Begrenzte Gästezahl bei Hochzeiten

Was Brautpaare in Bremen derzeit bei Trauungen beachten müssen

Standesamtliche und kirchliche Trauungen können heiratswillige Paare in Bremen aufgrund strenger Corona-Schutzverordnungen nur noch im sehr kleinen Kreis erleben.
16.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Was Brautpaare in Bremen derzeit bei Trauungen beachten müssen
Von Ulrike Troue
Was Brautpaare in Bremen derzeit bei Trauungen beachten müssen

Das Standesamt Bremen-Mitte in der Hollerallee. Hier sind für diesen Monat insgesamt 94 Trauungen angemeldet. Trotz der Einschränkungen wegen der Pandemie sagen nur wenige Brautpaare ihren Termin ab.

Karsten Klama

Wegen der strengen Corona-Schutzmaßnahmen in den Standesämtern dürfen sich derzeit in der Regel nur die angehenden Eheleute, der Standesbeamte und gegebenenfalls ein Dolmetscher versammeln. Trauzeugen sind seit dem 1. Juli 1998 rechtlich nicht mehr erforderlich.

Diese und weitere Anweisungen seien unter Berufung auf das Hausrecht der Ämter entstanden und als Gesundheitsschutzmaßnahme zu verstehen, um vor dem Hintergrund „besorgniserregender Infektionszahlen“ den Betrieb systemrelevanter Dienststellen aufrechterhalten zu können, erklärte Frank Lüthe, der auch für Standesämter zuständige Abteilungsleiter der Innenbehörde, der Innendeputation auf Anfrage der CDU. „Die Systemrelevanz begründet sich vor allem auf die Beurkundung von Sterbe- und Geburtenfällen.“

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Für die Größe jedes Trauortes wurden Hygienekonzepte und maximale Teilnehmerzahlen festgelegt. Alle Vorgaben dienen laut Lüthe dazu, Besucher und die 48 aktiven Standesbeamtinnen und -beamte, von denen viele auch in anderen Verwaltungsbereichen eine wichtige Funktion erfüllen, besser zu schützen. In Hamburg, Berlin oder Bremerhaven würden ebenfalls strenge Regeln gelten, betonte der Verwaltungsvertreter.

Verständlicherweise seien die Paare teilweise sehr enttäuscht über die Personenbeschränkung, insbesondere wenn die Familie oder enge Freunde nicht an der Eheschließung teilnehmen könnten, gibt Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Senators für Inneres, die Erfahrungen aus den Bremer Standesämtern weiter. Gemäß der neuen Anordnung der Standesamtaufsicht soll sich außerdem die rechtliche Eheschließung nur noch auf den amtlichen Teil beschränken. Wie die Innenbehörde dazu auf Nachfrage mitteilt, dauert die personenbezogene Rede circa zehn Minuten.

Mit Augenmaß auf Einzelfälle eingehen

Auf Kritik habe man reagiert, berichtete Abteilungsleiter Lüthe nun in der jüngsten Innendeputationssitzung und bemühte sich, zu verdeutlichen, dass mit Augenmaß vor- und auch auf Einzelfälle eingegangen wird. Minderjährige Kinder der angehenden Eheleute dürften bei der Trauung dabei sein, wenn keine andere Aufsicht möglich sei, nannte er als Beispiel. Und in vielen Außentraustandorten dürften sie ohne Ausnahmeregel dabei sein, zum Beispiel im Rathaus, Meta-Rödiger-Hochtiedshuus oder Burg Blomendal.

Thomas vom Bruch (CDU) äußerte nur „sehr bedingtes Verständnis“ für diese „restriktive Regelung“. Auch die Bremer Standesämter hätten die Möglichkeit, gesetzliche Eheschließungen in größeren Räumen und damit nicht ganz so engem Rahmen durchzuführen, sagte der Deputationssprecher mit Blick auf dieses nicht wiederholbare Ereignis. Im Vergleich zu anderen Einrichtungen der öffentlichen Hand, die ein Mindestmaß an Zugang sicherstellten, sah er „ein erhebliches Gefälle“.

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Schon während der gesamten Zeit der Pandemie sind nach Auskunft des Innenressorts Eheschließungstermine abgesagt oder verschoben worden. Die meisten Brautpaare halten aber trotz der Personenzahlbegrenzung am Termin für die standesamtliche Trauung fest.

In der ersten Novemberwoche wurden 53 Ehen in den Räumen des Standesamtes Bremen-Mitte (inklusive Außenstandorte) und drei im Standesamt Bremen-Nord geschlossen. Für Bremen-Mitte sind für diesen Monat insgesamt 94 und für Bremen-Nord 15 standesamtliche Trauungen angemeldet. In der Hollerallee sind zwölf Eheschließungen mit Dolmetscher vorgesehen, in Vegesack sind ein bis zwei pro Monat die Regel. Die Zahl der kirchlichen Trauungen melden die Gemeinden erst im Nachhinein der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK).

Umfangreiche Maßnahmen zum Infektionsschutz

Seit Beginn der Pandemie haben die Standesämter wie auch Kirchengemeinden in Bremen eigenen Auskünften zufolge umfangreiche Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen. Auch dort müssen sich alle Gäste mit Namen und Telefonnummer in eine Kontaktliste eintragen, die ausschließlich einer möglichen Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt dient.

An kirchlichen Traugottesdiensten können nach Mitteilung von BEK-Pressesprecherin Sabine Hatscher bis zu 100 Personen teilnehmen. Das ist von der Größe des Gotteshauses abhängig. Wenn in einer Kirche bei Einhaltung des eineinhalb Meter Mindestabstands nur 20 Personen Platz finden, betont sie, dürften auch nicht mehr dabei sein.

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Hinsichtlich der Sitzordnung gelten in den Kirchen die üblichen Abstandsregeln, so Hatscher, wobei Menschen aus einem gemeinsamen Haushalt beieinander sitzen dürften. „Ein Einzug des Brautpaares ist nicht mehr möglich“, teilt Sabine Hatscher mit. Wegen der derzeitigen Situation dürften keine Lieder gesungen werden. Alternativen seien eine Sängerin oder ein Sänger von der Empore oder das Einspielen von Liedern von CD.

Wie auch die Kirchen hoffen die Standesämter, dass die Infektionszahlen aufgrund der getroffenen Maßnahmen zurückgehen und sie Heiratswilligen wieder einen schöneren würdigen Rahmen für ihre Hochzeit bieten können. „Wir betrachten die Paare nach wie vor als unsere Kunden“, so Frank Lüthe.

Keine komplette Schließung des Traubetriebes

Eine komplette Schließung des Traubetriebes sieht die Innenbehörde zu diesem Zeitpunkt als unverhältnismäßig an. Außerdem liegen weder Standesamtsaufsicht noch -leitungen Mitteilungen vor, dass Standesbeamtinnen und -beamte einer der Risikogruppen angehören oder einen Einsatz in einem der Außentrauorte ablehnen.

Die Möglichkeit, dass Familienangehörige und enge Freunde per Videoübertragung via Internet die Eheschließung live verfolgen können, bestehe, aber sei rechtlich nicht geboten, antwortet Pressesprecherin Rose Gerdts-Schiffler auf Nachfrage. „Lehnt ein Standesbeamter die Übertragung der Trauung via Internet generell ab, so liegt hierin kein Ermessensfehler: Die Nichtzulassung der Internet-Übertragung dient – ebenso wie das Verbot von Ton- und Filmaufnahmen – dem legitimen Zweck, das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Standesbeamten zu schützen.“

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