Auch Wirtschaftsbehörde hat Ideen Was aus dem Wall werden könnte

Nachdem der WESER-KURIER Visionen vom Wall zusammengetragen hat, zeigt sich: Auch in Behördenbüros wird überlegt, wie die Straße so schnell wie möglich aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden kann.
07.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Was aus dem Wall werden könnte
Von Frauke Fischer

Was könnte alles getan werden, um die Straße Am Wall und die angrenzenden Wallanlagen großstädtisch zu beleben? Blumenkübel auf der Straße, dazwischen Bänke, Tische und Stühle von Cafés und Restaurants. Das würde den Autoverkehr verlangsamen – wenn er dort denn nach der derzeitigen Sperrung überhaupt je wieder in gewohnter Weise durchgeführt werden soll.

Möglich wären auch eine temporäre Fußgängerzone nach dem Vorbild an der Schlachte und eine Neuordnung der Parkplätze. Nachdem der WESER-KURIER Visionen vom Wall zusammengetragen hat, zeigt sich: Auch in Behördenbüros wird überlegt, wie der Wall so schnell wie möglich aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden kann.

Aus einem internen Arbeitspapier der Wirtschaftsbehörde lässt sich herauslesen, dass die schnelle Attraktivitätssteigerung von Wall und Wallanlagen Vorrang bekommen soll. Das würde das Ressort sogar gern im Koalitionsvertrag absichern. Noch in diesem Jahr will Senator Martin Günthner (SPD) demnach 60 000 Euro bereitstellen, um ein Signal zu geben. Wofür das Geld ausgegeben werden soll, sollen Vertreter von Wirtschaftsförderung, City-Initiative und Wall-Werbegemeinschaft umgehend gemeinsam beraten.

Die Verkehrsbehörde mahnt

Der 6. Mai, der Tag, an dem Am Wall das traditionsreiche Geschäftshaus Harms ausbrannte, hat den entscheidenden Impuls gegeben. Seitdem ist der Abschnitt zwischen Ostertor und Herdentor für den Autoverkehr gesperrt. Zum einen fürchten Geschäftsleute und andere Anrainer nun, dass ihre Straße durch zu lange Abnabelung komplett in Vergessenheit gerät. Zum anderen zeigt sich: Richtig große Staus auf den Umgehungen bleiben aus. Befürworter der jetzigen Situation behaupten sogar, man würde gar nicht merken, dass die West-Ost-Verbindung derzeit fehlt. Aus der Verkehrsbehörde kommt indes die Mahnung, man könne nicht allzu lange auf die wichtige Trasse verzichten. Über sie würden täglich durchschnittlich 12.000 Autos rollen.

Aber ob die Autofahrer sie auch brauchen? Auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Die Vorschläge aus der Wirtschaftsbehörde spielen sogar „eine Unterbindung des Durchgangsverkehrs am Wall“ durch. Klar ist: Mit einer tragfähigen Verkehrslösung steht und fällt die weitere Belebung. Wenn es leichter wird, den Wall zu queren, lassen sich Wege in die Wallanlagen hinein und durch diese hindurch in die Straße Fedelhören, Richtung Bahnhof, aber auch ins Ostertor und umgekehrt verbessern. Dabei geht es auch um den Stadteingang über Herdentor und Sögestraße. Der Kreuzungsbereich Wall/Herdentor gerät in den Fokus. Und für den Übergang an der Sögestraße gibt es dem Arbeitspapier nach bereits einen Planungsauftrag beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen.

Die Situation am Wall sei wegen der Leerstände durch Generationenwechsel und Nachfolgeprobleme sowie Sanierungsbedarfe ohnehin als kritisch eingeschätzt worden, heißt es außerdem. Der Brand nun habe sie verschärft. Es sei „sofortiger Handlungsbedarf zu konstatieren“. Um Stadtbesuchern und Bremern die Zugänge zu erleichtern, solle es eine „kluge Wegweisung“ geben. Auch zu den vorhandenen Parkhäusern in Wall-Nähe, in der Katharina, der Violenstraße und am Musical-Theater am Richtweg.

Wochenmarkt bald bis zum Wall?

Wie wäre es, wenn Autos am Wall nicht mehr längs auf dem Trottoir vor den Läden und deren Schaufenstern, sondern schräg gestellt würden? Könnte das neuen Raum zum Flanieren und Verweilen schaffen? Solche und andere Überlegungen finden sich in dem Arbeitspapier des Ressorts.

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Zu den bisherigen Angeboten Mode und Einrichten/Lifestyle sollen Kultur und Genießen als Themen kommen. Konkret wird dabei dem Eckhaus an der Bischofsnadel, dessen Eigentümer der Immobilieninvestor Thomas Stefes ist, eine Rolle zugedacht. Auch ist von einem Autohaus hochmodernen Standards die Rede, das eingerichtet werden könnte. Das würde an die Zeit anknüpfen, als der frühere Bremer Autohersteller Borgward seinen Autosalon am Wall hatte.

Ein Augenmerk richten die Verfasser des Papiers aus dem Wirtschaftsressort ausdrücklich darauf, mehr Leben in die Wallanlagen zu bringen. Es gelte, sie als historischen und denkmalgeschützten Schatz zu begreifen und gleichzeitig mehr Nutzungen zu ermöglichen. Kultur, Sport und Spiel, aber auch kommerzielle Themen werden genannt. So könnte es Gastronomie auf dem Theaterberg geben – vielleicht in einem hochwertig gestalteten Pavillon, wie er im Konzept für den Woltmershauser Weseruferpark entwickelt worden sei.

Die Bremer Touristik Zentrale und den Großmarkt möchte das Ressort in die weiteren Überlegungen auch einbinden. Eine Idee, deren Umsetzbarkeit überprüft werden soll: Der Wochenmarkt auf dem Domshof könnte sich bis zum Wall und die Wallanlagen hinein ausweiten. Auch nehmen die Verfasser Ideen aus anderen Großstädten auf, in denen Liegestühle – beispielsweise in Berlin an der Spree oder auch in Londoner Parks – zum Entspannen einladen.

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