Ortsamtsleiter über neue Projekte Was Blumenthal blüht

Peter Nowack (57) ist seit 2010 Ortsamtsleiter in Blumenthal. Klaus Grunewald sprach mit dem Sozialdemokraten über neue Projekte und Entwicklungen - wie den Umbau des Busbahnhofes "Ständer".
12.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald

Peter Nowack (57) ist seit 2010 Ortsamtsleiter in Blumenthal. Klaus Grunewald sprach mit dem Sozialdemokraten über neue Projekte und Entwicklungen - wie den Umbau des Busbahnhofes "Ständer".

Herr Nowack, reden wir über die nahe Zukunft. Was kommt auf Blumenthal in diesem und im nächsten Jahr zu?

Peter Nowack : Im März soll der Umbau des Busbahnhofs „Ständer“ beginnen. Nahezu zeitgleich erfolgt, so die bisherige Planung, der erste Spatenstich für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses im Eingangsbereich zwischen Landrat-Christians- und Lüder-Clüver-Straße. Ein 3,8-Millionen-Projekt, das die hässliche Baulücke städtebaulich optimal aufwertet. Zudem erwarten wir täglich die Genehmigung des Bauamtes für die Errichtung einer Kindertagesstätte auf dem ehemaligen Nordenholz-Grundstück.

Wann kann sie eingeweiht werden?

Zunächst muss das einstige Geschäftshaus abgerissen werden, aber spätestens im Februar 2018 sollten die Bauarbeiten für die neue Kita mit 140 Betreuungsplätzen abgeschlossen sein.

Kollidieren die Abbrucharbeiten mit dem Konzept, den Marktplatz wieder für den Verkehr zu öffnen?

Zumindest gilt es, ein logistisches Problem zu lösen. Bevor eine neue Fahrspur am Rande des Marktplatzes für einen entschleunigten Verkehr mit Tempo 20 eingerichtet wird, müssen die schweren Baufahrzeuge den Schutt des abgerissenen Nordenholz-Gebäudes abgefahren haben. Mittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro für die neue Verkehrsführung und die Fahrbahnsanierung der Landrat-Christians-Straße sind von der Bürgerschaft beschlossen worden.

Wir sprechen gerade über Baumaßnahmen, die der Aufwertung des Blumenthaler Zentrums dienen sollen. Welche anderen Projekte stehen an?

Nachdem Bremen die Strandhalle ersteigert hat, soll Ende Februar mit dem Abriss begonnen und das rund 10 000 Quadratmeter große Areal in eine Grün- und Erholungsfläche umgewandelt worden. Quasi als Verlängerung der Bahrsplate. Zur Gestaltung der Halbinsel am Rönnebecker Hafen mit Baumpflanzungen, Fußwegen und Ruhebänken stehen aktuell die Mittel zur Verfügung. In einem zweiten Abschnitt ist der Bau einer Plattform mit Sonnenliegen direkt an der Wasserkante vorgesehen. Insgesamt benötigen wir rund 650 000 Euro, die wir noch einwerben müssen.

Das klingt nach Aufbruchstimmung und dem Abschied vom Jammertal.

Die Parole, dass sich Blumenthal in einem schlimmen Zustand und in einer nicht zu stoppenden Abwärtsspirale befinde, wird leider ständig auch mithilfe der neuen Medien in die weite Welt posaunt. Zu Unrecht, denn in Blumenthal hat nach dem Ende der Industrie-Epoche mit der Schließung des Bremer Vulkan und der Bremer Woll-Kämmerei längst eine Phase des Aufbruchs begonnen. Viele Besucher haben festgestellt, dass Blumenthal viele schöne Ecken hat. Sie sagen: Wir kommen wieder!

Ist es also folgerichtig, wenn der Vorsitzende des Kämmereimuseums, Detlef Gorn, vorschlägt, mit dem Slogan „Perle der Industriekultur“ für den Stadtteil zu werben?

Das ist eine griffige und positive Botschaft, die Blumenthals Geschichte und Gegenwart verknüpft. Ein Slogan, der darüber hinaus verdeutlicht, dass der Stadtteil mit seinem kulturellen Pfund wuchern kann, wie die Gestaltung des BWK-Areals zeigt.

