Mietpreise

Was Brebau und Gewoba zu Sozialwohnungen in Bremen sagen

Die Mieten in Bremen sind für Menschen mit wenig Geld zu hoch geworden. Der Grund: Es gibt kaum noch Sozialwohnungen. Doch stimmt dieser Zusammenhang überhaupt?
14.08.2019, 19:45
Lesedauer: 3 Min
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Was Brebau und Gewoba zu Sozialwohnungen in Bremen sagen
Von Jürgen Hinrichs
Was Brebau und Gewoba zu Sozialwohnungen in Bremen sagen

An der Marcuskaje in der Überseestadt sind 250 Wohnungen entstanden, 150 davon öffentlich gefördert.

Frank Thomas Koch

Es gibt kaum noch Sozialwohnungen in Bremen. Für Menschen mit wenig Geld sind die Mieten deshalb zu hoch geworden. So wird das beklagt. Doch stimmt dieser Zusammenhang überhaupt? Nach aktuellen Zahlen der Gewoba, die 41.900 Mietwohnungen im Bestand hat, rund 31.000 davon in der Stadt Bremen, ist der größere Teil davon günstiger als öffentlich geförderte Einheiten. Bei der Brebau mit ihren 5800 Wohnungen sieht es genauso aus. Gleichzeitig bauen die beiden Unternehmen zurzeit wieder vermehrt Sozialwohnungen.

„Obwohl nur vier Prozent unseres Wohnungsbestandes öffentlich gefördert und damit preisgebunden sind, liegen zwei Drittel der nicht preisgebundenen Wohnungen unter der heutigen Miete für geförderten Wohnraum im Neubau von 6,50 Euro pro Quadratmeter“, erklärt die Gewoba auf Anfrage. Das Unternehmen liefert ein Beispiel aus der Pennigbütteler Straße.

5,64 Euro für den Quadratmeter

Die Wohnungen der Reihenhaussiedlung in Oslebshausen sind bis Ende 2015 gefördert worden. Als Grundmiete wurden damals 5,32 Euro für den Quadratmeter berechnet. Nach dem Übergang in den freifinanzierten Bestand ohne Miet- und Belegungsbindung hat die Gewoba, die mit knapp mehr als 75 Prozent im Besitz der Stadt ist, bei den Mietern nicht plötzlich zugelangt. Es gab nach Angaben des Unternehmens lediglich eine moderate Erhöhung um etwa zehn Cent pro Quadratmeter und Jahr. Heute beträgt die Miete in der Pennigbütteler Straße 5,64 Euro für den Quadratmeter. Ortsüblich sind laut Gewoba rund 6,30 Euro.

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Die durchschnittliche Grundmiete für Gewoba-Wohnungen liegt bei 6,08 Euro. In der Stadt insgesamt und über alle Anbieter hinweg sind es 6,37 Euro. Das ist weniger Geld, als von den Mietern aktuell für neu gebaute und geförderte Wohnungen bezahlt wird. Bei der Brebau, die in diesem Jahr komplett in städtischen Besitz übergegangen ist, klafft die Differenz noch weiter auseinander. Das Unternehmen erzielt eine Durchschnittsmiete von 5,84 Euro pro Quadratmeter, wie aus dem Geschäftsbericht für das vergangene Jahr hervorgeht.

Bindung gilt für 30 Jahre

Die Gewoba ist 1987 aus der Neuen Heimat hervorgegangen. Damals waren dort rund 44.500 Mietwohnungen im Bestand. Etwa 90 Prozent sind öffentlich gefördert worden, in der Regel für 30 Jahre. Ab den 1990er-Jahren ist diese Förderung nach und nach ausgelaufen. Heute besitzt das Unternehmen nur noch 1737 Sozialwohnungen – 1168 aus alten Förderprogrammen und 569 aus der Neubauförderung. Die Brebau hat 245 alte Sozialwohnungen und 64 im Neubau.

Insgesamt sind es in der Stadt Bremen nach Angaben der Baubehörde zurzeit knapp 7000 geförderte Wohnungen. 1991 waren es 61.300, zehn Jahre später nur noch 19.800, und nach weiteren zehn Jahren 8100. Die Kurve ging kontinuierlich nach unten. Ein rapider Verlust. Um dem entgegenzuwirken, hatte der Senat ab dem Jahr 2012 Wohnraumförderprogramme aufgelegt.

Erst im März dieses Jahres waren noch einmal 25 Millionen Euro bewilligt worden. Das gesamte Darlehensvolumen für Bremen und Bremerhaven liegt nun bei 185 Millionen Euro. Benötigt wird das Geld, um die 25-Prozent-Sozialwohnungsquote abzusichern. Bauträger müssen diese Quote garantieren, wenn sie ihre Projekte auf einem Grundstück entwickeln wollen, das sie von der Stadt kaufen. Künftig werden es nach einem Beschluss der Bürgerschaft sogar 30 Prozent sein.

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Profitieren können von den besonders günstigen Darlehen auch Gewoba und Brebau. Die beiden Wohnungsgesellschaften sind wieder stark ins Baugeschäft eingestiegen, nachdem sich vor allem die Gewoba jahrzehntelang mehr auf die Pflege des Bestands konzentriert hatte. Das tut sie auch heute noch, jetzt aber, wo es geht, auch mit dem Gedanken, die Häuser aufzustocken. Neu gebaut wird von der Gewoba auch. In den vergangenen sieben Jahren hat das Unternehmen nach eigener Darstellung 788 Wohnungen geschaffen. Bis Ende dieses Jahres soll die Marke von 1100 Wohnungen erreicht werden.

Nächstes Stichwort ist Konversion. Die Gewoba wird das Bundeswehrhochhaus in der Bahnhofsvorstadt zu einem Wohnhaus umbauen. In dem 60 Meter hohen ehemaligen Behördensitz sollen bis zu 180 Einheiten entstehen, davon 112 Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen, die öffentlich gefördert werden. Ein weiteres Projekt der Gewoba ist die Bebauung auf dem Gelände der Scharnhorstkaserne in Huckelriede.

Brebau schafft Neubauten

Die Brebau investiert gerade besonders intensiv in Arsten. Dort entstehen 235 Mietwohnungen und Reihenhäuser, darunter ein großer Teil sozial gefördert. Auch in der Neustadt, in Gröpelingen, in der Überseestadt und auf dem Stadtwerder schafft das Unternehmen Neubauten. Unterm Strich sind das laut Geschäftsbericht aktuell rund 350 Mietwohnungen, 140 Reihenhäuser und 180 Eigentumswohnungen.

Mittwoch sind bundesweite Zahlen zur Entwicklung bei den Sozialwohnungen bekannt geworden. Demnach schrumpft der Bestand weiter. Ende vergangenen Jahres gab es fast 42 500 Sozialwohnungen weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Insgesamt gab es zum Jahreswechsel fast 1,18 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland. 2018 fielen der Statistik zufolge rund 70.000 Einheiten aus der Bindung, etwa 27 000 wurden neu gebaut.

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