Immer mehr Autos auf den Straßen

Was Bremen gegen die Parkplatz-Not unternimmt

Der Kampf um Parkplätze droht härter zu werden. Immer mehr Autofahrer sind auf Bremens Straßen unterwegs. Zur Entspannung der Lage setzt die Behörde auf Carsharing, Quartiersgaragen und Bezahlzonen.
30.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Was Bremen gegen die Parkplatz-Not unternimmt
Von Alexander Tietz
Was Bremen gegen die Parkplatz-Not unternimmt

Parkplatzmangel – viele Autofahrer stellen ihre Pkw, wie hier in der Brahmsstraße in Schwachhausen, deswegen auf den Gehweg.

Frank Thomas Koch

Der Kampf um Parkplätze droht härter zu werden. Immer mehr Autofahrer sind auf Bremens Straßen unterwegs. Zur Entspannung der Lage setzt die Behörde auf Carsharing, Quartiersgaragen und Bezahlzonen. Nach Meinung eines Verkehrsexperten liegt im kostenpflichtigen Parken die Zukunft.

Die Suche nach einem Parkplatz kann frustrieren. In manchen Stadtteilen, unter anderem in Schwachhausen, parken Autofahrer rechtswidrig auf dem Fußweg, weil sie offenbar nicht weiter wissen. Manche Leser des WESER-KURIER verurteilen solche Parkgewohnheiten und plädieren für eine härtere Bestrafung der Autofahrer. Einige haben Verständnis und fordern, Parken auf Gehwegen zu dulden.

Unabhängig von den Reaktionen, die in den vergangenen Tagen in der Redaktion eingegangen sind, stehen Stadt, Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger vor einem Problem: Der Parkraum ist begrenzt, während die Zahl der Autos immer weiter steigt. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren im Jahr 2009 rund 259 300 zugelassene Pkw im Land Bremen unterwegs. Im vergangenen Jahr waren es 276 270 Pkw und damit rund 16 970 mehr als im Jahr 2009.

Senator will Verkehr ausdünnen

Den Anstieg der Pkw-Zahlen führt der ADAC auf die Bevölkerungsentwicklung zurück. Nils Linge, Pressesprecher für die Region Weser-Ems, sagt: „Die Einwohnerzahl in Bremen steigt, was logischerweise dazu führt, das mehr Autos unterwegs sind.“ Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Einwohnerzahl zwischen den Jahren 2011 und 2013 um mehr als 4500 Einwohner auf 548 547 in der Stadt Bremen gestiegen.

Die Parkplatzsuche wird angesichts der wachsenden Bevölkerung und des zunehmenden Verkehrs nicht einfacher. Als Lösung gibt die Behörde eine klare Linie aus: Der Autoverkehr in der Innenstadt soll ausgedünnt werden. „Wir wollen Autos zwar nicht aus der Innenstadt verbannen“, sagt Jens Tittmann, Sprecher von Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne), „aber wir wollen so gut wie möglich für alternative Verkehrsmittel werben.“

Eine von der Behörde beworbene Alternative ist – neben der Nutzung von Fahrrädern, Bussen und Bahnen – das Carsharing. Autos, die gemietet werden und einen festen Stellplatz in Bremen haben. In der Hansestadt gibt es etwa 10 000 Gelegenheitsfahrer, die sich derzeit 230 Fahrzeuge teilen. Laut der Verkehrsbehörde seien dadurch bereits rund 2200 Privatautos eingespart worden. Bis zum Jahr 2020 soll es rund 20 000 Carsharer in Bremen geben, damit 6000 Fahrzeuge aus dem Verkehr verschwunden sind.

So zumindest der Plan. Allerdings ist die Zahl der zugelassenen Pkw in Bremen seit 2009 jedes Jahr um durchschnittlich 3390 Autos gestiegen – trotz Carsharing. Matthias Gather, Verkehrsforscher an der Fachhochschule Erfurt, sagt, Carsharing sei differenziert zu betrachten. Es sei zwar auf den ersten Blick eine Methode, um Autos einzusparen, doch würden Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel zum Autofahren verleitet.

Nach Ansicht des Erfurter Experten führt in Zukunft kein Weg daran vorbei, mehr Stellplätze zu schaffen. Parkende Autos müssten „aus dem Straßenbild verbannt“ werden. Gather rät Städten daher, auf unterirdische Quartiersgaragen zu setzen. In Bremen gibt es derzeit fünf Quartiersgaragen mit insgesamt 450 Stellplätzen: in der Lübecker Straße (Steintor), am Hohenpfad (Ostertor), in der Ortstraße (Gröpelingen), in der Dorotheenstraße (Neustadt) und im Buntentorsteinweg (Neustadt). Behördensprecher Tittmann kündigt an, am Klinikum Bremen-Mitte entstehe ein weiteres Parkhaus für etwa 100 Dauerparker. Weitere Projekte zur Schaffung neuer Parkplätze seien aufgrund von Platzmangel in der Stadt derzeit aber nicht vorgesehen.

Worauf die Stadt bereits seit Jahren setzt, sind Bewohnerparkplätze. In rund 110 Straßen zahlen Anwohner eine jährliche Gebühr von 30 Euro, während Besucher deutlich höhere Parkgebühren entrichten müssen. „Damit entlasten wir die Anwohner und versuchen auf diese Weise den Parkdruck herauszunehmen“, so Tittmann. Weitaus höher ist der Tarif für Anwohner jedoch in den Quartiersgaragen. In Gröpelingen müssen Dauerparker 35,20 Euro im Monat zahlen, am Ostertor sogar 69,02 Euro. Verkehrsexperte Gather sagt, dem Bezahlparken gehört in überfüllten Großstädten die Zukunft: „Dass Parken nichts kostet, ist ein Relikt der Vergangenheit.“ Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich die Zwistigkeiten zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern von allein legen. ADAC-Sprecher Linge: „Wir sollten nicht zu stark auf unsere eigenen Rechte pochen und Verständnis für andere zeigen.“

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