Wobei der Faktor Arbeit weiterhin eine wichtige Rolle spielen könnte.

Richtig, entlang der historischen Achse befinden sich Grundstücke, die industriell genutzt werden sollen. Noch in diesem Monat dürfte die Vertragsunterzeichnung für den Verkauf eines Areals an eine Zulieferfirma für den Jachtbau erfolgen, die direkt an der Weser eine Produktionsstätte errichten und 70 Arbeitsplätze schaffen will.

Für Arbeitsplätze sollte auch eine Steinbrech-Anlage in Rönnebeck sorgen.

Dagegen hat sich bekanntlich großer Widerstand aufgebaut, weil sie mitten in einem Wohngebiet entstehen sollte. Dieser Plan ist inzwischen vom Tisch, gesucht wird ein Standort, der für die Wohnbevölkerung mit weniger Lärmbelästigung verbunden ist. Zurzeit wird zudem geprüft, ob in Rönnebeck statt einer Steinbrech-Anlage neue Wohnungen gebaut werden können.

Zurück zur Perle der Industriekultur. Ihr Zentrum soll das Kämmereimuseum an historischer Stätte sein: im 1915 errichteten Sortierhaus. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Zielsetzung ist klar, auch der Beirat möchte dem Kämmereimuseum im Sortierhaus einen festen Platz verschaffen. Voraussetzung aber ist eine umfassende Sanierung des Gebäudes, die rund acht Millionen Euro kostet. Deshalb spielt die Refinanzierung eine entscheidende Rolle. Die Vermietung von Büros und Wohnungen soll also genügend Geld in die Kasse bringen, um das Museum nicht zu einem Euro-Grab werden zu lassen.

Zur Aufwertung eines Stadtteils gehört zweifellos die Kunst- und Kulturszene. Befindet sie sich Blumenthal im Dornröschenschlaf?

Sicherlich nicht. Bremens Kulturschaffende wie etwa das Theater Bremen haben den Stadtteil längst entdeckt. Im nächsten Jahr ist auf der Historischen Achse sowie auf der Bahrsplate ein Freiluft-Festival vorgesehen. Und weil die Burg Blomendal saniert wird, soll die Veranstaltung „Feuer & Wein“ in diesem Jahr ebenfalls auf dem BWK-Gelände stattfinden. Insgesamt sind wir kulturell in etlichen Nischen unterwegs und kooperieren auch mit dem Kulturbüro Bremen-Nord.

Zur negativen Wahrnehmung Blumenthals gehörte vor zwei Jahren das Haus in der Rekumer Straße 12.

Dort sind unbegleitete jugendliche Flüchtlinge untergebracht, die Ängste in der Bevölkerung auslösten. Tatsache ist aber, dass es zwar interne Konflikte gab, dass die Bewohner des Hauses Rekumer Straße 12 in den vergangenen zwei Jahren aber keine einzige Straftat gegen Blumenthaler Bürger begingen. Nun wird gerade der Sattelhof als Jugendhilfeeinrichtung der Akademie Kannenberg für schwierige Jugendliche umgebaut. Sie sollen resozialisiert werden und unter anderem gemeinnützige Arbeiten im Umfeld des Sattelhofes verrichten, könnten sich also auch um die Platzpflege des Burgwallstadions verdient machen.

Ein Blick in die fernere Zukunft: Wann wird die Gefahr für das Trinkwasser durch das ehemalige Tanklager Farge endgültig gebannt sein?

Das könnte noch vor 2035 der Fall sein. Jedenfalls soll noch in diesem Jahr ein runder Tisch mit allen an der Sanierung des verseuchten Erdreichs Beteiligten eingerichtet werden, um die Arbeiten kontrolliert und zügig voranzutreiben. Ein dickes Lob gebührt in diesem Zusammenhang der Bürgerinitiative Tanklager Farge. Sie hat einen tollen Job gemacht und dazu beigetragen, dass es jetzt auch eine respektvolle Zusammenarbeit mit dem zuständigen Senatsressort gibt.

Zur Person: Peter Nowack (57) ist seit 2010 Ortsamtsleiter. Der Sozialdemokrat absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei der Bundesbahn, war von 1998 bis 2004 Vorsitzender des Betriebsrats im Ausbesserungswerk Sebaldsbrück.

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