigen Kulturen in verschiedenen Teilen Südafrikas bekommen, gleichzeitig viel über die Apartheid und Geschichte des Landes erfahren.

Mit der Politik vertraut

„Ich bin mit der heutigen politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes sehr vertraut und kann mir mithilfe meiner eigenen Erfahrungen ein gutes Bild vom Land machen, von Problemen, die es noch gibt und inwiefern die Politik diese bekämpft oder nicht.“ Janna Bamberger hat mit ihrer Familie privilegiert gelebt, wurde dennoch täglich mit Armut konfrontiert. „Mein Schulweg hat an einem sehr armen Township vorbeigeführt“, erzählt sie. Und aus dem Fenster des klimatisierten Autos hat sie gesehen, „wie fünfzehn Kinder eine alte Matratze am Straßenrand als Trampolin benutzten, und zwei Kinder sich ein paar Fußballschuhe teilten.“ Das alles sei für sie eine traurige, aber wichtige Erfahrung gewesen. „Heute weiß ich, dass viele Sachen, die die meisten als normal ansehen, nicht selbstverständlich sind, und ich unglaublich dankbar für alles bis, was ich habe“, weiß die 17-Jährige. Oft wird sie gefragt, ob sie Südafrika vermisse. „Ja, natürlich“, sagt sie dann. „Aber hier ist meine echte Heimat.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+